Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. ließ seinen Kindern eine strenge Erziehung angedeihen. Das betraf den Kronprinzen Friedrich, den späteren König Friedrich II. oder Friedrich den Großen, ganz besonders. Der sollte die Ideale des Vaters, nämlich Strenge, Unbestechlichkeit, Stärke und Sparsamkeit schon als Kind verinnerlichen. Doch der Sohn war nicht der, den sein Vater haben wollte. Denn Friedrich stand der Sinn nach Literatur und Musik, worin seine Mutter Sophie Dorothea ihn bestärkte. Damit war die Grundlage für Konflikte zwischen Vater und Sohn gegeben.
Heiratspläne für den Thronfolger Friedrich
Friedrich Wilhelm I. fordert von seinem Sohn Friedrich 1730, dass dieser sich mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern vermählt. Dieser Heiratsplan führte zu einem schweren Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn. Der Kronprinz plante bereits seine Flucht aus Preußen. Nun war der Anlass da, diese Pläne in die Tat umzusetzen.
Die Flucht des Kronprinzen Friedrich
Sein Freund und Vertrauter, der Leutnant Hans Hermann von Katte vom Garderegiment Gendarmes, sollte ihn auf der Flucht aus Preußen begleiten.
Im Frühjahr 1730 waren Friedrich und Katte in einem von August dem Starken in Zeithain veranstalteten Lustlager. Hier offenbarte Friedrich seinem Freund die Absicht der Flucht. In der Nacht vom 4. auf den 5. August 1730 starteten beide in Steinsfurt. Doch der ungenügend vorbereitete Fluchtversuch über Frankreich nach England wurde schnell vereitelt. Die beiden wurden auf die Festung Küstrin gebracht und inhaftiert.
Die Folgen der Flucht
Auf Schloss Köpenick tagte ein Kriegsgericht gegen Friedrich und seine Helfer, der der Desertion angeklagt wurden. Darauf stand in Preußen die Todesstrafe. Das Gericht verurteile Katte wegen Desertion zu lebenslanger Festungshaft und weigerte sich, ein Urteil über den Kronprinzen zu verhängen. Friedrich Wilhelm I. forderte dann das Gericht auf, es möge sich nochmals zusammensetzen und ein Todesurteil aussprechen. Doch das Gericht mochte seinem Herrscher nicht folgen.
So wandelte Friedrich Wilhelm I. selber das Urteil gegen Katte 1. November 1730 per Allerhöchster Kabinettsordre in ein Todesurteil um. Diesen ließ er am 6. November vor den Augen Friedrichs in Küstrin enthaupten. Der König wollte ursprünglich auch Friedrich wegen Desertion hinrichten. Doch außenpolitische Überlegungen und die Weigerung des Kriegsgerichts stimmten ihn um. Friedrich wurde seines Status als Kronprinz aberkannt und er blieb in Küstrin in Haft.
Weniger bekannt ist, dass der Kronprinz eine Beziehung zu Dorothea Elisabeth Ritter, der Tochter des damaligen Kantors der Nicolaikirche, unterhielt. Der König ließ diese Frau öffentlich auspeitschen und in Spandau einkerkern.
Die Koexistenz zwischen Kronprinz und König
Ab 1731 war Friedrich in der Küstriner Kriegs- und Domänenkammer und dann als Kommandeur eines Regiments in Ruppin, dem heutigen Neuruppin, tätig. 1732 stimmte Friedrich schließlich einer Heirat mit Elisabeth Christine, der Tochter von Herzog Ferdinand Albrecht II. von Braunschweig, zu. Der manifeste Konflikt mit dem Vater war nach außen hin bereinigt. Friedrich war wieder der Kronprinz.
Nach der Heirat 1733 konnte Friedrich sich mit seiner Gemahlin auf das Schloss Rheinsberg zurückzuziehen. Dort konnte er weitgehend unbehelligt vom Vater seinen Interessen nachgehen.
Andenken an die Flucht des Kronprinzen
Die Geschichte der Flucht Friedrichs und deren Ende ist vieltausendmal erzählt, gedeutet und als Vorlage für literarische Werke verwendet worden. Wohl fast jeder Deutsche musste oder muss sie im Laufe der Schulzeit über sich ergehen lassen.
Handfestere Andenken sind zwei Schwerter. Von beiden wird behauptet, dass sie die Richtschwerter, mit denen der Leutnant Katte hingerichtet wurde, seien. Ein Schwert befindet sich im Städtischen Museum in Brandenburg an der Havel, das andere im Märkischen Museum in Berlin.
