Der klassizistische Bildhauer Christian Daniel Rauch

Grabmal von Christian Daniel Rauch - Harald Rossa
Grabmal von Christian Daniel Rauch - Harald Rossa
Christian Daniel Rauch bereitete dem Klassizismus in der Skulptur des 19. Jh. den Weg. Das Grabmal für Königin Luise gehört zu seinen herausragenden Werken

Christian Daniel Rauch bereitete dem Klassizismus in der Skulptur des 19. Jh. den Weg. Das Grabmal für Königin Luise gehört zu seinen herausragenden Werken.

Christian Daniel Rauch war einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Bildhauer des deutschen Klassizismus. Er war ein Schüler von Johann Gottfried Schadow und gehört zu den Begründern der Berliner Bildhauerschule.

Sein Lehrer Schadow arbeitete noch vorwiegend in den Formen des 18. Jahrhunderts. Rauch wurde zum Wegbereiter des Klassizismus in der Skulptur und prägte die Bildhauerei des 19. Jahrhunderts nachhaltig.

Das Leben von Christian Daniel Rauch

Christian Daniel Rauch wurde am 2. Januar 1777 in Arolsen im damaligen Fürstentum Waldeck geboren. Sein Vater Johann Georg Rauch war nach einer Soldatenzeit Kammerdiener beim Fürsten zu Waldeck. Der Vater ließ seine Söhne an der Bürgerschule Arolsen unterrichten und Latein und Französisch lernen.

Mit dreizehn Jahren begann Christian Daniel Rauch eine Lehre bei dem Bildhauer Friedrich Valentin in Helsen. Von 1795 bis 1797 war er Gehilfe des Bildhauers Johann Christian Ruhl in Kassel. Dort wirkte er bei der Ausschmückung von Schloss Wilhelmshöhe mit.

1797 starb sein Bruder Friedrich, der Kammerdiener am preußischen Hof war. Christian Daniel folgte ihm als Kammerdiener bei Friedrich Wilhelm II. Daneben studierte er Kunstgeschichte und Altertumskunde an der Kunstakademie in Berlin. Nach dem Tod von Friedrich Wilhelm II. diente er der jungen Königin Luise.

In dieser Zeit entstanden erste eigene plastische Arbeiten nach Skizzen von Gottfried Schadow. 1803 wurde er Schadows Gehilfe. Rauch wollte den höfischen Dienst aufgeben. Die Königin ließ ihn aber nicht gehen.

Doch dann gewährte Friedrich Wilhelm III. ihm 1804 für sechs Jahre ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in Italien. In Rom schloss er Freundschaft mit Wilhelm von Humboldt. Und lernte die klassizistischen Bildhauer Antonio Canova und Bertel Thorvaldsen kennen. Er wirkte abwechselnd in Rom und Carrara. Wo er mit Friedrich Tieck zusammen arbeitete.

Ab 1815 war Rauch wieder in Berlin und hatte eine Wohnung im königlichen Schloss. Hier musste er einen heftigen Kampf um eine angemessene Werkstatt führen. Die fand sich im so genannten „Lagerhaus“ in der Klosterstraße. Seine Werkstatt in Carrara löste er 1819 auf und ließ Friedrich Tieck mit vier italienischen Fachleuten für die Bearbeitung von Marmor nach Berlin kommen.

Das Lagerhaus wurde zum Ursprung der Berliner Bildhauerschule. Rauch selbst war unablässig tätig und gönnte sich bis ins hohe Alter kaum Ruhe. Zeitweise war er einer der meist beschäftigten Bildhauer in Europa. Noch mit 80 Jahren schuf er die Statue von Albrecht Daniel Thaer.

Er starb am 3. Dezember 1857 in Dresden und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin in der Nähe der Grabstellen von Johann Gottfried Schadow, Karl Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler beigesetzt. Sein Ehrengrab mit einem von ihm 1853 selbst entworfenen und von seinem Schüler Albert Wolff realisierten Grabmal ist bis heute erhalten.

Ehrung und Erinnerung

In Bad Arolsen befinden sich das Christian-Daniel-Rauch-Museum und die Rauch-Gedenkstätte.

Das in der heutigen Form seit Oktober 2002 bestehende Christian-Daniel-Rauch-Museum im Marstall-Gebäude des Schlosses in Bad Arolsen zeigt viele Werke von Rauch und Zeitgenossen, die Dauerleihgaben aus den Beständen der Alten Nationalgalerie Berlin sind.

Das Geburtshaus von Daniel Christian Rauch ist zu einer Rauch-Gedenkstätte geworden. Hier werden vor allem Erinnerungsstücke gezeigt und die recht ärmlichen Lebensumstände in seinem Elternhaus deutlich.

Eine Büste von Christian Daniel Rauch ist beim Standbild von König Friedrich Wilhelms IV. in der Siegesallee im Berliner Tiergarten zu finden. Diese Büste schuf Karl Begas 1900.

Wichtige Werke von Christian Daniel Rauch

  • Marmorstatue der sitzenden Adelheid von Humboldt als Psyche, Rom 1810
  • Grabdenkmal aus Marmor der Königin Luise von Preußen im Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg in Berlin, Rom zwischen 1810 und 1815
  • Marmorstatuen der Generäle Bülow, Scharnhorst und Blücher aus den Befreiungskriegen neben Schinkels Neuer Wache in Berlin, 1819
  • Lebensgroße Goethebüste, 1820
  • Marmorbüste Carl Friedrich Zelters (1758–1832), Sing-Akademie Berlin, 1825
  • Denkmal August Hermann Francke in Halle/Saale, 1825–1829
  • Denkmal für Friedrich von Kleist in Merseburg, 1825/26
  • Goethe im Hausrock, 1828
  • Bronzestatuen der polnischen Fürsten Mieczyslaw und Boleslaw für den Dom in Posen (Poznan), 1841
  • Arbeiten für die Walhalla in Donaustauf: Büsten von Raphael Mengs (1808), Hans Sachs, van Dyck, Admiral Tromp, Martin Schön (1813), Snyders (1814), Blücher (1817), Graf Diebitsch-Sabalkansky (1830), Scharnhorst (1831), Dürer (1837) und 2 sitzenden und 4 stehende Victorien
  • Sitzende Statue Max I. Joseph, München, 1825/35
  • Dürer-Standbild in Nürnberg , 1830/1840
  • Marmorstatue „Kranzwerfende Viktoria“ (1838–45) für das Berliner Stadtschloss - jetzt in der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel in Berlin
  • Sarkophagfigur von Friedrich Wilhelm III., Berlin 1846
  • Reiterstandbild König Friedrich II. von Preußen auf der Straße Unter den Linden in Berlin von 1851
  • Bronzestatue Albrecht Thaer von 1859 in der Lichthalle im Gebäude der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät in Berlin sowie als Kopie auf dem Schinkelplatz in Berlin aufgestellt.
  • Statue Immanuel Kant in Königsberg/Ostpreußen. Die Statue ist seit 1945 verschollen. Ein Nachguss wurde 1992 wieder aufgestellt.

Literatur zu Christian Daniel Rauch

  • Birgit Kümmel und Bernhard Maaz: Christian Daniel Rauch-Museum, Bad Arolsen. Deutscher Kunstverlag München/Berlin 2002, ISBN 978-3422063860
  • Jutta von Simson und Christian Daniel Rauch. Oeuvre-Katalog, Gebrüder Mann Berlin 1996, ISBN 978-3786117780
  • Jutta von Simson: Christian Daniel Rauch. Stapp Verlag Berlin 1997, ISBN 978-3877761793

Quellen