
- Modell des Luftschiffs SL 2 im Luftwaffenmuseum - Harald Rossa
Der Industrielle Karl Lanz und der Ingenieur Johann Schütte gründeten 1909 die Firma „Luftschiffbau Schütte-Lanz“. Ihr Werk in Rheinau bei Mannheim entwickelte sich zum wichtigsten Wettbewerber des Grafen Zeppelin beim Bau von Starrluftschiffen.
Die Firmengründung
Den Impuls zur Gründung der Firma lieferte der Absturz des Zeppelins LZ 4 in Echterdingen bei Stuttgart im August 1908. Das Luftschiff wurde nach einer Notlandung bei Echterdingen von einer Sturmböe erfasst und zerschellte an einem Baum.
Auf Echterdingen reagierte Johann Schütte, ein Schiffbauingenieur und Professor der Technischen Hochschule Danzig. Der in Osterburg bei Oldenburg 1873 geborene Johann Schütte studierte von 1892 bis 1898 Schiffbautechnik an der Technischen Hochschule in Charlottenburg und war danach beim Norddeutschen Lloyd tätig. Dort beschäftigte er sich intensiv mit Hydrodynamik. Seine Erkenntnisse aus dem Schiffbau übertrug er auf den Luftschiffbau.
Großes Interesse an der Luftfahrttechnik zeigte Karl Lanz. Er war der Sohn des Mannheimer Industriellen Heinrich Lanz, der Wegbereiter der Landwirtschaftstechnik. Die Konstruktion von Johann Schütte überzeugte den Mannheimer Geschäftsmann. Am 22. April 1909 gründeten Johann Schütte, August Röchling und Karl Lanz die Firma „Luftschiffbau Schütte-Lanz OHG“ mit einem Startkapital von 350.000 Mark. Dann entstand in Rheinau auf einem 101 Hektar großen Gelände eine Montagehalle.
Die Luftschiffe von Schütte-Lanz
Zwischen 1910 und 1911 nahm das Luftschiff SL 1 Konturen an: Es wurde 131 Meter lang und hatte einen größten Durchmesser von 18,4 Meter. Fast 20.000 Kubikmeter Gas fasste die Hülle. Das Ziel von Schütte-Lanz: war die wissenschaftlich fundierte Entwicklung leistungsfähiger und sicherer Luftschiffe.
Die Luftschiffe von Schütte-Lanz waren konsequent stromlinienförmig, leicht und waren gut zu Steuern. Leicht sollte das Gerippe sein. Außerdem elastisch und gut zu reparieren. So wurde SL 1 aus Leimholz gebaut. Bei Zeppelin wurde dagegen die Leichtmetallbauweise bevorzugt. Die beiden Motoren unter dem Schiffskörper leisteten 480 PS. SL 1 erreichte ein Tempo von rund 72 Kilometer in der Stunde.
Gebaut wurde die Zigarre Mannheim. Der Prototyp SL 1 trat seine erste Fahrt am 17.10.1911 von Rheinau aus an. Allerdings verlief die erste Fahrt nicht planmäßig. Ein Seilzug des Höhenleitwerkes war gerissen. Daher musste es eine Notlandung machen. Die überstand SL 1 ohne Schaden und konnte repariert wieder in die Luft steigen. Das Schiff machte danach noch 53 Probefahrten und wurde schließlich für 550.000 Mark an das Heer verkauft.
Auch der Nachfolger SL 2 hatte ein Sperrholzgerüst. Die Erfahrungen aus der Erprobung von SL 1 führten zu erheblichen Verbesserungen. Die Führer- und Motorgondel wurden getrennt, ein Laufgang stabilisierte das Schiff im Innern, die Leit- und Ruderflächen wurden verbessert. Bis 1918 wurden 21 Luftschiffe von Schütte-Lanz gebaut und an das Militär geliefert.
Die Entwicklung der Firma Schütte-Lanz
Den Militärstrategen war die Produktion von Luftschiffen an der Westgrenze des Deutschen Reiches nicht geheuer. So baute Schütte Lanz 1915/16 eine Produktionshalle in Zeesen bei Königs Wusterhausen in Brandenburg. Am 9. November 1916 verließ das Luftschiff SL 12 die Halle in Zeesen und wurde der Kaiserlichen Marine übergeben. Als letztes Luftschiff wurde in Zeesen für das Heer SL 21 gebaut, das in Höhen bis 7000 Meter aufsteigen konnte. Dann wurde die Produktion von Luftschiffen bei Schütte-Lanz eingestellt.
Neben den Luftschiffen wurden in Zeesen von Schütte-Lanz auch über 100 Flugzeuge gebaut. Nach dem Ende des Krieges wurden nach den Vereinbarungen des Versailler Vertrags die Luftschiffhalle und die Flugzeughalle demontiert. In der Folgezeit entstanden in Zeesen Autokarosserien und Automobile.
Auf dem Gelände in Mannheim-Rheinau wurden von der Finnforest Schütte-Lanz GmbH weiter Produkte aus Sperr- und Leimholz, vor allem Schalungsplatten für den Betonbau, hergestellt. Ende 2007 wurde diese Produktion eingestellt.
