
- The Beatles - Apple Corps Ltd.
Im Jahr 1967 kreuzten sich die Wege des Maharishi Mahesh Yogi mit denen der Beatles. Der Maharishi war seit Mitte der Fünfziger Jahre mit seiner Lehre von der Transzendentalen Meditation (TM) in der Welt unterwegs. Der Yogi war in diesem Sommer in London, und die Beatles besuchten einen seiner Vorträge.
Immer auf der Suche nach dem Sinn und offen für Neues, waren die Beatles sehr empfänglich für die spirituellen Lehren des Maharishis. Der studierte Physiker und Mathematiker (er graduierte 1942) sprach eine sehr einfache, bildhafte Sprache und versuchte, östliche und westliche Welt in Einklang zu bringen. Seine Lehre ist im Grunde eine Abwandlung und Vereinfachung des uralten vedischen Wissens. So war er gegenüber weltlichen Dingen offen und verabscheute materiellen Reichtum nicht. Wohl war das auch ein Grund, wieso seine Lehre im Westen so populär wurde.
Die Beatles, allen voran George Harrison, interessierten sich bereits seit 1966 für indische Religion. Nun vertiefte sich dieses Interesse; die Religion begann auch, das LSD zu ersetzen (Marihuana wurde allerdings weiterhin konsumiert).
Transzendentale Meditation als Lebenshilfe
Die Methode der TM ist simpel: Jeder erhielt vom Maharishi sein eigenes, persönliches Mantra, das er niemandem sagen durfte – das hätte es entweiht. Die ständige Wiederholung des Mantras in der Meditation, zweimal pro Tag 20 Minuten, sollte das persönliche Wohlbefinden steigern und Stress reduzieren. Ziel der TM ist es, höhere Bewusstheit zu erlangen und in Harmonie mit dem Leben zu kommen. Je nach Reifegrad können die täglichen Meditationen ausgedehnt werden. Den Meistern der Methode wurde sogar nachgesagt, dass sie fliegen können.
Der Maharishi (was übersetzt bedeutet "Großer Seher") erklärte den Beatles seine Philosophie mit einer Analogie: Man sollte sich eine Blume vorstellen. Sich selbst sollte man als die Blüte ansehen, als die sichtbare Manifestation der Schöpferkraft. Man sollte sich den Saft bewusst machen, dem die Blume ihre Kraft verdankt, Wasser und Nährstoffe, die aus dem Boden aufgenommen werden. Beim Menschen entspricht der physische Körper der Blüte, doch der nährende Saft bestehe aus spiritueller Energie. Durch das Meditieren könne man in die Erde zur Quelle der nährenden Energie vordringen, und dort herrsche nichts als Freude und Glückseligkeit. Dieser Akt des Verbindens bringt die heilende Kraft der Meditation hervor. Es gibt medizinische Untersuchungen, die die positive Wirkung von TM bestätigen.
Popstars im Ashram
Begeistert von den Lehren des Maharishi, fuhren die Beatles im Februar 1968 nach Rishikesh, Indien, um im Ashram des Yogi ihr Meditationsstudium fortzusetzen. Sie blieben mehrere Wochen in Indien, was sich natürlich auch auf ihre Musik auswirkte. Sie schrieben in Indien "Tonnen von Songs", wie John Lennon es ausdrückte. Am ernsthaftesten betrieben Lennon und vor allem Harrison TM. Lennon konnte angeblich bis zu acht Stunden, George bis zu 14 Stunden meditieren.
Die Beatles folgten dem Maharishi, und zahlreiche andere Prominente folgten den Beatles. Zur selben Zeit wie die Beatles hielten sich im Ashram unter anderem auch Mike Love von den Beach Boys, Donovan und Mia Farrow auf. Auch Mick Jagger, Marianne Faithfull, Clint Eastwood und Mitglieder der Doors gehörten zum Gefolge des Yogi.
Kein Gott, nur ein Lehrer: Gegen den Maharishi werden Vorwürfe erhoben
Die Sache geriet ins Wanken, als Beschuldigungen gegen den Maharishi auftauchten. Vorgeworfen wurde dem Yogi vor allem sein Interesse an den Frauen, die sich im Ashram aufhielten. Die Vorwürfe von sexueller Belästigung standen im Raum (Mia Farrow soll eines der Opfer gewesen sein, was sie jedoch nie bestätigt hat).
Zu dieser Zeit waren Paul McCartney und Ringo Starr bereits längst wieder in London. Nun packten auch Lennon und Harrison ihre Sachen und verließen den Ashram. Sie hatten den Maharishi für ein höheres Wesen gehalten, mussten nun aber feststellen, dass der Yogi ein ganz gewöhnlicher Mensch war. Man muss hier festhalten, dass der Maharishi selbst nie behauptet hat, ein Gott zu sein, sondern, laut McCartney, immer gesagt hatte, er sei "nur ein Meditationslehrer". Der auch kein Keuschheitsgelübde abgelegt hatte, so McCartney in seiner Biografie (1998). Dies wird von anderen Autoren bestätigt. Ein New York Times-Artikel vom 6. Februar 2008 behauptet jedoch genau das Gegenteil: der Maharishi hätte sich zum Zölibat bekannt.
Die Folgen des Indienaufenthalts für die Beatles und den Maharishi
Obwohl der Maharishi nur ein kurzes Intermezzo in der Biografie der Beatles darstellt, blieben die Kernelemente des indischen Glaubens von nun an für die (christlich erzogenen) Beatles in ihrem weiteren Leben wichtig: Ihr Gottesbild ging weg vom personalen Gott hin zu einer abstrakten Schöpferkraft; Meditation kam vor Gebet; und sie glaubten an Karma und Wiedergeburt (das christliche Äquivalent dazu wäre das Konzept von Himmel und Hölle).
Natürlich profitierte der Maharishi von seiner Verbindung mit den Beatles. Er fuhr fort, TM zu propagieren und baute ein weltweites Imperium auf. TM wurde zur Trademark, und überall in der Welt eröffneten Meditationszentren. Laut Angaben der Organisation haben weltweit fünf Millionen Menschen TM erlernt.
Zu prominenten Jüngern des Maharishi zählen heute u.a. Deepak Chopra (Freund von George Harrison, Buchautor, Arzt, ganzheitlicher Mediziner) und der Regisseur David Lynch.
Im Jänner 2008 gab der Maharishi seinen Rückzug aus dem Geschäft bekannt. Er wollte sich auf das Studium alter indischer Texte konzentrieren. Er starb im Februar 2008 im Alter von (ca.) 91 Jahren.
