
- Wildtier 2011 Luchs - NABU, H.Pollin
Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild hat den Luchs zum Wildtier des Jahres 2011 ernannt. Zur Gattung der Luchse gehören vier Arten: der Rotluchs (Lynx rufus), der Pardelluchs oder Iberische Luchs (Lynx pardinus), der Kanadaluchs (Lynx canadensis); als Luchs schlechthin gilt jedoch der Eurasische Luchs (Lynx lynx). Wann immer vom Luchs die Rede ist, steht uns dieser vor Augen.
Systematik
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Katzen (Felidae)
- Unterfamilie: Echte Katzen (Felinae)
- Gattung. Luchse (Lynx)
Das Aussehen des Luchses (Lynx lynx)
Der Luchs, mit einer Schulterhöhe von 50–75 cm, schlank hochbeinig und kurzschwänzig, entspricht etwa der Größe eines Schäferhundes. Typisch für den Luchs ist der rundliche Kopf mit seitlichem Backenbart und die in einem langen dunklen Haarbüschel spitz auslaufenden Ohren »Pinselohren«. Dies ermöglicht den Tieren eine sehr genaue Schallortung, auch die Augen des Luchses sind sprichwörtlich hervorragend. Auf etwa 300 m erkennt der Luchs einen Hasen, auf etwa 500 m Entfernung ein Reh. Sein Fell variiert von langwollig gelbgrau bis kurzhaarig rötlich gelbbraun gefleckt. Im Winter und am Bauch ist das Fell heller. Auch die dicken Pranken sind ein typisches Merkmal, sie dienen vor allem im Schnee wie Schneeteller und schützen vor dem Einsinken.
Die Verbreitung vom Luchs und seine Lebensweise
Einst weit über die Nordhalbkugel verbreitet, wurde der Luchs gebietsweise völlig ausgerottet. Heute steht er unter ganzjährigem Schutz, so dass seine Bestände in manchen Gebieten Europas wieder zunehmen. Wiedereinbürgerungsprojekte gibt es mittlerweile in Deutschland, Österreich, der Slowakei, Tschechien, der Schweiz und Frankreich. Der Luchs geht als Kulturflüchter in den Gebirgen bis zu 4000 m hoch.
Der Luchs lebt als Einzelgänger in festen Revieren, deren Größe je nach dem vorhandenen Wildbestand zwischen 1.000 und 10.000 Hektar schwankt. Sein Lebensraum reicht vom klassischen Waldgebiet über felsiges Busch- und Grasland bis zum Tundra-Bereich. Unterschlupf findet er unter Felsüberhängen, in hohlen Bäumen oder in verlassenen Erdbauten anderer Tiere. Seine Nahrung sind vorwiegend kleinere Säugetieren, von der Maus bis zum Rehkitz. Dabei versieht er eine bedeutende gesundheitsregulatorische Aufgabe, die Minimierung von krankem und schwachem Tierbestand. Auch Vögel gehören zu seinem Speiseplan.
Paarungszeit (Ranzzeit) zwischen den Einzelgängern ist im Februar und März. Nach einer Tragzeit von 67–74 Tagen bringt das Weibchen 1– 4 Junge zur Welt, die etwa 20 Wochen gesäugt werden. In dieser Zeit helfen die Männchen verbreitet bei der Aufzucht mit, indem sie das Weibchen mit frischer Beute versorgen. Die Jungen öffnen nach knapp 3 Wochen die Augen und bleiben bis zur nächsten Paarungszeit bei der Mutter. Freilebende Luchse erreichen ein Höchstalter von 14 Jahren, in menschlicher Obhut etwa von 18 Jahren.
Der Luchs und seine Wiederansiedlung – ein Erfolg des Artenschutzes
Schon früh verschwand der Luchs aus unseren Wäldern, so etwa wurde der letzte Luchs im Rothaargebirge bereits 1745 erlegt, 1796 im Thüringer Wald. Der letzte Harzluchs starb am 17. März 1818. "Elf Tage lang hatten ihn fast 200 Jäger und Treiber über Berg und Tal gehetzt. Schließlich schoss einer der Häscher dem Luchskater "mit sicherer Hand eine Flintenkugel ächtmeisterlich durch das Herz", heißt es in einem zeitgenössischen Bericht. Ein Schicksal, dem in Deutschland kein einziger seiner Artgenossen entging: Im Jahre 1900 war die als Wilddieb und Viehräuber gefürchtete Großkatze ausgerottet" (piczo). Aber auch der Bruder in Nordamerika wurde zwischen 1960 und 1980 wegen seines Felles stark dezimiert.
Im Bayrischen Wald erfolgte bereits 1970 der erste Versuch, der allerdings noch auf Proteste stieß (Jagdschädling, Beutekonkurrent). Da aber ringsumher in ganz Europa Ansiedelungsprojekte starteten, bildete sich bis heute doch eine kleine Population heran. Besonders vom Böhmerwald her ist nun der Luchs, teils ohne das Zutun der Menschen, wieder eingewandert und heimisch geworden. Das Gebiet Bayrischer Wald – Böhmerwald (Sumava-Park) ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas, also ein ideales Gelände. Luchse erbeuten, so hat man fest gestellt, nur knappe 3 Prozent des Wildbestandes. Der Luchs könnte heute außerdem helfen, den zu hohen Wildbestand einzudämmen, der wiederum das Heranwachsen von Jungbäumen gefährdet. Da der Luchs für den Menschen zu keiner Zeit eine Gefahr bedeutet, wäre seine endgültige Wiederansiedelung nur zu wünschen.
„Erfolge im Artenschutz sind das Ergebnis harter Arbeit mit Herz und Verstand“, so das Bundesamt für Naturschutz (BfN). "Naturschutz ist nämlich kein Jobkiller, sondern erhält Erholungsgebiete und schützt Arbeitsplätze. Darüber hinaus haben die in Deutschland lebenden Tiere verbriefte Rechte."
Rückkehr auf leisen Sohlen
Im Nationalpark Harz wurden zwischen 2000 und 2006 24 Luchse in die Freiheit entlassen (9 Männchen und 15 Weibchen) Diese Tiere sind kostbare Nachzuchten aus Zoos und Wildparks, die vorher in einem Auswilderungsgehege auf die neue Freiheit vorbereitet worden waren. Der Harz, der Bayerische Wald und der Pfälzer Wald sind die drei deutschen Regionen, in denen dem Luchs wieder eine Heimat geboten wird.
Im Sommer 2002 gab es den ersten wild geborenen Nachwuchs. „Die Geburt der jungen Luchse in freier Wildbahn ist ein Erfolg für die Idee von Nationalparks“, so der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Ehemalige Truppenübungsplätze im Osten Deutschlands bieten sich als Erweiterungsgebiete ebenfalls an.
Im vergangenen Jahr 2010 haben sich Luchse in Nordhessen, die aus dem Harzer Gebiet stammen, außerhalb der Region angesiedelt und Nachwuchs bekommen. Im Bayrischen Wald hat man 19 erwachsene Tiere und zehn Jungtiere mit Fotofallen bildlich festhalten können, sechs der Tiere tragen bereits Peilsender am Hals. Auch in den Alpen leben heute rund 120 Tiere.
Rückkehr der Luchse im Nationalpark Kalkalpen
Eine junge Luchsin aus dem Schweizer Nachzuchtprogramm wurde im Mai in den Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich übersiedelt. Sie soll hier helfen mit den bereits natürlich eingewanderten Luchsen eine neue Population aufzubauen, als Brückenschlag zu den Alpen. Die zweijährige Luchsin namens "Freia" wurde mit einem Senderhalsband versehen. So ist man besser über ihr Verhalten informiert. Begleitet wird das Projekt vom WWF.
Wie stellt man fest, ob Luchse sich wieder angesiedelt haben?
Auf vielfältige Weise folgen die Wildtierexperten den Spuren der scheuen Tiere: Haarfallen und Kotproben zählen dazu, wobei man dann sogar genetisch feststellen kann, in welchem Verwandtschaftsverhältnis sich die ansässigen Tiere befinden. Breit angelegte Fotofallen belegen die Wanderungen ebenso. Die direkteste Einsicht bekommt man über Peilsender, allerdings ist es eine zeitaufwändige Angelegenheit, darauf zu warten, dass ein Luchs in eine der aufgestellten Lebendfallen tappt, damit man ihn besenden kann.
Eine interessante Einstellung stellte sich in einer Umfrage heraus: "Eine Mehrheit befürwortet die Wiederansiedlung des Luchses in Deutschland, gut ein Drittel zeigt sich jedoch unsicher bis skeptisch. Generell stehen Großstadtbewohner dem tierischen Rückkehrer deutlich aufgeschlossener gegenüber als etwa Kleinstädter oder Dorfbewohner. Die Zustimmungsquote sinkt deutlich, wenn sich die Befragten eine Luchsauswilderung in ihrer Nähe vorstellen sollten." Überzeugungsarbeit ist sicher noch weiterhin nötig.
Ein interessantes Buch zum Thema: Bär, Luchs, Wolf, Rückkehr der Wildtiere
Weiterhin gefährdet: Der Iberische Luchs oder Pardelluchs
- Quellen: Bertelsmann Tierlexikon; heinz-.piczo.com/derluchs;
- Bildnachweis: NABU H.Pollin, C. Heinrich
Weitere Artikel zum Thema Artenschutz:
Artenschutzprojekte in Österreich
