Der Lebkuchenmann – vom Märchen zum Backrezept

Backen wie im Märchen... - Hannelore Dittmar-Ilgen
Backen wie im Märchen... - Hannelore Dittmar-Ilgen
In einem englischen Märchen nimmt der Lebkuchenmann Reißaus, denn er will nicht gegessen werden. Hoffentlich geht es Ihnen beim Nachbacken nicht genauso.

In vielen Märchen gehen nicht nur Tiere auf Wanderschaft (Bremer Stadtmusikanten), auch Pinocchio ergreift die Ruhelosigkeit, nachdem aus dem Holz ein richtiger Junge geworden ist. Und sogar Gebackenes oder Gekochtes macht sich auf und davon. Denn es hat nur eines im Sinn, nämlich „Flucht“, um nicht verzehrt zu werden.

So auch der dicke fette Pfannkuchen, der immer schneller rollt und schließlich im Wald verschwindet, und natürlich der Lebkuchenmann aus dem bekannten englischen Märchen von Carl und Theodor Colshorn, der sofort aus dem Ofen entflieht, sobald die Tür sich öffnet. Unzählige Märchen handeln von der Kunst des Ausreißens.

Die Geschichte vom Lebkuchenmann

Es war einmal ein Mann, der lebte mit seiner Frau in einer kleinen Hütte. Eines Tages sagte die Frau: „Wollen wir uns nicht einen Lebkuchenmann backen?“. „Das ist ein wirklich guter Einfall“, antwortete daraufhin der Mann.

Sie machten sich gleich an die Arbeit und kneteten den Teig. Sie rollten ihn aus und formten Arme, Beine und schließlich einen kleinen Kopf. Mit Rosinen machten sie dem Lebkuchenmann Augen, eine Nase und einen Mund. Und aus Puderzucker fertigten sie ihm sogar einen schönen Anzug.

Als sie fertig waren, legten Sie das kleine Männchen in den Ofen und backten ihn. Ein köstlicher Duft zog durch die kleine Hütte, der Lebkuchenmann war gar.

Doch kaum hatten sie die Ofentür auch nur einen Spalt geöffnet, da lief das Männchen davon, so schnell es nur konnte.

Einen Lebkuchenmann backen – das Rezept

Wenn Sie auch so duftende Lebkuchenmännchen backen wollen (die Ihnen hoffentlich nicht aus dem Ofen entwischen), benötigen Sie eine Schablone, die Sie leicht aus Pappe anfertigen können. Gut gelingen die Lebkuchenmännchen auch mit einem Förmchen zum Ausstechen der Ampelmännchen. Dieser kleine Mann ist tatsächlich großen Schrittes auf der Flucht.

Für den Lebkuchenteig brauchen Sie:

  • 250 g Honig (oder Rübensirup)
  • 4 Eier
  • 1 Messerspitze Hirschhornsalz
  • 1 Essl. Milch
  • 100 g gehobelte Mandeln
  • etwas Zimtpulver
  • je 1 Messerspitze gem. Kardamom, Ingwer, Nelkenpulver und Muskatnuss
  • 1 (unbehandelte) Zitrone
  • 300 g Mehl
  • und nach Lust und Laune noch Zitronat und Orangeat in winzigen Würfelchen

So backen Sie die Lebkuchenmänner:

  • Erhitzen Sie den Honig vorsichtig.
  • Schlagen Sie die Eier auf, verquirlen Sie sie und vermengen Sie sie mit dem warmen Honig.
  • Lösen Sie das Hirschhornsalz in der Milch auf und fügen Sie alles zu der Honig-Eier-Mischung.
  • Geben Sie die Mandeln, die feingewürfelten Früchte, die Gewürze und abgeriebene Zitronenschale unter die Masse.
  • Sieben Sie das Mehl darüber und verkneten Sie alles zu einem glatten Teig.
  • Lassen Sie den Teig über Nacht abgedeckt in einem kühlen Raum ziehen.
  • Am nächsten Tag kneten Sie den Lebkuchenteig noch einmal durch, vielleicht braucht er noch etwas Mehl, vielleicht müssen Sie auch noch etwas Milch zugeben.
  • Rollen Sie den Teig fingerdick aus und schneiden Sie kleine Lebkuchenmänner zu.
  • Setzen Sie die Lebkuchenmänner auf ein Backblech.
  • Heizen Sie den Backofen auf 180 °C vor und backen Sie die Männchen goldbraun.
  • Nehmen Sie die Lebkuchenmänner vom Backblech und lassen Sie sie auf einem Kuchengitter abkühlen.
  • Braucht der Lebkuchenmann noch einen Anzug? Elegant wird`s mit Schokoladen- oder Zuckerglasur.

Blick über den Tellerrand: Die Historie des Lebkuchens

Lebkuchen, Honigkuchen und Pfefferkuchen sind schon seit langem bekannt Gebäcke. Bereits im Altertum schmeckten den Ägyptern, Griechen und Römern die Vorfahren der heutigen Lebkuchen. Funde aus Pharaonengräbern belegen, dass die Ägypter ihren Toten eine Art Honigkuchen als Stärkung für das Leben im Jenseits mit in Grab gaben.

Griechen und Römer brachten ihren Göttern das süße Gebäck anstatt blutiger Opfer als Gabe dar. Zur damaligen Zeit kannte man den heute üblichen Zucker noch nicht und Honig bot neben Traubensirup eine gute Möglichkeit, Speisen und Gebäck zu süßen. Honig galt als Geschenk der Götter und man sprach ihm Dämonen vertreibende, Leben spendende und heilende Kräfte zu.

Der Honigkuchen der Antike wandelte sich im Mittelalter zum Lebkuchen. Historischen Aufzeichnungen entsprechend waren Mönche und Nonnen die „Erfinder“. Da in Klöstern Honig gewonnen und verarbeitet wurde, entstand der Lebkuchen wahrscheinlich bei Back- und Küchenexperimenten.Durch Zugabe von Heilkräutern und Gewürzen wie Ingwer, Muskat, Zimt, Anis, Kardamom, Koriander und anderen mehr hatten die als Pfefferkuchen bekannten Gebäckstücke ihre Geburtsstunde.

Pfefferkuchen wurden sie deshalb genannt, weil Gewürzmischungen damals als „Pfeffer“ bezeichnet wurden. Pfeffer war der Sammelbegriff für alle Gewürze, die aus den Pfefferländern des fernen Ostens über die Salz- und Handelsstraßen von Venedig und Genua in die klösterlichen Backstuben und Küchen kamen. Nicht umsonst wurden reiche Gewürzhändler abschätzig „Pfeffersäcke“ genannt. Zudem darf man nicht vergessen, dass all diese würzigen und süßen Sachen nur für die Luxus lebenden Adligen, reichen Kaufleute oder eben für die Klosterbrüder und -schwestern erreichbar waren.

und wenn der Lebkuchenmann hart geworden ist?

Es stimmt, man bringt es kaum übers Herz, den Lebkuchenmann zu essen,. und dann ist er hart geworden. Machen Sie einfach einen leckeren Nachtisch aus den kleinen, süßen Männchen. Legen Sie die Lebkuchen einige Minuten in mit Milch verquirltes Ei. Erhitzen Sie dann ein Stückchen Butter in der Pfanne und braten Sie das Lebkuchenmännchen darin von beiden Seiten goldbraun.

Quellen und weiterführende Literatur:

  • Das Rezept für den Lebkuchenteig findet man in ähnlicher Form schon bei den Nürnberger „Pfefferküchler“ in der Mitte des 14. Jahrhunderts (z.B. in: Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kräfften hält von H. Fahrenkamp)
  • Auch Plätzchen überdauern manchmal die Festtage und werden hart. Werfen Sie nichts weg, sondern lösen Sie das Problem mit Kapillarität und machen Sie einen Nachtisch daraus.
  • Auch die Springerle, ein Klassiker beim Weihnachtsgebäck sind hart - aber lecker!
  • Und mit Äpfel, Nuss und Mandelkern lässt es sich vortrefflich backen, sind die Zutaten doch heute keine Luxusgüter mehr.

Bildnachweis: © Hannelore Dittmar-Ilgen

Hannelore Dittmar-Ilgen, Hannelore Dittmar-Ilgen

Dr. Hannelore Dittmar-Ilgen - Physikerin, Wissenschaftsjournalistin, Buchautorin, Mathe-Erklärerin, Hobbybäckerin und... Physikhexe. Und so schreibe ich ...

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