Der Koran – Einführung in das heilige Buch der Muslime

Bismillah - die Eröffnung der Koransuren - Dacus / Dreamstime.com
Bismillah - die Eröffnung der Koransuren - Dacus / Dreamstime.com
Der Koran ist für Muslime die Quelle ihres Glaubens und vereint in seiner Ursprache Arabisch eine weltweite Gemeinde.

Leider ist der Islam – was Hingabe an den einen Gott bedeutet und dessen Grundlage der Koran ist – heute oft ein Synonym für Gewalt und Terror. Dabei will der Koran wie jedes heilige Buch das Gegenteil und Quelle des rechten Lebens sein. Muslime bezeichnen den Koran als das "Wort Gottes“ und unterscheiden sich darin von den Christen, für die das "Wort Gottes“ Mensch wurde, durch Jesus Christus. Sie entnehmen dem Buch Vorschriften, Hinweise und Anleitung darüber, wie sie sich in den verschiedenen Situationen ihres Lebens zu verhalten haben. Nach dem Glauben der Muslime wurde der Text als "Koran" an Mohammed offenbart, und zwar in einer Zeitspanne von 22 Jahren, von 610 bis 632, dem Todesjahr Mohammeds. Dieser Vorgang geschah in vier Stufen.

Nach ihrem Glaubensverständnis ist diese Form himmlischer Offenbarungen nicht auf Mohammed und den Koran beschränkt. Als andere große Gesandte Gottes nennt der Koran Moses, Daniel und den Psalter, aber auch Jesus und das Evangelium. Von ihm nehmen Muslime an, dass es ebenfalls als Buch vorgetragen worden war. Teile dieses Buches seien jedoch von den Gemeinden und Anhängern verändert worden, deshalb stimmten sie nicht mehr mit der himmlischen Urschrift überein. Aus diesem Grunde habe Gott noch einmal einen Gesandten berufen, nämlich Mohammed, der nun endgültig eine Offenbarungsbuch vermitteln soll.

Was heißt "Koran“ und wie wurde ein heiliges Buch daraus?

Der Prophet Mohammed hörte die Offenbarungen in seiner arabischen Muttersprache. Die stilistische Schönheit des koranischen Arabisch beeindruckte seine Anhänger. Auch nicht-arabische Menschen, die später zum Islam übertraten, schlossen sich der Ehrfurcht vor dem arabischen Text des Koran an. Da Übersetzungen des Koran die Fülle des arabischen Originals nur unzureichend wiedergeben, steht neben jeder Übersetzung immer der arabische Urtext. Das Wort "Koran“ wird auf das arabische Verb qura'a zurückgeführt und bedeutet Lesung, Rezitation. Die erste Offenbarung erhielt Mohammed der Überlieferung zufolge im Jahre 610 in der "Nacht der Bestimmung“ (Sure 97). Dieses Ereignis wird alljährlich in einer der letzten Nächte des Fastenmonats Ramadan als die "Herabsendung des Koran“ gefeiert.

Die Gefährten Mohammeds wurden sich bewusst, dass mit dem Tod des Propheten auch das Wissen um den Text der Offenbarungen verloren gehen könnte. Zwanzig Jahre nach seinem Tod gelang es dem dritten Kalifen (Kalif: Führer eines islamischen Staates unter Mohammeds Lehren) Osman (Uthman) im Jahre 653, mit Hilfe der besten Kenner der Offenbarungen einen Korantext zusammenzustellen, der alle als echt anerkannten Texte enthielt. Während eines feierlichen Gottesdienstes verkündete Osman, dass hinfort nur noch dieser festgelegte Korantext verwendet werden dürfe. Auch in Rechtsstreiten und in theologischen Fragen bildete er die Grundlage. Eingeteilt ist der Koran in Kapitel (sura), insgesamt gibt es 114 Suren, und in Verse (aya – Zeichen), denn jeder Vers wird als göttliches Wunderzeichen angesehen.

Der Inhalt und die Auslegung des Koran

Im Koran findet der Gläubige alles, was ihn zu einem gottgefälligen Leben anleitet und damit auf das ewige Leben vorbereitet. Der Koran enthält grundsätzliche Aussagen über:

  • die Glaubensüberzeugungen, wie den Glauben an Gottes Einheit, die Propheten und Gesandten, die Engel und das Jüngste Gericht;
  • die gottesdienstlichen Ordnungen, zu denen auch das Fasten im Monat Ramadan und die Wallfahrtsriten bei der hadsch (Wallfahrt) nach Mekka gehören;
  • die sozial-gesellschaftlichen Ordnungen, insbesondere über das Familienrecht;
  • die sittlich-ethischen Maßstäbe, an denen sich jeder Muslim zu orientieren hat.

Obwohl der Koran nach dem Glauben der Muslime göttlichen Ursprungs ist, stießen auch sie auf Schwierigkeiten bei der Auslegung. Einige versuchten sie dadurch zu lösen, indem sie nach den Motiven im Leben Mohammeds forschten, welche eine Offenbarung veranlasst haben könnte. Diese Erkenntnisse der "Gründe des Herabsendens“ konnte den Sinn eines Textes erhellen. Dessen ungeachtet behielten Verse gleichwohl einen "dunklen“ oder zweideutigen Sinn. In diesem Fall sind sie durch andere Verse mit einem klaren Sinn zu interpretieren.

So entzündeten sich allmählich Lehrgegensätze in den verschiedenen islamischen Gruppierungen. So sei beispielsweise Gottes Sitzen auf dem Thron nicht wörtlich zu verstehen - denn dann wäre er ja den Menschen ähnlich -, sondern als Bild für seine Macht. Andere Gruppierungen, die heute zumeist als "fundmentalistisch“ eingestuft werden, versuchen sich möglichst an den koranischen Text und seine wörtliche Bedeutung zu halten. Wie allseits bekannt ist, führt das nicht nur im Bereich des Strafrechts - Stichwort Scharia - zu Konflikten, sondern auch in anderen Bereichen, die eine moderne Lebensauffassung vertreten. Vielleicht sollten sich jene Gruppierungen dem Wandel der Zeit nicht verschließen und würden so eher Zugang zum Paradies haben, als mit Methoden der Gewalt.

Quellennachweis: Was jeder vom Islam wissen muss – Herausgegeben vom Lutherischen Kirchenamt und der evangelischen Kirche Deutschland.

Annelore Poljasevic, Annelore Poljasevic

Annelore Poljasevic - Ich bin 1952 im mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber geboren und habe (weil es sich so ergeben hat) den nüchternen Beruf der ...

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