
- Kormoran (Phalacrocorax carbo) - Jonn Leffmann
Sein größter Feind ist der Mensch, Angler und Fischer sehen den stolzen Flieger und Fischfänger als Konkurrenz an. Er hat es schon einmal geschafft, dass der Kormoran fast völlig in unseren Breiten verschwunden war. Umfangreiche Schutzmaßnahmen der EU halfen dem Vogel bei seiner Rückkehr. Vorwiegend an der Küste gibt es zur Zeit wieder über 20.000 Brutpaare. All der Schutz hilft nichts, wenn seltsame Gesetzeslücken den seltenen Rückkehrer teilweise zum Abschuss freigeben. Bis zu 15.000 Kormorane werden so, ganz legal, in Deutschland jährlich getötet. Kein guter Start für einen Neuanfang.
Sein Problem ist die Nahrung, fast nur Fisch
Der Kormoran (Phalacrocorax carbo) lebt ausschließlich vom Fischfang. Ehemals weit verbreitet, ist er fast in der gesamten alten Welt zu Hause. Selbst an die Ostküste Amerikas, nach Australien oder Grönland hat es ihn verschlagen. Seine Brutkolonien legt der gesellige Fischer an den Küsten und an großen Gewässern an. Der gänsegroße Vogel mit bis 1,5m Spannweite ist ein auffälliger Gast an unseren Küsten. Seine Auffälligkeit hat ihm aber kein Glück gebracht, als Konkurrent gejagt, wurde er fast ausgerottet. Erst langsam erholen sich die deutschen Bestände wieder.
Auffällig auch das bei uns meist schwarzbraune Gefieder, der recht große Schnabel und eben die grünen Augen des Fischjägers. Er ist ein leiser Geselle, stumm geht er auf die Jagd. Nur in den Kolonien hört man zuweilen seinen tiefen, krächzenden Ruf. Er geht tauchend auf Fischfang, ein kurzer Sprung, dann mit den Füßen paddelnd. Mit seinem kräftigen Schnabel packt er sein Opfer fest hinter den Kiemen. Ein bis drei Meter ist dabei die übliche Wassertiefe. Er ist Opportunist, er fängt, was am einfachsten ist. Je nach Region lebt der Kormoran also von völlig unterschiedlichen Fischarten.
Geselliges Leben in der Kormorankolonie
Zum Brüten legen die Kormorane große Kolonien an, immer in der Nähe des Wassers und damit der Nahrung. Mit dem Nestbau ist es wie beim Fischen, was am besten geht, wird bevorzugt. So finden sich seine Brutplätze auf Klippen, einfach auf dem Boden oder in kräftigen Bäumen. In die etwas gepolsterte Nestmulde legt das Weibchen meist drei bis vier, selten mehr, hellblaue ovale Eier. Erstmals brüten Kormorane meistens im Alter von vier Jahren. Die Paare leben in einer monogamen Beziehung über die Saison. Ende April bis Juni ist die Hauptbrutzeit, beide Vögel teilen sich das Brüten der Eier. Nach rund 30 Tagen schlüpfen dann die jungen Kormorane. Den Nachschub an Fisch stellen beide Elternteile sicher, etwa fünfzig Tage werden die Kleinen mit gewürgtem Fisch versorgt, bis sie nach etwa zwei Monaten selbst flugfähig sind. Auch danach versorgt das Elternpaar den Nachwuchs noch für weitere rund zwölf Wochen.
Zugvogel oder nicht
Bei der Entscheidung, uns im Winter zu verlassen, halten es die Kormorane wie sonst auch. Wenn nötig wird gen Süden gewandert, wenn nicht, dann bleibt der Fischer in seiner Heimat. Manche Arten ziehen nur kurze Distanzen im Winter, andere Unterarten fliegen im Herbst bis nach Nordafrika oder in den südlichen Mittelmeerraum zur Überwinterung. Februar bis März sind die ersten Kormorane schon wieder auf dem Rückweg in die angestammten Gebiete.
Nahrungskonkurrent Kormoran
Seltsame Gedanken treiben den Menschen an. Angler, Fischer und Jäger sehen im Kormoran einen Feind. So wurde der einst so stolze Vogel in Mitteleuropa nahezu ausgerottet. Erst in den letzten Jahrzehnten kann man eine deutliche Zunahme bei den Beständen beobachten. Laut NABU und dem Landesverband LBV ist der schöne Vogel sicher nicht in der Lage Fischbestände zu gefährden, geschweige denn Arten zu vernichten. Alle Fische und Wasservögel brauchen Lebensraum, es gehe vielmehr um eine verbesserte Ökologie der Gewässer um alle ihre Bewohner zu schützen. So sahen es die beiden wichtigsten Organisationen bei uns und wählten den Kormoran zum "Vogel des Jahres 2010"
Die Zukunft
Kaum haben sich die Bestände in Westeuropa etwas erholt, es gibt etwa 450.000 Brutpaare zur Zeit, da tauchen schon wieder Stimmen auf, die den Kormoran als Gefährdung mancher Fischart sehen und Maßnahmen fordern. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Lobby kein großes Gehör findet und der Kormoran als gern gesehener Gast an unseren Gewässern noch lange eine sichere Zuflucht hat. Sicher wird die Auszeichnung zum Vogel des Jahres ein wenig dazu beitragen können.
Mehr Lesenswertes zum Thema:
Kormorane an der Lauchert von Monika Hermeling
Quelle: Der neue Kosmos Vogelführer. Lars Svensson, Kosmosverlag Stuttgart; 1999, ISBN 3-440-07720-9, 9,95 Euro.
