Der Klimawandel und die Helmholtz-Forscher im REKLIM-Verbund

REKLIM-Konferenz im Leipziger KUBUS, Helmholtz-UFZ - Foto: Gundula Klämt
REKLIM-Konferenz im Leipziger KUBUS, Helmholtz-UFZ - Foto: Gundula Klämt
REKLIM verbindet Wissenschaftler von acht Helmholtz-Forschungszentren in Sachen regionale Klimaänderungen. Am 8./9.9.2011 fand eine REKLIM-Konferenz statt.

Die globale Erderwärmung wirkt sich in den weltweiten und nationalen Regionen ganz verschiedenartig aus. Vor diesem Hintergrund widmen sich Wissenschaftler von acht der insgesamt 17 Helmholtz-Forschungszentren seit 2009 gemeinsam im koordinierten REKLIM-Verbund den Ursachen des Klimawandels und seinen regionalen Auswirkungen. Die gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen Entscheidungshilfen für lokal-individuelle und nutzerorientierte Anpassungs- und Vermeidungsstrategien. REKLIM steht für „Regionale Klimaänderungen“ als Titel dieser Helmholtz-Klimainitiative, die regional verankert, aber auch inter-/national vernetzt ist. Die Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) ist die größte Wissenschaftsorganisation in Deutschland, die Partnerschaften, Forschungskooperationen und Nachwuchsförderung in der europäischen und internationalen Science Community pflegt. Dem Helmholtz-Klimaforschungsverbund REKLIM stehen zusätzlich acht namenhafte deutsche Universitäten zur Seite.

Aktuelle Ergebnisse der Helmholtz-Klimaforschung zur 2. REKLIM-Jahrestagung

Am 8. und 9. September 2011 tagten die an REKLIM beteiligten Helmholtz-Wissenschaftler und interessierte Besucher zum zweiten Mal auf einer REKLIM-Konferenz im „KUBUS“ des Helmholtz-Umweltforschungszentrums (UFZ) in Leipzig. Bei der öffentlichen REKLIM-Tagung am 8. September 2011 ging es in drei Blocks um die Themen „Vom globalen Blickwinkel zur konkreten Anpassungsmaßnahme“, „Die Wasserperspektive“ und „Schadensereignisse und Kosten“. Ziel der Veranstaltung war es, regionale Klimaforschungsergebnisse aus dem REKLIM-Projekt vorzustellen und zu diskutieren. Daneben verbreitet ein Netzwerk aus vier regionalen Helmholtz-Outreach-Klimabüros für Nord-, Mittel- und Süddeutschland sowie für die Polargebiete und den Meeresspiegelanstieg fortlaufend das aktuelle dezentrale Klimawissen der Helmholtz-Forschungsgemeinschaft.

REKLIM-Portfolio mit zehn Forschungsfeldern

Nach den Begrüßungen durch den REKLIM-Leiter Prof. Lemke, den UFZ-Geschäftsführer Prof. Teutsch sowie den Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Material- und Küstenforschung Geesthacht (HZG) Prof. Kaysser eröffnete Dr. Grosfeld vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft (AWI) das breite Spektrum der elf Vorträge an diesem regnerischen Donnerstag des 8. Septembers 2011. Der Climate Change begleitete die Menschheitsgeschichte seit jeher, ist aber in unserer Zeit von besonderer Aktualität, weil Minima - etwa das der Meereis-Ausdehnung in der Arktis - tendenziell wieder unterschritten werden. Dr. Grosfeld stellte das Helmholtz-REKLIM-Portfolio mit seinen nunmehr zehn Forschungsfeldern vor. Neu ist u. a. der Bereich „Schnelle Klimaänderungen“, der Klimamuster und verstärkte Klimasprünge anhand Proxy-Daten modelliert. Aufgenommen wurden weiterhin Themen wie der Einfluss des Klimawandels auf die Luftqualität und Folgen für unsere Gesundheit oder die Abschätzung, welche Risiken mit den Klimaänderungen einhergehen.

Kyoto - Bali - Kopenhagen - Cancun - Durban

Prof. Schwarze (HZG, UFZ, Climate Service Center Germany - CSC) berichtete über den Stand der internationalen Klimaverhandlungen vor der COP 17 in Durban/Südafrika vom 28. November bis 09. Dezember 2011, angefangen von der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) bis hin zum Kyoto-Protokoll, dem Bali-Aktionsplan, dem Übereinkommen von Kopenhagen (COP 15) und den Ergebnissen von Cancun (COP 16). Die Verpflichtung des Kyoto-Protokolls, die Gesamtemissionen an Treibhausgasen (THG) der Vertragsstaaten unter fünf von Hundert unter das Niveau von 1990 zu senken, läuft 2012 aus. Das Kyoto-Protokoll in eine zweite Verpflichtungsperiode herüber zu retten, könnten verschiedene Modelle realisieren. Grundlagen bilden dabei die Cancun-Empfehlungen, Pledges (engl. für Versprechen) sowie die Verlängerung der ersten Verpflichtungsperiode 2008-2012 bis auf Weiteres. Grundvoraussetzung ist das Stopfen aller Schlupflöcher der ersten Verpflichtungsperiode.

Rettung der „leeren Hülle“ des Kyoto-Protokolls nach 2012?

Aber ist die Rettung einer leeren Hülle auch sinnvoll? Prof. Schwarze, der sich langjährig mit der Materie befasste, glaubt persönlich und subjektiv: ja. Aus folgenden Gründen: Das Kyoto-Protokoll ist die einzige existierende und definierte Rechtsform, auch wenn sie bisher ergebnislos blieb. Es ist von Bedeutung, die Rechtsform, Institutionen mit ihren Berichtserstattungen und die flexiblen Mechanismen - etwa Clean Development Mechanism (CDM) als Puffer des EU-Emission Trading Scheme (ETS) - zu erhalten, damit die Prozesse einen Fortgang erleben. Trotz gegenwärtiger Europäischer Defensivstrategie sollte das EU-Emissionshandelsystem geschützt, neue Klimaallianzen geschmiedet und die Forschung für die Energiewende um die Entwicklung eines kohlenstoffarmen Wirtschaftsmodells ausgeweitet werden. Ob es ein Durban-Abkommen geben wird, darüber berichtet ein UFZ-Blog als Kooperationsprojekt in der HGF.

Vortragsreihe von „Sturmfluten“ über „Dürren“ bis „Meereis-Rückgang in den Polgebieten der Arktis und Grönlands“

In den folgenden Vorträgen, die mit Klimasimulationen, Modell-Ensembles und Szenarien arbeiteten, berichtete Dr. Marx (UFZ) vom Klimawandel in Mitteldeutschland; Herr Profft von der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei beschrieb die Vorgehensweise, wie sie klimaangepasste Waldstrategien für Thüringen und ein Schulungsprogramm für lokale Forstwirte entwickelten; Prof. Lemke (AWI) referierte zu Ursachen und Wirkung der Arktischen Erwärmung; Dr. Sasgen (GeoForschungsZentrum-GFZ) von den Veränderungen der polaren Eisschilde und Prof. von Storch (HZG) vom Klimawandel in den deutschen Küstenregionen. Prof. Attinger (UFZ) thematisierte Dürren, wobei der Vortrag damit schloss, dass landwirtschaftliche Dürren „vorhersagbar“ wären. Die Autorin lässt das mal so unkommentiert stehen.

Das Badewannen-Prinzip

Was ganz interessant war, sind die anschaulichen Ausführungen von Prof. von Storch (HZG) zum Entstehen von Sturmfluten. Vor einem Comic-Bild mit einem Kind in der Badewanne stellte er die Frage, wie Wasser auf den Boden gelangen kann; die Antwort: entweder das Kind wird lebhafter oder aber, es gelangt zu viel Wasser in die Badewanne, so dass sie überläuft. Im vergangen Jahrhundert stieg der Meeresspiegel um etwa 20 Zentimeter an, so auch in der Deutschen Bucht, wo jedoch eine Beschleunigung nicht festgestellt wurde. Und wird zukünftig mehr Wasser in der Badewanne der Welt sein? Die Antwort lautet: Je stärker die THG-Emissionen, desto stärker der Anstieg des Meerwasserspiegels. Nochmal 20 bis 80 Zentimeter seien bis nach 2030 möglich und plausibel, so Prof. von Storch. In der Konsequenz kann es notwendig sein, Bebauungen in Küstenregionen zu ändern, etwa Häuser auf Stelzen zu bauen oder mit Erhöhungsmechanismus auszustatten, das Deichdesign zu verbessern und die Tideenergien in Ästuaren bzw. Flüssen zu dämpfen.

Klimawandel: „Die Folge- dürften die Anpassungskosten bei Weitem übersteigen“

Die drei letzten Referate beschäftigten sich mit Schadensereignissen und Kosten, insbesondere mit Hagelschäden, die 38 Prozent aller klimabedingten Schäden im süddeutschen Raum ausmachen, befasste sich der Vortrag von Dr. Kunz vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Herr Reckleben vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Sachsen-Anhalt (MLU) legte die etwaigen Anpassungskosten in der Forstwirtschaft des Landes offen und Prof. Hansjürgens stellte eine regionale Studie mit Projektlaufzeit vom Juni 2010 bis März 2011 zu den ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels in den Sektoren Hochwasserschutz, Trink- und Brauchwasserversorgung, Forstwirtschaft und Tourismus in Sachsen-Anhalt vor.

Quellen:

1. Helmholtz-Verbund REKLIM: 2. REKLIM-Konferenz. 08.09. 2011, KUBUS des Helmholtz-UFZ, Leipzig (Vorträge); 2. Helmholtz-Gemeinschaft, Helmholtz-Verbund REKLIM: NEWSLETTER Regionale Klimaänderungen – Ursachen und Folgen. Nr. 1, September 2011 (Broschüre); 3. Gebhardt, O.; Kumke, S.; Hansjürgens, B.: Kosten der Anpassung an den Klimawandel - Eine ökonomische Analyse ausgewählter Sektoren in Sachsen-Anhalt. UFZ-Bericht 05/2011

Gundula Klaemt - Liebe Leserinnen und Leser, als universitärer Master of Science (M.Sc., früher Dipl.-Ing.) in "Umweltschutz" interessieren ...

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