Der Meditationsmeister Jack Kornfield

Eine Vorstellung des US-amerikanischen Vipassana Meisters

Jack Kornfield - Marcy Harbut
Jack Kornfield - Marcy Harbut
Jack Kornfield gehört zu den wenigen westlichen Buddhisten, die bei namhaften Lehrern im asiatischen Raum gelernt haben und länderübergreifenden Respekt genießen.

Jack Kornfield, der am Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1945 geboren wurde, ist einer der wenigen US-Amerikaner, der nicht nur als Lehrmeister in der Vipassana Meditation angesehen ist, sondern auch unter einem solch berühmten asiatischen Lehrer wie Ajhan Chah, einem buddhistischen Mönch der Theravada-Tradition in Thailand, gelernt hat.

Jack Kornfield: Schüler von Ajhan Chah

Historische Persönlichkeiten gibt es im Buddhismus so viele wie in jeder anderen Weltreligion, sei es Siddhartha Gautama, der historische Buddha, Shinran Shonin oder Marpa. Wirft man einen Blick auf noch lebende Persönlichkeiten und bedeutende Lehrmeister wird die Auswahl schon sehr viel kleiner, spontan fällt vielen lediglich der Dalai Lama oder Thích Nhat Hanh ein. Und wird die Frage nach westlichen Lehrmeistern gestellt, ist die einzige Antwort häufig nur ein Achselzucken.

Jack Kornfield hat es bereits zu Lebzeiten geschafft, schulenübergreifenden Respekt zu genießen, und ist sowohl bei fernöstlichen als auch westlichen Buddhisten bekannt und beliebt. Nachdem er 1967 an dem renommierten Dartmouth College, in dem auch der vierfache Pulitzer-Preisträger Robert Frost seinen Abschluss gemacht hatte, graduierte, schloss er sich dem Friedenschor an und reiste nach Thailand, wo er das erste Mal aktiv mit dem Buddhismus in Berührung kam. Während er einige der ältesten buddhistischen Waldklöster der Welt besuchte, darunter Wat Pah Pong, lernte er den buddhistischen Mönch Ajahn Chah kennen. Ajahn Chah gehörte der Theravada Tradition an und stand nicht nur in dem Ruf, ein ausgezeichneter Lehrmeister zu sein, sondern auch aufgeschlossen gegenüber westlichen Schülern.

Kornfield wurde als Schüler bei Ajahn Chah angenommen und verbrachte die nächsten Jahre in Thailand, darum bemüht, den Weg des Buddhismus kennenzulernen und besser zu verstehen. In Berufung auf den Namen Chah wurden weltweit zahlreiche Klöster und Tempel auch außerhalb Asiens gegründet, so zum Beispiel in den USA, Europa oder Australien. Bevor Ajahn Chah im Jahr 1992 starb, konnte er eine beeindruckende Anzahl bekannter westlicher Schüler vorweisen. Neben Jack Kornfield reihen sich Namen wie Joseph Kappel, Paul Breiter oder Robert Jackman ein, der als Ajahn Sumedho bekannt ist und Abt des Klosters Amaravati in Hemel Hempstead ist.

Buddhistische Aktivitäten in den USA

1972 kehrte Kornfield in die USA zurück, wo er gemeinsam mit Joseph Goldstein und Sharon Salzberg das Insight Meditation Center in Barre, Massachusetts, gründete, welches heute als Insight Meditation Society (IMS) bekannt ist. Das IMS steht in der Theravada Tradition und ist darauf ausgelegt, meditative Techniken an Interessierte weiterzugeben. Dabei handelt es sich um das zweitgrößte Vipassana-Meditationszentrum in den USA und ist das ganze Jahr über ausgebucht. Die Insight Meditation Society lehrt in erster Linie Vipassana-Meditationstechniken, die auf den burmesischen Lehrmeister Mahasi Sayadaw zurückgehen, in dessen Tradition auch Kornfields Lehrer Ajahn Chah gestanden hatte.

Abgesehen von der Gründung der Insight Meditation Society zeichnet sich Jack Kornfield aber auch noch für eine weitere bemerkenswerte Institution verantwortlich: Spirit Rock. Aus einer 1974 gegründeten Meditationsrunde, welche sich zwei Jahre später den Namen Dharma Foundation gab, entstand 1996 das Spirit Rock Meditation Center, das sich in Woodacre, Kalifornien befindet. Als Gründer des Spirit Rock Meditation Centers lebt Kornfield nicht nur dort, sondern lehrt auch die korrekten Praktiken der Vipassana-Meditation.

Eine der viel zitierten Aussagen von Jack Kornfield stammt aus einer Lehrstunde in Spirit Rock:

„Die Buddhistische Lehre ist keine Philosophie oder Sammlung von Glaubensgrundsätzen, die man als Schutz vor der Welt sehen kann. Es ist auch keine Religion, der man durch eine Art Zeremonie beitreten kann. Es ist, wie Buddha einst sagte: Wie der Ozean nur einen Geschmack hat, den Geschmack von Salz, hat auch das Dharma nur einen Geschmack, den Geschmack von Freiheit. Somit ist die buddhistische Lehre klar ausgerichtet auf einen selbst, die innere Freiheit des Herzens zu finden.“

Heute gehört Jack Kornfield zu einem der angesehensten Lehrer der Vipassana-Meditation und Anhänger des Theravada-Buddhismus.

Wissenschaft und Buddhismus

Als Inhaber eines Doktortitels in Klinischer Psychologie gehört er nicht nur zu der buddhistischen Fraktion, die Wissenschaft und Religion in Einklang bringt, sonder auch zu dem ausgesuchten Kreis der Wissenschaftler, die an dem Mind and Life Dialog teilnehmen. Aus diesem Dialog, der 1987 erstmals aufgenommen wurde, um Gespräche zwischen dem Dalai Lama und der Wissenschaft zu fördern, entsprang das Mind and Life Institute, das eben diese Dialoge zum Anlass nimmt, eine Annährung von Wissenschaft und Buddhismus zu fördern.

Neben seiner Arbeit als Wissenschaftler und Vipassana-Meditationslehrer, ist Jack Kornfield auch als Schriftsteller gefragt. 1989 veröffentlichte er gemeinsam mit Joseph Goldstein das Buch „Einsicht durch Meditation – Die Achtsamkeit des Herzens“. Danach folgten weitere Bücher, die Kornfield auch bei Nicht-Buddhisten bekannt gemacht hat. Besonders hervorzuheben ist dabei seine lockere und oftmals auch humoristische Schreibweise, in der er es schafft, komplexe Sachverhalte einfach darzustellen und auch an Neulinge in Sachen Buddhismus zu vermitteln. Eines seiner bekanntesten Werke ist „Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens“.

Über Vipassana

Als Vipassana wird im Buddhismus die Einsicht in die Drei Daseinsmerkmale bezeichnet: Unbeständigkeit (anicca), Leidhaftigkeit (dukkha) und Nicht-Selbst (anatta). Die Vipassana-Meditation (oft auch als Vipassana-Praxis oder Einsichtsmeditation bezeichnet) wird hingegen als Übungsweg gesehen, der dazu dienen soll, das Leiden zu überwinden und somit Erleuchtung zu finden. Die Vipassana-Meditation gehört zu einer der ältesten Praktiken im Buddhismus und kann auf eine Lehrrede von Siddhartha Gautama, dem historischen Buddha, zurückverfolgt werden, welche im Pali-Kanon zu finden ist.

Trotz der buddhistischen Quelle der Vipassana-Meditation ist die Praxis an keine bestimmte Religion gebunden und wird heute weltweit gelehrt. Zu einer der bekanntesten Vertreter der Vipassana-Praxis, abgesehen von Jack Kornfield, gehört der 1924 geborene Satya Narayan Goenka (oft auch einfach nur S. N. Goenka). Abgesehen von der Weitergabe der meditativen Vipassana-Techniken sieht S. N. Goenka es heute vor allem als seine Aufgabe an, den Buddhismus in Indien und weltweit wieder zu verbreiten. Er prägte unter anderem die Aussage „Die Dinge sehen, wie sie sind“, in Zusammenhang mit der Vipassana-Meditation und beschränkt damit die Vipassana-Praxis auf einen einzigen Satz, der dennoch alles einfasst, was diese Art der Meditation ausmacht.

Andreas Schnell, Andreas Schnell

Andreas Schnell - Andreas Schnell ist freier Autor / Journalist und lebt gemeinsam mit seiner Frau und zwei Töchtern in Frankfurt/Main. Redaktionell ...

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