Die besonders bei jungen Menschen so überaus beliebten MP3-Player sind in ihrer Kapazität begrenzt. Ein dreidimensionales Hörerlebnis lässt sich damit bislang nicht vermitteln. Für den so genannten „Surround-Sound“ benötigt man riesige Datenpakete. Wenn man wie im Kino die Klangflut von allen Seiten auf sich einwirken lassen will, muss zuvor der Tontechniker Dutzende von Mikrofonaufnahmen abmischen, aus denen Dateien erstellt werden. Die werden dann über sechs Kanäle ausgestrahlt. Ein gewöhnliches Pop-Konzert füllt eine Audio-DVD. Die kann man sich zu Hause oder im Auto mit den gängigen Anlagen anhören. Für das immer beliebter werdende Internet-Radio oder zur Speicherung auf dem MP3-Player sind die Datenmengen zu groß.
Auf dem Wege zum mobilen Stereo-Erlebnis
Diesem Problem hat sich das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen angenom-men. Zusammen mit Ingenieuren aus der Wirtschaft haben sie einen neuen Weg gefunden, um die Datenpakete schlanker werden zu lassen. Auf der Cebit 2007 wurde eine Entwicklung vorgestellt, die ein mobiles Stereoerlebnis ermöglicht. Dabei reduziert eine Software den Datenstrom auf ein Stereosignal. Dabei werden Zusatzinformationen mitgespeichert. Anschließend wird die Datei komprimiert und übertragen. Der Empfänger liest die Zusatzinformationen wieder aus und kann mit ihrer Hilfe das Original „annähernd“ wiederherstellen. 'Das neue Verfahren 'MP3 Surround' ist die Multikanalerweiterung des Audiokompressionsstandards MP3“, so Matthias Rose vom Erlanger Institut.
Klangerlebnis wie im Konzertsaal
Ausgangspunkt ist: MP3 reduziert den Datenstrom. Diejenigen Signalanteile, die für das menschliche Ohr gar nicht oder nur schlecht wahrnehmbar sind, werden ungenau, dafür aber Platz sparend abgespeichert. Dazu kommen die Zusatzinformationen für die verschiedenen Kanäle - beispielsweise die Differenzen der Laufzeiten der Audiosignale zwischen den Lautsprechern oder die Lautstärkeunterschiede. Die Software verpackt das kodierte Stereosignal sowie die Soundparameter in eine MP3-Surround-Datei, die dann verschickt oder abgespeichert werden und von jedem MP3-Player abgespielt werden kann. Der Rundumklang kommt allerdings nur zum Tragen, wenn das Gerät einen MP3-Surround-Chip besitzt und zudem an sechs Boxen angeschlossen ist. Sonst hört der Besitzer die Musik wie bisher in Stereo.
Die praktische Umsetzung der neuen Technik hat bereits begonnen. Entsprechende Geräte sind schon auf dem Markt. Gleiches gilt für erste DVDs. Große Unterhaltungselektronikkonzerne haben Lizenzen erworben. Dennoch gehen die Mitarbeiter des Erlanger Instituts davon aus, dass die praktische Umsetzung genau so viel Zeit brauchen wird wie einst der Übergang von Mono zu Stereo. Mittlerweile lässt sich das Surround-Erlebnis mit technischen Tricks sogar über Kopfhörer vermitteln. Und die Erlanger Tüftler arbeiten inzwischen an einem Gerät, das aus gewöhnlicher Stereo-Musik das Rundumklangerlebnis heraus holt und sogar als Datei abspeichert. In Erlangen hofft man, dass bald „MP3 Surround so selbstverständlich sein wird wie heute Stereo“.
