
- Moersbach Eisvogel - peashooter
Als die Welt noch jung und Moers noch keine kleine Großstadt war, hatte es der Moersbach leicht. Er diente dem Rhein als Hochwasserrinne: Wenn der große Fluss überlief, dann füllte sich auch der kleine Bach. Menschliche Einflüsse gab es kaum. Der Moersbach bahnte sich seinen Weg durch Moore und Wälder – und gelegentlich überflutete er die ihn umgebenden Wiesen.
Doch auch im Leben eines kleinen Baches ist vieles im Fluss: Das Einzugsgebiet des Moersbaches wurde stetig dichter besiedelt, die Wiesen am Gewässer wandelten sich zu landwirtschaftlichen Nutzflächen. Überschwemmungen waren nicht mehr willkommen – und der Moersbach wurde in seinem Bett eingeengt. Begradigt, befestigt, unterbrochen von Wehren und Rohren, die den Bach unter Straßen und Wegen hindurchführen. Hinzu kamen die Einflüsse des Kohlebergbaus am Niederrhein. Der Boden unter dem Bachbett senkte sich an vielen Stellen um mehrere Meter, das natürliche Gefälle war dahin. Ergebnis: Der Moersbach wäre heute ziemlich trocken, würden verschiedene Pumpen ihn nicht mit Grundwasser versorgen.
Mutter Natur hatte sich die Entwicklung vermutlich ein wenig anders vorgestellt.
Die EU-Wasserrahmenrichtlinie und ihre Auswirkungen auf den Moersbach
In den vergangenen Jahren allerdings hat der Moersbach sich nicht nur wie gehabt in Richtung des Rheinberger Altrheins bewegt, sondern erstmals seit langer Zeit auch zurück zur Natur. Der Auslöser dafür ist weit weg von Moers zu suchen – in Brüssel nämlich. Dort nämlich ist der Sitz der EU-Kommission, und auf deren Initiative geht die im Jahr 2000 beschlossene Richtlinie 2000/60/EG zurück. Sie ist besser bekannt als EU-Wasserrahmenrichtlinie und soll die Wasserpolitik in Europa stärker auf eine umweltfreundliche Nutzung der Gewässer ausrichten. Ziel der Wasserrahmenrichtlinie ist, Bäche, Flüsse und andere Oberflächengewässer in einen „guten Zustand“ zu versetzen. „Guter Zustand“, das bezieht sich unter anderem auf das pflanzliche und das tierische Leben im Gewässer – also zum Beispiel auf die Zusammensetzung der Fischpopulation eines Gewässers und die Häufigkeit der verschiedenen Fischarten darin. Daneben spielt auch die chemische Qualität des Wassers eine Rolle.
Um die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie am Moersbach kümmert sich die in Kamp-Lintfort ansässige Linksniederrheinische Entwässerungs-Genossenschaft (LINEG). Die Experten der Wasserwirtschaftsgesellschaft haben 2006 mit der naturnahen Entwicklung des nördlichen Moersbaches begonnen.
Sie kauften Flächen in der Nähe des Gewässers an, die der Bach künftig überfluten können soll. Sie ersetzten Wehre und steil abfallende Wände im Bachlauf durch sanfte Senken, und sie bauten an schwierigen Stellen Fischtreppen – damit die Fische den Bach hinaufwandern können. Das nämlich ist eines der Kriterien der EU-Wasserrahmenrichtlinie: die Durchgängigkeit der Gewässer für Fische verschiedener Größe.
Erste Erfolge bei der Renaturierung des Moersbaches
In den vergangenen Jahren hat die Lineg durchaus Erfolge bei der Renaturierung erzielt: Der Eisvogel brütet am Moersbach, Kormorane gehen auf Fischfang, und unter Wasser leben gefährdete Fischarten wie die Schleie. Auch der Bachlauf sieht an vielen Stellen bereits sehr ursprünglich aus: Tote Baumstämme fallen ins Wasser – und dürfen liegen bleiben, Gebüsch säumt das Ufer, Steine im Bach sorgen für Verwirbelungen des Wassers.
Trotz dieser Erfolge hat die Lineg allerdings immer wieder auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen – etwa beim Ankauf von ufernahen Flächen. Die gehören nämlich oftmals Landwirten, die eigentlich gar nicht verkaufen wollen. Ohne diese Flächen lässt sich das Konzept zur Renaturierung allerdings nicht konsequent umsetzen. Also sind Geduld und ein langer Atem gefragt – die Arbeiten am Moersbach werden wohl noch Jahre dauern.
In diesem Jahr soll zunächst einmal der Abschnitt zwischen dem Repelner Meer und dem Jungbornpark im Norden der Stadt umgestaltet werden: Die Lineg will eine große Fischtreppe bauen und mehrere Sohlgleiten anlegen. Und auch für die menschlichen Bewohner im Einzugsgebiet des Moersbaches wird etwas getan – sie bekommen neue Wege und neue Brücken über den Bach.
