Der König der Fischer – ein Großstadtmärchen

Jeff Bridges und Robin Williams auf der Suche nach dem heiligen Gral

Terry Gilliams märchenhafte Tragikkomödie von 1991 ist eine anrührende und lebensbejahende Filmperle.

„Wie konntest Du, Narr, finden, was meine mutigsten und weisesten Ritter nicht fanden?“

So endet die Geschichte des Königs der Fischer. In den schönsten und mitunter magischsten-traumhaftesten Bildern fängt Ex-Monty Python Terry Gilliam die tragisch-schöne Geschichte als Analogie über den Radiomoderator Jack Lucas (Jeff Bridges) ein, der ungewollt ein Drama anrichtet. Mit seiner zynischen Art begeistert der arrogante Yuppie seine Zuhörer. Mit einer unbedachten Aussage bringt er einen der Anrufer seiner Show dazu, in einer Bar ein Massaker anzurichten, bei welchem sieben Menschen erschossen werden.

Schuld und Sühne

Von immenser Schuld getrieben fällt Lucas in ein tiefes Loch, verliert seinen Job, beginnt zu trinken. Schließlich kommt er bei Anne (oscarprämiert: Mercedes Ruehl) unter, die eine Videothek leitet. Zu einer richtigen Beziehung ist er allerdings nicht fähig, auch wenn Anne ihn aufrichtig liebt. Als Jack sich da Leben nehmen will wird er vom Penner Parry (berührend: Robin Williams) gerettet, der ihn für den auserwählten hält. Derjenige, der Parry den heiligen Gral beschaffen kann. Jack hält Parry zunächst einfach für verrückt, doch bald stellt sich heraus, dass er einmal ein Literaturprofessor war, dessen Frau in der Bar von Lucas‘ Anrufer vor seinen Augen erschossen wurde. Jack sieht seine Chance Vergangenes wieder Gut zu machen und will Parry helfen wieder auf die Beine zu kommen. Gelegenheit bekommt er als Parry sich in die unscheinbare Verlagsangestellte Lydia (herrlich linkisch: Amanda Plummer) verliebt. Er versucht die beiden zu verkuppeln.

Der rote Ritter

Immer wieder wird Parry hierbei vom rotten Ritter daran gehindert. Immer wenn Parry an sein Leben vor der Mordnacht zurückdenkt erscheint seine Gedankensperre in Form des schrecklichen bedrohlichen roten Ritters, der ihm zusetzt. Als Parry Lydia näher kommt und der rote Ritter ihn daraufhin durch die Stadt hetzt, wird Parry im Park verprügelt und verfällt anschließen in Katatonie (Unterform der Schizophrenie mit Starre des gesamten Köpers und Verweigerung zu sprechen). Jack, der mittlerweile wieder Fuß gefasst hat, beschließt Parrys Wunsch nachzugeben und bricht in das Haus eines New Yorker Millionärs ein, um den heiligen Gral zu stehlen, den Parry auf einem Zeitungsfoto entdeckte. Hier begegnet Jack seinem Dämon Edwin, dem Todesschützen. Er besiegt seinen „roten Ritter“ und bringt Parry den Gral. Parry wacht auf und spricht das erste Mal über seine Frau: „Ich vermisse sie so. Ist das ok? Darf ich sie jetzt vermissen?“

From Hero to Zero und zurück

Die Menschwerdung Jack Lucas‘ ist glaubhaft und anrührend. Sein Abstieg von der Yuppiewelt in den New Yorker Untergrund mit seinen schillernden Figuren gibt Jack die Gelegenheit herauszufinden, was im Leben wirklich zählt: wahre Emotionen, Liebe und Freundschaft. Überleben, Selbstbehauptung und Würde stehen den Fragen von Schuld, Toleranz und Erlösung gegenüber.

Terry Gilliams märchenhafte Magie

Diese elementaren Dinge kleidet Gilliam in fantastische Bilder, die die Geschichte des Königs der Fischer, der sein Leben damit verbringt nach dem Gral zu suchen, während dieser sich die ganze Zeit in seiner Nähe befindet, perfekt widerspiegeln. Jack Lucas trachtet nach Ruhm (ständig fasst er sein Leben zusammen, indem er sich passender Namen für seine Biographie überlegt) und verliert die wahren Werte des Lebens aus den Augen. Parry, der Narr, öffnet ihm die Augen.

Der Märchencharakter des Films zeigt sich zudem in einer der schönsten Szenen. Als Parry Lydia in der Central Station hinterher sieht, verwandelt sich der hektische Bahnhof in einen Tanzsaal. Menschen, die eben noch drängelten und hetzten wiegen sich nun, Parrys träumerisch-verliebter Stimmung entsprechend, in fröhlichen Tanzschritten. Kaum verliert er seine Angebetete aus den Augen, ist das Geschehen ad hoc wie zuvor und alle Leute eilen aneinander vorbei.

Als Parry und Lydia spazieren gehen, sprühen von einer Baustelle Funken über die Straße und erheben diese kleine Szene in etwas sehr sphärisches. Diese kleinen wunderschönen Ideen durchziehen den gesamten Film (z. B. bastelt Parry Lydia aus einem alten Kronkorken einen Ministuhl, am Ende versinkt die Skyline New Yorks in einem großen Feuerwerk) und prägen die Stimmung dieses brillanten Großstadtmärchens.

Simone Sass, Simone Sass

Simone Sass - Echtes Ruhrgebietskind. Studierte Germanistin und Historikerin. Auslandsaufenthalt in Irland. Praktika in Museen, Stadtverwaltung und TV. ...

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