125 Jahre rasender Reporter - wie alles begann

Reporter Egon Erwin Kisch kam viel herum und schrieb das auf

Reporter Kisch war Kettenraucher - Aufbau-Verlag, stern
Reporter Kisch war Kettenraucher - Aufbau-Verlag, stern
Biographie des deutschsprachigen Reporters Egon Erwin Kisch (* 1885; † 1948) aus Prag, dessen Geburtstag sich am 29. April 2010 zum 125. Mal jährt.

Kischs Geburtstag jährt sich am 29. April 2010 zum 125. Mal. Demnach ist er 1885 geboren und zwar in einem damals deutschsprachigen Teil Prags als zweiter von fünf Söhnen des deutsch-jüdischen Tuchhändlers Herrmann Kisch und dessen Frau Ernestine. Heute ist Egon Erwin Kisch vor allem durch den nach ihm benannten Preis für die beste deutschsprachige Reportage des Jahres ein geläufiger Name.

Beste deutschsprachige Reportage

Der Egon Erwin Kisch-Preis wurde 1977 durch Henri Nannen begründet und wird seitdem von der Zeitschrift „stern“ (Gruner + Jahr Verlag) gestiftet. Im Vorwort seines Reportagebands Der rasende Reporter beschrieb Kisch seine Grundsätze für eine realitätsnahe und menschliche Berichterstattung, die bis heute Gültigkeit besitzen. Inzwischen wurde der Preis erweitert und nach Henri-Nannen benannt. Er beinhaltet nun eine Kategorie Egon Erwin Kisch-Preis für die beste deutschsprachige Reportage.

29. April 2010: Kischs 125. Jahrestag

Für eingefleischte Journalisten ist Kisch das Genie der höchsten Schreiberkunst – der Reportage. Zum Gedenken strahlen verschiedene Kultursender, etwa MDR Figaro um seinen 125. Jahrestag Sonderprogramme aus. Spannend ist abzuwarten, ob Kisch an seinem Gedenktag genauso gewürdigt wird wie Franz Kafka anno 2008 – insbesondere in Prag. Beide gehörten dem sogenannten „Prager Kreis“ an, einer Gruppe jüdisch-deutscher – später weltberühmter – Schriftsteller, die um 1900 bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs innerhalb einer deutschsprachigen Insel in der goldenen Stadt an der Moldau beheimatet war.

Kischs erste Schreibschritte

Gleich nach der Schule, unter anderem die I. Dt. Staatsrealschule in Prag, und der Matura (Abitur) ging Kisch auf Reisen nach Bayern und Österreich. Sein Tagebuch aus dieser Zeit enthält den ersten Versuch einer Reportage wie auch die Annahme des Namens Erwin von Beginn seiner schreibenden Tätigkeit an. Zwischen der ersten poetischen Veröffentlichung Vom Blütenzweig der Jugend im Jahr 1905 und den vorangegangenen Studien der Philosophie, Geschichte sowie deutschen Literatur an der Deutschen Uni Prag war Kisch beim Militärdienst wegen „unvorteilhafter Konditure“ rausgeflogen.

Erstlingsroman „Der Mädchenhirt“

Noch im selben Jahr begann der Jungautor seine journalistische Laufbahn als Volontär beim „Prager Tagblatt“. Während dieser Zeit besuchte er die Journalistenschule von Richard Wrede in Berlin. 1906 erschienen Kischs Erzählungen Der freche Franz und andere Geschichten. Schließlich wurde er für sieben Jahre Lokalreporter bei der Prager deutschsprachigen Zeitung „Bohemia“ bis zur Übersiedlung nach Berlin anno 1913. Dort schrieb er im Feuilleton des „Berliner Tageblatt“. Vor allem aber arbeitete er an seinem Romanerstling Der Mädchenhirt über das Prager Zuhältermillieu. Aus seiner Zeit bei der Bohemia stammt seine erste Reportagesammlung Aus Prager Gassen und Nächten, die er in Prager Kinder sowie Abenteuer in Prag fortsetzte. Mosaikartig fügen sich die Reportagen zu einem Bild der Moldaumetropole, wie sie Kisch erlebte: das Prag der kleinen Leute, darunter Spelunken, Obdachlose, das Lumpenproletariat und Moldau-Flößer oder auch die Hopfenpflücker aus dem Saazer Land.

Kisch beim Militär

Vorerst blieb es bei dem einen Roman, denn Kisch musste gleich darauf als Korporal bei den Prager Korps an die serbische Front ziehen. Natürlich führte der berufene Journalist im Krieg Tagebuch. Später verarbeitete er seine Kriegserfahrungen in Soldat im Prager Korps und Schreib das auf, Kisch. Er blieb beim Militär, wurde durch eine Verletzung felddienstuntauglich und landete im Wiener Kriegspressequartier. Reportagen entstanden. Derweil engagierte sich Kisch im illegalen linksradikalen Arbeiter- und Soldatenrat, gründete die Rote Garde mit und wurde deren Leiter. Die Beilage „Die Rote Garde“ zum Arbeiterblatt redigierte er selbst.

Kisch, der Reporter und Schriftsteller

Als er seine spätere Frau, die Wienerin Gisela Lyna kennen lernte, kehrte er der Politik den Rücken zu. Mit Lokalreportagen in linken Blättern und hin und wieder Reden beschäftigte sich Kisch weiterhin. 1920 zog es ihn nach Prag zurück, wo er für das „Prager Tagblatt“ arbeitete. Dennoch reiste er viel, nach Hamburg, in die Slowakei und nach Paris. Seinen Wirkungskreis bereicherte nun das Theater. Komödien wie Die gestohlene Stadt, Die Himmelfahrt der Galgentoni und Die Weltumseglung der Lanna 8 gemeinsam mit Jaroslav Hasek zeugen davon. Ende 1921 ging es aber schon wieder nach Berlin. 1923 erschien Klassischer Journalismus, eine Anthologie journalistischer Meisterstücke, gesammelt von Kisch. Gleichzeitig schrieb er eine Reportageserie über Deutschland, die auf Tschechisch in der Brnoer Zeitung „Lidové noviny“ gedruckt wurde.

Zur Kisch-Biographie ab dem Jahr 1924, in dem Der rasende Reporter erschien, bis zu seinem Tod

Quellen: „stern“ (Gruner + Jahr, Hamburg): "Egon Erwin Kisch-Preis 2002", Aufbau-Verlag, Berlin; E. E. Kisch: „Marktplatz der Sensationen“ mit Lebensdaten und Hauptwerken im Anhang, Aufbau-Verlag 1962, Berlin; E. E. Kisch: „Aus Prager Gassen und Nächten, Prager Kinder, Die Abenteuer in Prag“, Aufbau-Verlag 1975, Berlin und Weimar

Gundula Klaemt - Liebe Leserinnen und Leser, als universitärer Master of Science (M.Sc., früher Dipl.-Ing.) in "Umweltschutz" interessieren ...

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