
- Golf 1 GLS Baujahr 1977 - Mieth
Es war Liebe auf den ersten Blick. Verguckt hatte sich Jan Korcian im Frühling des Jahres 2002 in den leuchtend roten Weggefährten als dieser plötzlich vor ihm auftauchte. „Ich fuhr ihm hinterher – ein alter Herr lenkte den Wagen –, machte dem Fahrer ein Kompliment, gab ihm meine Visitenkarte.“ Fortan ging ihm der in leuchtendem in Mars-rot daherkommende Oldtimer nicht mehr aus dem Kopf.
Der Golf GLS mit 75 PS-Motor war schon in den 1970er Jahren ein echter Hingucker
Die Volkswagenwerke brachten den schnellen Wagen mit dem sicheren Frontantrieb in diesen Jahren als Nachfolger des VW-Käfers auf den Markt. Da die Ansprüche der Käufer wuchsen, bediente der deutsche Autobauer nach französischem Vorbild den Wunsch nach mehr Crash-Bewusstsein und Komfort. Der neue Golf, genauso groß wie der Käfer, bot mehr Platz und wurde fortan in sechs Generationen acht Jahre lang in deutscher Konsequenz und Gründlichkeit gebaut. Unter den gestalterischen Einflüssen des italienischen Designers Pietro Frua war die Karosserie des Golf 1 in unendlich vielen Prototypen entworfen worden und kam im Jahr 1974 auf den Automobilmarkt.
Der Besitzer des Mars-roten Golf GLS will sich nach Jahrzehnten von seinem Wagen trennen
Im Jahr 2006 rief Hubert Schildhauer bei Jan Korcian an, da er sich aufgrund seines hohen Alters von seinem schnellen Wagen trennen wollte. In Feldmoching bei München trafen sich der alte Herr und der Interessent Jan Korcian, um den Wagen in Augenschein zu nehmen. Für wenige Tausend Euro konnte der Verkauf des Ungeschweißten ein Jahr später über die Bühne gehen. Der blitzblanke rostlose Wagen ging aus erster Hand in zweite Hand gegen ein Bündel Geldscheine über. Beide Herren unterzeichneten den handgeschriebenen Kaufvertrag, das Kohleduplikat behielt Herr Schildhauer. Da der Oldtimer ein Leben lang angemeldet war, die Winter verbrachte er in seiner Garage, ging der Wechsel schnell von statten. Lediglich die Mitarbeiter der DEKRA kamen aus dem Staunen nicht heraus, denn beim historischen Gutachten kommt es auf den Originalzustand des Fahrzeugs an. Da das Profil der dreiunddreißig Jahre alten Reifen noch gut war, konnte Jan Korcian sie erhalten. So sind Golf 1, seine Reifen und der Original-Fahrzeugschein historisches Kulturgut und der neue Besitzer bekam mühelos Amtsstempel und H-Kennzeichen.
Erster Golf 1 im Genfer Autosalon im Jahr 1974 der Öffentlichkeit vorgestellt
Im Jahr 1974 war der erste Golf mit Front-angetriebenem und Wasser-gekühltem Motor eine Revolution. In den Käfernachfolger wurde nach französischen Idealen der querliegende Motor integriert. Die Motorwelt kannte diese Innovation schon als ökonomischen Vorderradantrieb vom Renault 4 und die Raum schaffende französische Deux Chevault (Ente) des Autobauers Citroën hatte vorgemacht, wie der Fahrgastraum optimal ausgenutzt werden konnte.
Mit der Coupévariante, dem Scirocco, setzte der deutsche Automobilbauer Volkswagen dann noch eins drauf. Die neuste Technik der 1970er Jahre fand im Käfernachfolger Golf 1 Anwendung und viele Liebhaber. Der studierten Maschinenbauer Korcian, der seine Autoleidenschaft mit seinem Beruf verbinden konnte, er nennt es „Beruf aus Berufung“, weiß das gute Fahrwerk, das 3-Gang Automatik-Getriebe und den kräftigen Motor zu schätzen. „Erst ab Tempo 160 km/h nervt es ein wenig." „Normalerweise sterben Wagen, wie dieser in dritter oder fünfter Hand den Heldentod am Straßenrand, denn der Golf wird oft von wagemutigen, jungen Fahrern gefahren." "Dieser nicht!“
Der Ungeschweißte geht auf seine erste Ralley-Fahrt ins Elsaß
So lebt die Legende fort. Nächsten Monat ist es soweit, denn zur Maiausfahrt vom 17. bis 22. Mai 2011 mit dem Oldtimerclub von Jan Korcian gehen Karmann Ghia, Jaguar, Golf 1 & Co auf Geschichts- und Kulturreise durch den Schwarzwald. Ein Schulfreund des Oldtimerfans wird den Mars-roten Golf fahren, Jan seinen waldgrünen englischen MG, den er schon seit 37 Jahren sein Eigen nennen darf.
Aber das ist eine andere Geschichte. Endziel der Ralley wird das Bugatti-Museum im französischen Mulhouse sein. Dorthin wird sich die Karawane der Schmuckstücke aus vergangener Zeit, aus verschiedenen Generationen und mit unterschiedlichen Geschichten schlängeln.
