
- An den Landungsbrücken - Michael Kukel
Mehr als acht Millionen Menschen haben in den letzten zehn Jahren in Hamburg die Geschichte des Königs der Löwen erlebt. Die Besucher begeben sich an den Landungsbrücken auf die Fähren mit den Löwenköpfen und lassen sich zum Theater schippern. Für Landratten ist diese Anreise über die Elbe eine schöne Einstimmung auf den maritimen Theaterort, in dem ein musikalisches Märchen aus Afrika seit 10 Jahren zu Hause ist.
Ein eigenes Theater für den König der Löwen
Im Jahr 2001 wurde das Theater im Hamburger Hafen für das Musical umgebaut. Seitdem gastiert der Löwe in dem gelben Tunnelzelt. Begrüßt werden die Gäste vor dem Theater von den prallen Nanas der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle. Der geneigte Kunstfreund schaut verblüfft und sucht nach einer inhaltlichen Beziehung zu Afrika und zum König der Löwen. Beim Rundgang entdeckt er erstaunt eine Sammlung von Skulpturen und Bildern unterschiedlicher nationaler und internationaler Künstler. Das Musicaltheater als Kunstgalerie; eine erfreuliche Bereicherung. Es lohnt sich, genügend Zeit vor der Aufführung zu haben, um die Kunstwerke anzusehen.
Neben mehreren Bars gibt es im Theaterkomplex ein Restaurant. Das erstreckt sich über zwei Ebenen hinter einer gigantischen Glasfassade. Von hier aus bietet sich ein traumhafter Blick auf die Skyline Hamburgs und auf das umstrittene Bauprojekt der Elbphilharmonie. Aus dem stilvollen Ambiente des Restaurants schaut man von oben auf die ankommenden Fähren voller Menschen. Der Gästestrom scheint kein Ende zu nehmen, immer wieder legt eine beladene Fähre an. Schließlich verfügt das Theater über 2.000 Plätze, und die sind täglich so gut wie ausgelastet.
Die Geschichte vom König der Löwen
Disneys „Der König der Löwen“, mit Kompositionen von Elton John, ist eine allegorische, poetische Geschichte für die ganze Familie. Es geht um das Erwachsenwerden, um Jung und Alt, um das Miteinander der Generationen und um den Kreislauf des Lebens im Einklang mit der Natur.
Das kleine Löwenkind Simba wächst unter der friedlichen Herrschaft seines Vaters, des Königs Mufasa, auf. Simba ist ungestüm und ungeduldig, er kann es nicht erwarten erwachsen zu werden. Mit seiner Freundin Nala erlebt er aufregende Abenteuer, die beide in Gefahr bringen. Natürlich hat der gute Mufasa einen Gegenspieler. Das ist Scar; er will Simba um seinen rechtmäßigen Thron bringen. Unter der Herrschaft von Scar verödet das Land. Aber letztendlich schafft es Simba, den bösen Scar zu besiegen und König zu werden. Das Gute siegt. Menschen und Tiere finden wieder zur natürlichen Ordnung.
Blick hinter die Kulissen
„Der König der Löwen“, dieses opulente Afrikaspektakel, mit prächtiger Kostüm- und Bühnenausstattung beschäftigt eine Corona von professionell helfenden Händen. 300 Kostüme kommen in jeder Show zum Einsatz. Die Kostüme sind alle aus hochwertigen Materialien gearbeitet; aus edler Seide und Baumwolle, mit traditionellen afrikanischen Mustern bemalt, mit echten Perlen bestickt. Sandige Farbtöne der Savanne, bunteste Gewänder, üppigster Schmuck und Masken vermitteln afrikanisches Flair. In diesen fantasievollen Requisiten agieren die Schauspieler, Tänzer und Sänger. Die Musicalproduktion ist knallharte Körperarbeit für die Beteiligten. Alle müssen ihr Bestes geben, auf der Bühne und hinter der Bühne.
In Hamburg sind pro Show hinter der Bühne ca. 40 Leute tätig und sorgen täglich, acht mal in der Woche, für einen reibungslosen, routinierten Ablauf der Show.
Portrait über den Dresser Günter
Einer von ihnen ist Günter Trümper. Günter ist 46 Jahre alt und arbeitet seit 16 Jahren Backstage. Nach seinem Studienabbruch der Kulturpädagogik in Hildesheim führte sein Weg nach Hamburg. Es lag für ihn auf der Hand, sich einen Job in der Kulturszene zu suchen. Er fand ihn und landete bei der Neuen Flora als Dresser in dem Musical „Phantom der Oper“. Dann folgte die kurze Episode bei „Mozart“ (das Stück lief nur 8 Monate) und seit 8 Jahren beschäftigen ihn die Kleider des Königs.
Von Anfang an war Günter begeistert vom Arbeiten im Team, in einem stimulierenden Milieu, einem quirligen Mix aus vielen Kulturen der Welt. Für dieses Team setzt Günter sich im Rahmen seines gewerkschaftlichen Engagements intensiv ein. Schon als ganz junger Mensch, während der Lehrzeit als Feinmechaniker, war er in seiner Ausbildungsfirma Jugendvertreter im Betriebsrat. Viele Jahre später knüpfte er in Hamburg an diese frühe Zeit an. Er setzt sich ein für Verbesserungen am Arbeitsplatz, engagiert sich tarifpolitisch, ist Mitglied der Tarifkommission und in dieser Verantwortung nimmt er an den Tarifverhandlungen auf Konzernebene teil.
Günter gefällt bei seinem Job als Dresser explizit das intensive Miteinander im Arbeitsablauf. Das heißt, hinter der Bühne müssen die Aufgaben der Einzelnen in der Vorbereitung der Show zu einer exakten Choreografie von vielen Parts zusammenfließen. Die Parts sind in diesem Fall 12 Dresser, Frauen und Männer, mit ihrem Chef. Sie assistieren nicht nur beim An-, Aus- und Umkleiden der Hauptrollen. Alle Requisiten werden sehr beansprucht, müssen eine Menge aushalten können, brauchen Pflege und immer mal wieder kleine Reparaturen. Dazu gehört nicht nur das richtige Fingerspitzengefühl im Umgang mit Materialien. Sich in die Menschen einfühlen zu können ist notwendig. Auf die allgemeine Stimmung im Team und auf die Stimmung eines Einzelnen einzugehen, das gehört zum Handwerk des Dressers. Günter ist es wichtig, auch selbst eine gute Atmosphäre mitzugestalten als Teil seines professionellen Anspruchs. Der Showablauf ist natürlich ein absolut routinierter Ablauf, der täglich „über die Bühne“ gehen muss.
Kurz vor der Show
In jedem Moment kann Unvorhergesehenes passieren. Ein Verschluss geht kaputt, es reißt eine Naht, oder sonst was. Flinke Handgriffe im Halbdunkel müssen einfach sitzen! Konzentrierte und körperliche Anstrengung dominieren allabendlich die Atmosphäre hinter der Bühne.
Vorne warten gespannt die Zuschauer auf die Bühnenshow. Aber, große Überraschung! Die Show beginnt nicht auf der Bühne, sondern hinter den Zuschauern. Von dort wuchtet sich majestätisch ein großer Elefant eindrucksvoll durch die Besucherreihen nach vorne, begleitet von Trommeln und singenden Akteuren.
The Show must go on. Und die Show geht weiter, jeden Tag, immer routiniert.
Quelle: Der König der Löwen
Tipp: Die schwimmende Kirche in Hamburg
