
- Taubenschwänzchen - Ingo Döring/pixelio.de
Kolibris in Deutschland? In den letzten Jahren häuften sich die Nachfragen bei Naturschutzverbänden. Aufmerksame Natur-Beobachter fotografieren und melden ein merkwürdiges Wesen, das sich unter anderem an Geranien, Schmetterlingsflieder, und Pelargonien gütlich tut.
Es steht im Schwirrflug vor den Blüten, fliegt vor- und rückwärts und saugt Nektar mit einem langen Rüssel. Eigentlich sieht es bei oberflächlicher Betrachtung aus, wie ein kleines Vögelchen. Also doch ein Kolibri?
Das Taubenschwänzchen
Im Schwirrflug ähnelt es zwar dem Kolibri, tatsächlich gehört das Taubenschwänzchen (lat. Macroglossum stellatarum) jedoch zu den Schmetterlingen, genauer gesagt, zur Familie der Schwärmer. Obwohl es am Tage fliegt, zählt es zu den Nachtfaltern.
Wie bei allen Schwärmern ist die Färbung des Taubenschwänzchens eher unspektakulär. Mit seinen Grau- und Brauntönen fällt es nicht sonderlich auf sobald es sich irgendwo niedergelassen hat. Erst wenn es die nächste Blüte anfliegt, zieht es die Aufmerksamkeit auf sich.
Mit einer Flügelspannweite von durchschnittlich fünf Zentimetern, dem gedrungenen, behaarten Körper und einem Hinterleib, der aussieht, wie ein Vogelschwanz, muss es einfach auffallen.
Besonders gut beobachten und fotografieren kann man den Schmetterling bei der Nahrungsaufnahme. Er flattert nicht gemächlich von Blüte zu Blüte, nein, mit 70 bis 90 Flügelschlägen in der Sekunde schwirrt er zwischen Blumenstauden hin un her. Auf längeren Strecken kann er Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern in der Stunde erreichen. Hat er eine vielversprechende Nahrungsquelle entdeckt, bleibt er im Schwirrflug in der Luft stehen, rollt seinen etwa zwei Zentimeter langen Saugrüssel aus und saugt Nektar.
Durch seine Geschwindigkeit und Wendigkeit kann das Taubenschwänzchen in fünf Minuten etwa hundert Blüten besuchen. Die große Menge an Nektar ist für den Schmetterling lebenswichtig, da er für seine besonderen Flugeigenschaften enorm viel Energie benötigt.
Der Schwirrflug ermöglicht ihm Nahrung aufzunehmen, ohne direkt mit der Blüte in Berührung zu kommen. Damit ist das Taubenschwänzchen vor möglichen Fressfeinden, wie beispielsweise der Krabbenspinne, geschützt.
Lebensraum und Verbreitung
Das Taubenschwänzchen gehört zu den Wanderfaltern und legt während seines viermonatigen Lebens Tausende von Kilometern zurück. Im Sommer zieht es den Falter in Europa sogar bis nach Island oder hoch in die Berge bis zur oberen Vegetationsgrenze. In der Schweiz wurden Exemplare bereits in 2500 Metern Höhe gesichtet.
Im Winter zieht sich das Taubenschwänzchen in den Süden zurück. Mögliche Quartiere sind die Mittelmeerregion, Afrika, aber auch tropische Bereiche wie Indien und Vietnam. Genaue Angaben, wohin die Falter verschwinden, gibt es bisher noch nicht.
Einzelne Funde im südlichen Deutschland zeigen, dass der Falter auch hier an geschützten Orten überwintern kann. Als einzige Schwärmerart überwintert das Taubenschwänzchen als voll entwickelter Schmetterling. Es benötigt jedoch einen frostfreien Unterschlupf.
Nahrung und Nahrungssuche
Durch den hohen Energieverbrauch muss das Taubenschwänzchen täglich etwa 0,5 Milliliter Nektar zu sich nehmen. Das kann es nur, wenn es jeden Tag Tausende von Blüten anfliegt. Zusammengesetzte Blütenstände, beispielsweise die Rispen des Schmetterlingsflieders, ermöglichen dem Falter bis zu hundert Blüten in der Minute auszusaugen.
Bei der Nahrungssuche ist er nicht wählerisch und fliegt die verschiedensten Pflanzenarten an, wobei nektarreiche Blüten mit schmalen Blütenkelchen bevorzugt werden.
Wer das Taubenschwänzchen in seinem Garten anlocken möchte, sollte es einmal mit der Pflanzung von Schmetterlingsflieder, Phlox oder rotem Fingerhut versuchen. Aber auch an Geranien, Flieder, Fuchsien und Petunien ist das Taubenschwänzchen schon beobachtet worden.
Quellen
Naturlexikon.com
NABU.de
Reader's Digest Universallexikon
