Der Limburger Erbfolgestreit 1283 bis 1288

Der Zwist um das Erbe des Herzogtums endete auf dem Schlachtfeld

Die Nachfahren Walrams III. von Limburg - Christian Peitz
Die Nachfahren Walrams III. von Limburg - Christian Peitz
Nach dem Tod des letzten Limburger Herzogs stritten sich drei erbberechtigte Parteien um die Herrschaft. Der Kölner Erzbischof und der Herzog von Brabant mischten mit.

Alles begann 1279. In diesem Jahr tat Herzog Walram IV. von Limburg und Niederlothringen seinen letzten Atemzug. Da er ohne männlichen Erben starb, fiel die Herrschaft an seine Tochter Irmgard. Sie erhielt das Herzogtum 1282 von König Rudolf von Habsburg zu Lehen. Da sie die Herrschaft jedoch als Frau nicht selbst ausüben konnte, wurde ihr Ehemann Herzog von Limburg.

Graf Reinald von Geldern wird Herzog von Limburg

Irmgard war mit Reinald I., Graf von Geldern, der nicht zu Unrecht den Beinamen „der Streitbare“ trug, verheiratet. Er hatte sich von König Rudolf zusichern lassen, dass in dem Fall, dass Irmgard vor ihm sterben sollte, er dennoch bis zu seinem Lebensende die Herrschaft über Limburg behalten solle. Dieser Fall trat 1283 tatsächlich ein. Doch entgegen der königlichen Anordnung machten weitere Erbberechtigte ihre Ansprüche geltend.

Die Ansprüche des Grafen von Berg

Mit Heinrich VI., Graf von Luxemburg – er war der Enkel der Ermesindis vom Luxemburg, der zweiten Ehefrau Walrams III., des vorletzten Herzogs von Limburg –, konnte sich Reinald zunächst noch verständigen. Graf Adolf von Berg beharrte jedoch auf seinem Anspruch. Schon einmal nämlich waren das Herzogtum Limburg und die Grafschaft Berg in einer Hand gewesen. Das kam so: 1225 fiel Engelbert, Graf von Berg und Kölner Erzbischof, einem Mordanschlag zum Opfer. Erbin der Grafschaft wurde seine Schwester Irmgard, die Großmutter der gleichnamigen Witwe Herzog Walrams IV. von Limburg.

Diese ältere Irmgard also war mit Heinrich IV. verheiratet, dem Sohn Herzog Walrams III. von Limburg. Heinrich wurde nach dem Tod seines Vaters 1226 Herzog von Limburg und Graf von Berg. Nach dem Tod Heinrichs 1246/47 wurde die Herrschaft unter seinen Söhnen wieder geteilt. Limburg fiel an Walram IV., Berg an Adolf V, den Vater Adolfs VI..

Der Grund für Adolf VI., auch gegen den Willen des Königs an seinen Ansprüchen festzuhalten, war nun nicht einfach nur Starrsinnigkeit, sondern die Lage des Limburger Herzogtums, das die wichtigsten Übergänge am Mittellauf der Maas beherrschte. Eine dauerhafte Vereinigung von Geldern und Limburg, die bei einem genügend langen Leben des Grafen von Geldern durchaus möglich gewesen wäre, konnte Adolf keinesfalls hinnehmen.

Die Rolle des Kölner Erzbischofs

Eine erneute Vereinigung des Herzogtums Limburg mit der Grafschaft Berg allerdings lag nicht im Interesse Siegfrieds von Westerburg, zu dieser Zeit Erzbischof von Köln. Diese hätte nämlich zu einer Umklammerung des Kölner Erzstifts geführt. Zudem war seit 1180 der Kölner Erzbischof Herzog nicht nur über die Rheinlande, sondern auch über Westfalen.

Eines der Ziele erzbischöflicher Politik war es nun, beide Gebiete zu einem geschlossenen Territorium zu vereinen. Dummerweise lag aber nicht nur das Gebiet der Grafschaft von der Mark dazwischen, sondern eben auch die Grafschaft von Berg. Erzbischof Siegfried tat also das für ihn einzig logische: Er stellte sich im Streit um das Herzogtum Limburg an die Seiten Reinalds von Geldern.

Herzog Johann I. von Brabant tritt auf den Plan

In dieser Situation erkannte Adolf von Berg, dass er seinen Erbanspruch gegen die gebündelte Macht Reinalds von Geldern und des Kölner Erzbischofs nicht würde durchsetzen können. Er verkaufte daher – damals durchaus üblich – seine Ansprüche an Johann I., Herzog von Brabant. Dieser konnte das Herzogtum Limburg gut gebrauchen, grenzte es doch in Teilen wiederum an Teile seines eigenen Herrschaftsgebietes.

Doch auch die Expansion Brabants widersprach der erzbischöflichen Politik. Es kam, wie es kommen musste: Am 22. September 1283 schlossen Erzbischof Siegfried von Westerburg und Graf Reinald von Geldern ein Bündnis gegen Herzog Johann von Brabant und Graf Adolf von Berg. Kurz darauf begannen die ersten offenen Feindseligkeiten zwischen Brabant und dem Kölner Erzstift – man fing an, sich gegenseitig die Felder zu verwüsten und die Dörfer anzuzünden. Das traf zwar vor allem genau die, die mit der Sache am wenigsten zu schaffen hatten, die Bauern nämlich, aber von deren Abgaben und Frondiensten finanzierten sich ja auch die Herren. Auf seine Art machte das also durchaus Sinn.

Weitere Bundesgenossen für Brabant

Im Laufe der weiterhin auf mehr oder weniger kleiner Flamme kochenden Auseinandersetzung macht sich Herzog Johann auf die Suche nach weiteren Bundesgenossen. Einen findet er im Grafen Eberhard von der Mark. Auch das Jülicher Grafenhaus wechselt im Frühjahr 1288 von der geldrisch- erzbischöflichen Seite ins brabantische Lager.

Die Situation eskaliert

Im Jahr 1288 eskaliert die Situation. Im Februar/März fällt Herzog Johann in das kölnische Land ein, links und rechts seines Weges Verheerung zurücklassend. Fast wäre es nun schon bei Hochkirchen, zwischen Düren und Lechenich, zur Schlacht gekommen, doch war Herzog Johann die Stellung nicht sicher genug.

Graf Reinald setzt das Wechselspiel der Mächtigen fort. Er erkennt, dass er seinerseits das Herzogtum Limburg nicht für seine Familie wird halten können. Er verkauft im Mai 1288 auf Anraten des Kölner Erzbischofs seine Erbansprüche an den ja sowieso erbberechtigten Grafen Heinrich VI. von Luxemburg. Damit war plötzlich Graf Heinrich der Hauptgegner für Herzog Johann.

Dieser war gerade in Bonn damit beschäftigt, die erzbischöflichen Gärten zu verwüsten, als die Kölner Bürger ihr im Juli 1287 geschlossenes Bündnis mit ihrem eigenen Erzbischof kündigen und beschließen, Herzog Johann die Tore ihrer Stadt zu öffnen. Eine erzbischöfliche Burg und Zollstelle bei Worringen, einige Kilometer rheinabwärts von Köln, war der Anlass für das Zerwürfnis. Doch schon lange hatten die Bürger Kölns mit den Erzbischöfen um die Macht in ihrer Stadt gerungen. Nun sollte auch für sie die Entscheidung kommen.

Treffen auf dem Schlachtfeld

Von Bonn aus zog Herzog Johann auf Bitten der Bürger Kölns und mit ihrer militärischen Unterstützung nach Worringen vor die Tore des dortigen „roevere nest“, der Zollburg, um diese zu zerstören. Mit ihm ritten der Graf von Jülich, der Graf von der Mark und der Graf von Berg und alle ihre Verbündeten und Vasallen. Doch Siegfried von Westerburg, Heinrich von Luxemburg und Reinald von Geldern waren schon da, ebenfalls mit allen Rittern, die sie aufbieten konnten. Am 5. Juni des Jahres 1288 kam es auf der Fühlinger Heide, südlich von Worringen, zu einer der größten Reiterschlachten auf deutschem Boden.

Literatur

Werner Schäfke (Hrsg.): Der Name der Freiheit 1288-1988. Köln 1988.

Christian Peitz, Sabine Peitz

Christian Peitz - Schon fast mein ganzes Leben begleiten mich Modelleisenbahnen und ihre Vorbilder. Speziell die Zeit der Dampfloks hat es mir in Vorbild ...

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