Der Mallnitzer Perchtenlauf, ein Mega-Event im Dezember

Österreich, Perchtenlauf in Mallnitz - Österreich Werbung
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Der Perchtenlauf, ein alter alpenländischer Brauch, ist ein Winter-Spektakel im österreichischen Bundesland Kärnten, eine Nacht der Geister und Dämonen.

Die Raunächte, seit Menschengedenken die zwölf Tage zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Januar, wenn Frost, Schnee, Düsterkeit die Menschen in ihre Häuser zwingen und eiskalte Stürme übers Land fegen, haben eine geheimnisvolle, mystische Bedeutung. Seit Urzeiten fürchtet die Welt diese langen, unheilvollen Nächte, beherrscht von Dunkelheit, Verderben und Geistern. Es ist die Zeit, in der die Seelen der Toten die Lebenden aufsuchen. Besonders bei den Bewohnern der alpenländischen Bergländer, seit ewigen Zeiten eng verbunden mit der allgegenwärtigen Natur und stets abhängig von launischen Wettereskapaden, haben sich trotz aller Anstrengungen der Kirche unchristlicher Aberglaube und Götzenverehrung bis in die heutige Zeit erhalten. Bestes Beispiel ist das Auftreten der Perchten, eine volkstümliche Darstellung von Wotans Wildem Heer.

Die Geschichte der Perchten

Diese diabolischen Schreckensgestalten, Furcht erregende zweigeschlechtliche Kreaturen, halb Mensch, halb Satan, erschienen zum Jahreswechsel bereits in der Antike; das Mittelalter sah in der „domina Berchta“ (von althochdeutsch „Peraht = hell, glänzend) eine Allegorie der Sünde. Später, im 16. Jahrhundert übertrug sich der Name auch auf die sie begleitenden Teufelsfiguren, deren zügelloses Treiben die Kirche bis ins 19. Jahrhundert zu unterdrücken versuchte. Nach der Säkularisation mutierte das Auftreten der Perchten allmählich von der Volkskultur und zum folkloristischen Schaubrauch. Umso mehr verwundert es, das gerade jetzt, im Zeitalter von Internet und Globalisierung, der Perchtenlauf eine regelrechte Renaissance erlebt, ganz besonders bei der Generation der 20 bis 30-jährigen. Brauchtum ist hipp, ist cool und mittlerweile total angesagt.

Mallnitzer Perchtenlauf, ein wildes Winter-Spektakel

Das zeigt sich sehr deutlich im österreichischen Bundesland Kärnten beim Mallnitzer Perchtenlauf, der fast schon ein Mega-Event ist. Inspiriert von Hollywood Blockbustern wie Herr der Ringe, Hellboy oder Van Heslsing haben hier die Holzschnitzer und Kostümschneider aus der Umgebung völlig neue Masken und Figuren kreiert und damit die Burschenschaften und Trachtenvereine ausstaffiert. Waren die Umzüge früher beschaulich und bieder, geprägt von Hexen, Zottelbären, Kobolden, Wilderern, Hanswursten, Wurzelgräbern und Kräuterweibern, sind sie heute ein mehrstündiges Spektakel, eine wüste Orgie aus Tanz, Tamtam und Trommelwirbel.

Perchten vertreiben den Winter in Österreich

Es herrscht das pure Chaos. Bengalisches Licht, Fackeln und Scheinwerfer beleuchten ein Höllenszenario. Unter Ohren betäubendem Lärm stürmen monsterartige, gehörnte Wesen in zerlumpten stinkenden Fell- und Lederstreifen mit infernalischem Schellengeläut und lautem Peitschenknallen durch Straßen und Gassen. Ihre satanischen, blutigen Zombie-Fratzen lassen die Menschen aufschreien, weniger aus Furcht, mehr aus Spaß und Freude, denn letztendlich bringen die Perchten, so schrecklich sie aus aussehen mögen, Glück, Hoffnung und Ordnung. Sie vertreiben die bösen Geister und den Winter.

Die lange Nacht von Mallnitz

Irgendwann endet der nächtliche Spuk, ziehen sich Bewohner und Besucher zurück in die umliegenden Cafés, Restaurants, Bars und Bierbeiseln, wo sie die jungen Männer und Mädchen treffen und entledigt von Fell und Maske fröhlich feiern bis in den frühen Morgen. Und so mancher Fremde erfährt hier ganz nebenbei spannende Geschichten über Maskenschnitzer, Gazellen- und Büffelhörner, Schweinezähne, Pyrotechnik, Peitschen, Rossschweife und Kostüme, die tausend Euro und mehr kosten.

Quellen: Österreich Werbung, eigene Recherche in Mallnitz

Bernd Keiner, Reisejournalist; Fotograf und Filmem, Reiner Pohl

Bernd Keiner - Bernd Keiner, geboren in Wuppertal, Sternzeichen Schütze, ist Abenteurer und Globetrotter aus Leidenschaft. Nach abgeschlossenem ...

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