Der Krieg der Götter

Der Glaube ist der Grund, aus dem am häufigsten getötet wird. Aber warum? Verlangen das tatsächlich die Götter?

Eine spezifische Definition für das Wort „Religion“ (abgeleitet vom lateinischen ‚religere = immer wieder lesen‘) gibt es eigentlich nicht. Gemeinhin kann man sagen, es ist der Glaube an eine höhere spirituelle Macht. Die meisten Menschen suchen in ihrer Religion Trost und Zuversicht. Leider benutzen einige „ihren“ Gott als Rechtfertigung, andere zu töten.

Die fünf Weltreligionen

Die meisten von Ihnen wissen sicher, dass es fünf Hauptreligionen gibt: das Judentum, das Christentum, der Islam, der Buddhismus, der Hinduismus. Jede von ihnen hat auch noch Unterströmungen, die wir hier aber erst einmal außer Acht lassen wollen.

Längst existieren alle Religionen überall auf der Welt. Muslime leben heute nicht mehr nur in Persien oder Arabien, sondern auch in Deutschland, den USA, Australien. Der Buddhist ist ebenfalls in vieler Herren Länder zu Hause.

Das Judentum

Dies ist wohl die älteste „Eingott-Religion“.

Nach der eigentlichen Definition gilt lediglich das Volk Israel als Juden. Früher durfte sich auch nur als Jude sehen, der eine jüdische Mutter hatte oder aber regelgerecht konvertierte.

Für die Juden gelten die Tora (die 5 Bücher Mose), der Tanach und der Talmud als schriftliches Regelwerk. Der sechszackige Davidstern sowie die Menora, der siebenarmige Leuchter, sind die bekanntesten Symbole

Im Judentum existiert keine körperliche Darstellung Gottes, vielmehr ist dessen Unkörperlichkeit sogar ein Teil der jüdischen Glaubensprinzipien.

An sich ist auch das Judentum die einzige Religion, die nach ihren Gesetzen auch andere Religionen neben sich durchaus akzeptiert, wichtig sei nur ein ethisches Leben.

Die Juden wurden wegen ihrer Religion in der Vergangenheit vielfach verfolgt. Denken wir nur an die Flucht aus Ägypten oder die Massenvernichtung während des zweiten Weltkrieges.

Das Christentum

Diese Glaubensrichtung entstammt dem Judentum, denn die gläubigen Christen sind Anhänger des Juden Jesus von Nazareth.

Auch die Christen verehren nur den einen Gott und die bedingungslose Liebe zu ihm ist eines der wichtigsten Gebote. Das Kruzifix mit dem gekreuzigten Jesus gilt als christliches Symbol.

Die Bibel, die ihre Wurzeln ebenfalls in der jüdischen Tora hat, gilt als „heilige Schrift“.

Im 15. Jahrhundert spaltete sich die christliche Kirche in Katholiken und Protestanten.

Auch die Christen wurden und werden verfolgt. Bekannt dürfte hier vor allem die Verfolgung unter Nero sein. Aber auch während der Jakobiner-Zeit in Frankreich (spätes 18. Jh.) wurde das Christentum verboten. In den kommunistischen Staaten während des kalten Krieges wurde die Ausübung der Religionen auch nicht gern gesehen und zum Teil durch extreme Eingriffe in das Leben (wie etwa Benachteiligungen bei Studienplätzen, Auslandsreisen) unterdrückt.

Dennoch waren die Christen auch häufig Verfolger und Ächter anderer Religionen. So versuchte man im Mittelalter den Orient zu bekehren, verfolgte angebliche Hexen und „Ungläubige“ mit der Inquisition. Selbst der Antijudaismus ist bereits ein Bestandteil der Bibel.

Das Christentum ist mit über 2 Mrd. Anhängern die stärkste Religion.

Der Islam

Der Islam entstammt seinerseits Judentum und Christentum. Der Prophet Abraham gilt hier neben Allah (dt.: Gott) als Ursprung.

Im Islam wird die völlige Hingabe oder Unterwerfung an Gott als Pflicht, wobei auch hier wieder entscheidend ist, dass Gott nichts Körperliches, sondern etwas rein Spirituelles ist.

Der Bezug zum Judentum und Christentum zeigt sich nicht nur in der Tatsache, dass Allah als einziger Gott angebetet wird. Wenn man die moslemischen Glaubensartikel studiert, stößt man auch auf Gottes Erzengel, seine Offenbarung. Adam, Abraham, Moses und Jesus sind ebenfalls ein Teil des Islam. Auch kennt man den Tag des jüngsten Gerichts sowie Paradies und Hölle für das nachirdische Leben.

Mit dem Koran hat man auch hier ein Buch Gottes. Dem Vernehmen nach wurden Mohammed die Koran-Verse (Suren) von Allah ins Herz geschrieben und er sollte diese mündlich verbreiten. Auch gilt der Koran unter Experten als nicht wirklich übersetzbar, sondern kann höchstens in anderen Sprachen gedeutet werden.

Der Hinduismus

Diese Glaubensrichtung ist zweifellos eine sehr interessante, denn sie setzt sich aus verschiedenen Religionen, die irgendwann einmal den Subkontinent Indien streiften, zusammen. Dies ist wohl auch der Grund, weshalb die Hindus kein generelles Glaubensbekenntnis haben. Immerhin gibt es aber heilige Schriften, in denen Gotteshymnen, Opfergesänge, Verse und Beschwörungen niedergelegt sind.

Brahma, Vishnu und Shiva sind die hauptsächlich angebeteten Gottheiten.

Der Buddhismus

Mit höchstens rund 500 Millionen Anhängern ist dies die kleinste der „großen“ Religionen. Der entscheidendste Unterschied zu den anderen ist hier vor allem, dass kein allmächtiger Gott angebetet wird.

Der Gelehrte Siddhartha Gautama, der auf vielfältige Weise in Buddha-Statuen dargestellt wird, hat vielmehr ein paar wesentliche Lebensweisheiten entwickelt und diese weitergegeben. Wesentlicher Bestandteil der buddhistischen Lehre sind die vier edlen Wahrheiten und der achtfache Pfad. Und wenn man allein die vier Wahrheiten anschaut (Leben ist von Leiden geprägt; Leiden entstehen durch Gier, Hass und Verblendung; Leiden können durch deren Beseitigung beendet werden), sieht man, dass der Buddhismus wohl die lebensnächste Glaubensrichtung ist, die ohne großartige Dogmen oder Gebote auskommt.

Der ewige Hass der heutigen Gläubigen

Es ist völlig unverständlich, weshalb es unmöglich zu sein scheint, dass alle Religionen friedlich nebeneinander miteinander existieren. In jedem Glaubensweg wird erwartet, dass man nur einem Gott folgt. Das ist ja völlig in Ordnung. Warum soll dann aber Paul Schmidt den gleichen Glauben haben wie Ahmed Ben Kalal oder Nguyen Li? Warum soll das Christentum weniger Wert sein als der Islam? Warum kann das Judentum den Islam nicht wirklich akzeptieren? Und warum kommen die Buddhisten sogar ohne Gott aus und sind offenbar am glücklichsten?

Vielleicht werden wir erdgeschichtlich nur eine sehr kurze Zeit diesen wunderbaren Planeten bevölkern. Und diese kurze Zeit sollten wir sicherlich nicht damit verschwenden, uns über unsere Götter zu streiten.

Kathrin Stoltze, Kathrin Stoltze

Kathrin Stoltze - seit 2010 freier Autor bei "Suite 101" Hauptkategorien: Bildung & Karriere, Politik & Gesellschaft, Partnerschaft und Familie; seit ...

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