Als Kriegskommunismus wird die Wirtschaftspolitik Sowjetrusslands zur Zeit des Bürgerkriegs von 1918-1921 bezeichnet. Wichtig ist es hierbei, sowohl die Zeit vor als auch während dieser Zeit bezüglich der Volkswirtschaft zu betrachten, um den gesamten Kontext zu erfassen.
Vor dem Kriegskommunismus fand zu Beginn eine Monopolisierung der Energiewirtschaft statt, wobei diese komplett unter staatlicher Kontrolle lag. Im Oktober 1916 veröffentlichte Lenin sein "Übergangskonzept", das durch den Krieg von der Regierung gerechtfertigt wurde. Dieses Konzept beinhaltete die Nationalisierung der Banken, die Zwangssyndizierung der Industrie und die staatliche Kontrolle der Firmen, wobei jedoch die Arbeiterkontrolle als ergänzende eingeräumt wurde. Allerdings wurde der Einfluss der Arbeiter nicht weiter spezifiziert, was Ursache der darauf folgenden Unruhen war.
Entwicklung nach 1917
Nach der Entstehung der Doppelregierung im Jahre 1917 bildeten sich eigenständig immer mehr Arbeiterräte. Die Spannungen in Staat und Bevölkerung nahmen zu und es formierte sich schließlich der Rat der Volkskommissare. Ein Jahr später, zur Zeit des Kriegskommunismus, wird die Rote Armee gegründet. Es folgen Erlässe zahlreicher Beschlüsse und Gesetze. Diese betrafen u. a. die Abschaffung des Privateigentums und andere Bereiche, die die Freiheit und Gleichheit des Einzelnen stark einschränkten und unter staatliche Kontrolle stellten.
Als auch die Einleitung einer "Versorgungsdiktatur" durch das Volkskommissariat die Versorgungslage in der Bevölkerung und die geschwächte Wirtschaft nicht verbessern konnte, wurde einerseits der Unmut im Volk größer, während sich auf der anderen Seite die Interessen der verschiedenen Hierarchien in den Betrieben aufspalteten. Den ausschlaggebenden Ansatz für die Konfliktlösung stellte die Klärung der Funktion der Arbeiterkontrolle dar. 1918 tagte schließlich der 1. Kongress der Volkswirtschaftsräte in Moskau. Die entscheidende Gewalt allerdings blieb letztlich bei den Betriebsleitungen.
Ziele des Kriegskommunismus
Das Fernziel des Kriegskommunismus war vor allem der Übergang zum Kommunismus, an den das Volk langsam gewöhnt werden sollte. Erreicht werden sollte dies durch allmähliche Abschaffung des Großbürgertums. Dieses wurde durch Abschaffung des Privateigentums, Zentralismus in allen ökonomischen und politischen Bereichen, zur Kontrolle des Volkes notwendige Bürokratisierung, Militarisierung und der Konzentration aller wirtschaftlichen Kräfte auf ein gemeinsames Ziel forciert.
Folgen des Kriegskommunismus
Als Reaktion auf die repressiven Maßnahmen der Regierung, die immer einschränkenderen Charakter annahmen, spaltete sich die proletarische Naturalwirtschaft auf. Es entstand ein illegaler Markt, der schnell wuchs. Schließlich war die Unzufriedenheit im Volk dermaßen erstarkt, dass sich Unruhen ergaben, die wiederholt von Seiten der Regierung zu unterdrücken versucht wurden. Allerdings mussten schließlich 1921 die Bolschewiki Zugeständnisse machen: Die neue ökonomische Politik (NEP) sorgte für eine zeitweise Beruhigung der gesellschaftlichen Forderungen u. a. durch umfassende Bildungsreformen. Die radikale Zentralisierung schuf schließlich den Machtpluralismus ab.
Im Nachhinein lassen Historiker durchblicken, dass es sich bei den von der Regierung getroffenen Maßnahmen in den Jahren 1918-1921 um eine bewusste Strategie handelten für den direkten Übergang zum Kommunismus. Ohne den entstandenen Bürgerkrieg wäre keine derartige Nationalisierung oder Entmachtung der Räte möglich gewesen. Desweiteren spricht dafür, dass die Planungsschwächen des verfolgten Konzepts deutlich und die Pläne offensichtlich so nicht umzusetzen waren.
Quellen:
- Die Russische Revolution und die Sowjetunion, Cornelsen, 1. Auflage, 2009
- Rote Ruhr-Uni
- Worldlingo
- Marxists
- 1000 Dokumente
