"Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir vor 35 Jahren schon eine Augenklappe zugelegt“, sagte John Wayne in seiner Dankesrede, als man ihm den Oscar als bester männlicher Hauptdarsteller für seine Rolle in "Der Marshall“ überreichte. "True Grit", wie der Film im Original heißt, zeigt den Schauspieler in einer seiner Paraderollen. Er spielt einen einäugigen Marshall.
John Wayne spielt in "Der Marshal" einen Rüpel von einem Gesetzeshüter
Die 14jährige Mattie Ross (Kim Darby) hat ein schweres Los gezogen. Ihr Vater ist von seinem Gehilfen Tom Chaney (Jeff Corey) im Streit niedergeschossen worden. Chaney ist daraufhin geflüchtet und hat sich der berüchtigten Banditenbande des brutalen Lucky Ned Pepper (Robert Duvall) angeschlossen. Mattie engagiert nun den rüpelhaften Marshal Rooster J. Cogburn (John Wayne), um den Mörder ihres Vaters zu verfolgen. Und jener Marshal ist nicht gerade das, was man sich unter einem gesetzestreuen Staatsdiener vorstellt. Er säuft, flucht und mit den Texten des Gesetzbuches nimmt er es nicht immer allzu genau. Bevor er sich mit einem Verdächtigen kommunikativ auseinandersetzt, greift er lieber zum Revolver und macht kurzen Prozess. Sehr zum Leidwesen von Richter Parker (John McIntire), der den groben Klotz zur Strafe suspendiert hat. Doch als der Richter von Ned Peppers Bande erfährt, wird Marshal Coburn rekrutiert und kann so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einmal verfolgt er den Mörder von Matties Vater und zum zweiten den zwielichtigen Pepper, mit dem der alte Marshal noch eine Rechnung offen hat.
Ein Marshal, eine Rotznase und ein Texas Ranger
Mattie will dem alternden Marshal aber nicht trauen und beschließt, den groben Mann auf seiner Verbrecherjagd zu begleiten. Nach anfänglichem Zögern lässt sich Cogburn auf die zweifelhafte Partnerschaft ein. Dieser schließt sich dann auch noch der etwas überhebliche Texas Ranger La Boeuf (Glen Campbell) an, der ebenfalls hinter dem zwielichtigen Tom Chaney her ist. Nach allerhand Missstimmungen und verbalen Attacken schafft es die zweifelhafte Allianz aus einem alten Marshal, einer rotznäsigen Göre und einem besserwisserischen Greenhorn die gesuchte Banditenbande aufzuspüren und ihr den Garaus zu machen. Dabei wird La Boeuf tödlich verletzt und auch die kleine Mattie wird schwer verwundet. Marshal Cogburn schafft es, sein Schwesterchen – wie er sie nennt – noch rechtzeitig zum Arzt zu bringen. Und am Ende wird klar, dass sich die beiden auf ihrer gefährlichen Odyssee doch um einiges näher gekommen sind.
John Wayne reitet mit Augenklappe zum Oscar
Bereits 1949 wurde John Wayne für seine Rolle als eisenharter Sergeant Stryker in dem Kriegsfilm "Du warst unser Kamerad" für einen Oscar nominiert. Allerdings war es Waynes zweifelhaften, politischen Ansichten zu verdanken, weshalb sich die Academy gegen diese Ehrung entschied. Waynes rechte Gesinnung bewirkte zudem, dass man seine schauspielerischen Leistungen in den nächsten Jahrzehnten einfach zu ignorieren schien. So wirkte der Oscar für seine Rolle als Marshal Rooster Cogburn eher wie eine Auszeichnung für seine gesamte filmische Laufbahn und wie eine späte Entschuldigung. Denn Waynes Rolle als harter Streiter mit zweifelhaften Methoden unterschied sich nicht sonderlich von den Rollen, auf die man den Western-Star festgelegt hatte. Außer vielleicht darin, dass sie wesentlich humorvoller und selbstironischer war, als seine vorherigen Western-Rollen, und somit weniger zweifelhaft. Ein besonderes – sowohl humoristisches, als auch selbstironisches – Highlight des Films ist, wenn John Wayne als Marshal Cogburn einer Ratte gegenüber seine Pistole zieht und sie droht, zu erschießen, sollte sie nicht damit aufhören, dass Mehl seines chinesischen Vaters zu fressen. Da die Ratte auf Cogburns Warnung selbstredend nicht antwortet, wird sie lässig von diesem mit einem einzigen Schuss erledigt. "Man fängt eine Ratte nicht mit einem Mandat. Man lässt sie laufen oder erschießt sie“, sagt er und meint damit, dass für manche Individuen – Verbrecher – Gesetze einfach überflüssig seien.
"Der Marshal" mit John Wayne ist ein Westernklassiker, der alles hat
Der grandios inszenierte Western "Der Marshal" unter der Regie von Meisterregisseur Henry Hathaway wartet mit vielen mitunter witzigen Doppeldeutigkeiten auf. So ist es schon ein Kuriosum, dass die Autorin des Drehbuchs, Marguerite Roberts, auf der Schwarzen Liste Hollywoods stand, da man sie für eine kommunistische Sympathisantin hielt, und dass John Wayne während des Zenits der Kommunistenjagd ein eifriger Vertreter des amerikanischen Ur-Gedankens war. Vielleicht ist es der Feder Roberts zu verdanken, dass die Wayne-typische Rolle dieses Mal wesentlich selbstironischer und witziger daherkam als in den meisten seiner Auftritte. Allein die familiären Umstände des Marshals zeugen von einem bitteren, satirischen Humor. Cogburn lebt zusammen mit seinem chinesischen Vater Cheng Li und einem versoffenen Kater, General Sterling Price. Doch neben diversen ironischen Anspielungen kommt auch die genreübliche Action nicht zu kurz und mündet am Ende in einem glorreichen Showdown, in dem sich Cogburn auf seinem Pferd sitzend allein der gesamten Banditenmeute gegenüber sieht. Er nimmt die Zügel zwischen die Zähne und feuert sowohl aus seinem Revolver als auch aus seiner Winchester, während er im vollen Galopp auf die Gangster zureitet. Eine Szene die durchaus einen hohen Stellenwert in der filmischen Geschichte es Western inne hat.
