
- Rick Rubin - Vivgoal
Man sagt, er könne alles. Er macht ja auch alles. Man sagt, er sei einer der einflussreichsten Musikproduzenten der letzten 20 Jahre. Er hat ja auch dutzende Musikgrößen und -legenden produziert. Man sagt, er sei arrogant. Er langweilt sich schnell und muss immer etwas Neues ausprobieren, in Bewegung bleiben.
Rick Rubin ist in seiner Arbeit immer eigene Wege gegangen. Ihn interessieren keine Trends und kein MTV. Er macht sich nichts aus Verkaufszahlen und missachtet wie ein Abtrünniger die berühmt berüchtigten Billboard-Charts. Und doch hat er über 100 Millionen Platten verkauft und an ungefähr 100 Alben mitgewirkt.
Triviales über den "Rubin der Musikbranche"
Frederick Jay Rubin wurde am 10. März 1963 auf Long Island New York geboren. Der Mann mit dem wilden Bart- und Haarwuchs schlug jedoch eine etwas andere Karriere ein, als es sich für einen New Yorker aus der oberen weißen Mittelschicht gehört. Zusammen mit Russel Simmons gründete Rubin im zarten Alter von 21 das Musik-Label Def Jam. In den folgenden zwei Jahren prägten Rubin und Simmons die Rap-Musik entscheidend, überworfen sich aber und gingen getrennte Wege. Rubin gründete 1986 sein eigenes Label, Def American, welches 1993 schließlich in American Recordings umbenannt wurde. 1995 geriet Rubins Privatleben in unruhige Gewässer, als sich der Performance-Künstler Genisis P-Orridge bei einem Brand in Rubins Haus – und mit Rubin auf der Flucht – schwer verletzte und Rubin verklagte. Dieser musste 1998 nach einem Gerichtsurteil 1,5 Millionen US-Dollar Schmerzensgeld an P-Orridge zahlen. Rubin wurde 2007 und 2009 mit dem Grammy in der Kategorie "Produzent des Jahres" ausgezeichnet.
Die Vielfältigkeit von Rubins Arbeit
Angefangen als Hip-Hop-Produzent für Künstler wie LL Cool J, wechselte Rubin in den folgenden 20 Jahren etliche Male das Genre. Die Liste der Künstler, dessen Platten Rubin den letzten Schliff verlieh, ist lang und liest sich wie eine Auswahl der größten Bands des jeweiligen Musik-Genres. Von den Crossover-Vorreitern, den Beastie Boys, zu den Metal-Legenden von Slayer, die Rubins Dienste gleich mehrfach in Anspruch nahmen, wie auch die Funk-Rocker Red Hot Chili Peppers ("Sex, Blood and Magic", "Californication" und mehr). The Cult oder die Heavy-Rocker von Danzig. Die Hard-Rocker von AC/DC, die Metal-Ikonen Metallica, die Alternative-Metal-Band System of a Down, die Crossover-Combo Rage against the Machine, Linking-Park, Audioslave, Slipknot und mehr. Rubin produzierte sämtliche klangvolle Namen des Rock-Business. Doch auch wenn Rubin sich auf der Rock-Schiene der vergangenen 15 Jahre austobte, gönnte sich der Mann an den Reglern auch immer wieder "Seitensprünge". Er produzierte den Hip-Hop-Produzenten Jay-Z, Latina-Queen Shakira, Spice-Girl Melanie C oder Frauenschwarm Justin Timberlake und stieß so auch immer wieder ins breite Pop-Geschäft vor.
Doch Rubin, der scheinbar niemals schläft und nach eigener Aussage oftmals bis zum Umfallen arbeitet, bietet noch mehr an.
Rubins Gespür für ungefragte Legenden und aufstrebende Talente
Es scheint, dass Rubin das Gespür und Gefühl für Musiker hat, die nicht gefragt sind. Er gräbt in Vergessenheit geratene Ikonen wie Tom Petty, Donovan, Neil Diamond und natürlich Johnny Cash aus und lässt diese in einem Klang erscheinen, wie man sie noch nie zuvor gehört hat. Nicht zu Unrecht gilt bei vielen Kritikern Cashs Spätwerk (Cashs "American Recordings"-Reihe erstreckt sich über zehn Jahre und besteht aus fünf preisgekrönten Alben) als das Beste, was Cash, der "Man in Black", in seiner über 50-Jährigen Kariere herausgebracht hat. Ähnliches passierte mit dem Songwriter Neil Diamond. Dennoch ist Rubin auch immer am Puls der Zeit und arbeitet mit Künstlern wie den Dixie Chicks und Gossip.
Rubins Arbeitstil – Schneller als andere, gegen den Trend
Der Workaholic Rubin arbeitet laut eigener Aussage schneller als viele seiner Kollegen und baut dabei auf seine akribische Vorbereitung im Vorfeld der Studio-Sessions. Diese Vorbereitung kann sich über Wochen, Monate oder auch mal über ein ganzes Jahr erstrecken. Dann erst geht es ins Studio (Rubin mag die Arbeit im Studio nicht) und dort läuft oftmals alles ganz, ganz schnell. So wurden einige Alben, wie Tom Pettys "Wildflowers", binnen einer Woche abgemixt. Rubin sucht sich immer den richtigen Spot beim Fertigstellen des Albums aus und vertraut dabei seinen musikalischen und menschlichen Instinkten. Für ihn ist viel wichtiger, den Künstler und dessen Gefühle auf eine besondere Weise über das Album zu porträtieren, als sich an Trends und Gepflogenheiten der Branche zu orientieren. Er lötet Schnittstellen diverser Stilrichtungen der Musik zusammen und kreiert für jeden Künstler einen ganz eigenen Klang. Weglassen ist dabei oft das Hauptwort für Rubins Arbeit, um an den reinen musikalischen Kern, ganz ohne Pathos, zu gelangen.
Rubin als der Heilsbringer der kränkelnden Musikbranche?
Im Mai 2007 breitete sich Rubins Macht in der Musikwelt weiter aus und der Mann mit den magischen Ohren wurde Co-Chef des zu Sony BMG gehörenden Musiklabels Columbia Records. Dabei wurde Rubins Aufgabe klar definiert: die kränkelnde Musikindustrie retten. Denn durch illegale Internet-Downloads sind die goldenen Jahre der Musikbranche schon seit einiger Zeit verstrichen. Der unkonventionelle und selbsternannte Musik-Fan Rubin versucht nun seit 2007 ein Abo-Modell zu etablieren. Für einen bestimmten Preis hat der Käufer des Abonnements einen Monat lang Zugriff auf eine virtuelle Musik-Bibliothek. Die Schwierigkeit liegt dabei in der Kollaboration der großen vier Musik-Labels, Warner, Universal, EMI und Sony/BMG, um so eine breit gefächerte Plattform zu kreieren.
Aber in aller erster Linie ist der der bärtige Rubin, dem oftmals nachgesagt wird, er sei vom Äußeren das vierte Mitglied der Blues-Rocker ZZ Top, noch Musik-Fan und besessen von der Suche nach Bewegung, Veränderung und neuen Sounds.
