Der Medizin-Buddha

Traditionelle Darstellung des Medizin-Buddha - oceandesetoiles
Traditionelle Darstellung des Medizin-Buddha - oceandesetoiles
Besonders im tibetischen, japanischen und chinesischen Buddhismus wird Bhaisajyaguru, dem Buddha der Heilung, eine wichtige Stellung eingeräumt.

Bhaisajyaguru, der im chinesischen als Yao-shih fo und im japanischen als Yakushi Nyorai bekannt ist, wird im Westen gemeinhin als Medizin-Buddha bezeichnet. Der „Meister des Heilens im Lapislazuli-Glanz“ (Sanskrit: Mahabhaisajyaguruvaiduryaprabharaja) findet Erwähnung im Medizin-Buddha Sutra, einem Lehrtext des Mahayana Buddhismus, in dem Siddhartha Gautama vom Buddha der Heilung berichtet. Somit ist anzunehmen, dass Bhaisajyaguru bereits geraume Zeit vor dem historischen Buddha die Erleuchtung fand, so wie viele andere Wesen auch.

Darstellung des Medizin-Buddhas

Seit der ikonischen Periode des Buddhismus wurden zahlreiche Abbilde des historischen Buddhas erschaffen. Neben diesen Darstellungen gehört auch der Medizin-Buddha, besonders in China, Japan und Tibet, zu einem beliebten Objekt der Zurschaustellung. Traditionell wird Bhaisajyaguru mit blauem Körper und den Roben eines Mönchs dargestellt. Da jedoch viele Buddhastatuen in Nepal gefertigt werden und davon ausgegangen wird, dass Gold wertvoller ist als blaue Farbe, findet man den Medizin-Buddha auch vermehrt mit goldenem Körper. Dies geschieht jedoch nicht aus Gründen einer Preissteigerung, sondern viel mehr aus Respekt vor dem Buddha. Bhaisajyaguru sitzt im vollen Lotos-Sitz. In seiner linken Hand befindet sich eine Schale, die heilenden Nektar enthält, in seiner rechten befindet sich ein Myrobalan-Zweig, der drei Früchte trägt. Diese stehen für die Heilung der drei Geistgifte des Buddhismus: Gier, Hass und Verblendung.

In einer weiteren – auch sehr häufigen – Darstellung befindet sich der Medizin-Buddha in Gemeinschaft von Suryaprabha und Candraprabha, den Boddhisattvas der Sonne und des Mondes, die sich jeweils rechts und links von ihm befinden. Im Medizin-Buddha Sutra heißt es dazu: „Es gibt in diesem Land zwei Bodhisattva-Mahasattvas. Deren einer heißt ‚Alldurchdringender Glanz der Sonne‘, und der andere trägt den Namen ‚Alldurchdringender Glanz des Mondes‘. Sie sind die Häupter der unübersehbaren Schar von Bodhisattvas, die dort weilen, und sie sind in vollem Maße fähig, den Schatz der unverfälschten Lehren zu hallen, die der erhabene Meister des Heilens, der Tathagata im Lapislazuli-Glanz, gegeben hat.“

Das Mantra des Medizin-Buddhas

Mantras besitzen besonders im tantrischen Buddhismus den Ruf, bestimmte Effekte hervorzurufen. Das Mantra des Medizin-Buddhas soll zum Beispiel in bestimmten Fällen Innere und Äußere Gebrechen heilen. Das Mantra lautet in der vollständigen Fassung wie folgt: „Om namo bhagawate Bhaishjaya guru. vaidurya prabha rajaya tathagataya. arhate samyaksam buddhaya teyatha. om bekhajye bekhajye maha bekhajye. bekhajye rajaya samudgate svah.“

Je nach buddhistischer Schule kann dieses Mantra in verschiedenste Formen gekleidet werden. Im tibetischen Buddhismus kann die lange Version des Mantras einhundertacht mal über einem Glas Wasser rezitiert werden. Daraufhin ist das Wasser geweiht und soll heilsam wirken. Abgesehen von körperlichen Leiden wird dem Mantra nachgesagt, dass es auch äußert wirkungsvoll ist, um sich selbst von negativem Karma zu reinigen. In vielen buddhistischen Schulen gehört die lange oder die kurze Version des Medizin-Buddha Mantras zu dem Standardrepertoire.

Quellen:

Andreas Schnell, Andreas Schnell

Andreas Schnell - Andreas Schnell ist freier Autor / Journalist und lebt gemeinsam mit seiner Frau und zwei Töchtern in Frankfurt/Main. Redaktionell ...

rss