Der Fürst-Pückler-Park, polnisch Park Muzakowski genannt, ist der größte Landschaftspark im englischen Stil in Zentraleuropa. Diesen Traum von einem Park auf beiden Seiten der Lausitzer Neiße schuf sich der Fürst Hermann von Pückler-Muskau.

So gehört der Park heute zu Polen und Deutschland. Etwa ein Drittel der Parkfläche gehört zur sächsischen Stadt Bad Muskau. Der größere Teil des Parks liegt nördlich der polnischen Stadt Leknica (Lugknitz). Brücken verbinden die beiden Parkteile, die zum Welterbe der UNESCO zählen und jährlich über 250 000 Gäste anziehen,

Das UNESCO-Weltkulturerbe „Muskauer Park“

Der Muskauer Park verbindet auf über 830 Hektar Natur und Kunst. Er bietet weitläufige Wiesen, majestätische Bäume, geschwungene Wege, pittoreske Seen und Wasserläufe, weite Sichtbeziehungen und einzigartige Brücken und Bauten. Zu Fuß, per Kutsche, Fahrrad oder Boot kann dieses Gartenreich erkundet werden.

Der ganze Park wurde bis ins Detail geplant. Er ist ein Gartenkunstwerk von Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Der gestaltete seinen Park zwischen 1815 und 1845. Dabei ließ sich Hermann Fürst von Pückler-Muskau von englischen Gärten des Regency inspirieren. Er plante ein natürlich wirkende Landschaft. Diese Gestaltung wurde zum Vorbild für weitere Anlagen in Europa und Amerika.

Pückler wirkte bei weiteren Parkanlagen als Planer mit: im königlichen Garten beim Schloss Babelsberg, beim Schloss Neuhardenberg sowie in Weimar und Paris. Schließlich schuf er bei seinem Alterssitz Schloss Branitz einen weitere Landschaftspark, der bis heute international beachtet wird.

Das Neue Schloss

Herzstück des Parks ist Pücklers Neues Schloss. Das ist eine dreiflügelige Anlage am Luciesee. Zwei mit Kuppeln versehene Türme krönen das Schloss. Der Südwestturm kann bestiegen werden und bietet aus 35 Metern Höhe einen weiten Blick in den Park. Der ursprünglich barocke Bau wurde von Pücklers Nachfolgern im Stil der Neorenaissance verändert und mehrfach umgebaut. 1945 wütete hier der Krieg. Park und Schloss waren danach verwüstet. Das Schloss wurde 1945 durch Brandstiftung endgültig zerstört. Es blieb als Ruine stehen. Erst 1995 begann der Weideraufbau. Seit 2008 ist das Gebäude wieder öffentlich zugänglich.

Im Schloss ist Pücklers Arbeitszimmer so hergerichtet, als würde der Fürst nur kurz eine Runde im Park drehen. In der Callenbergschen Bibliothek strahlt die Stuckdecke aus dem 17. Jahrhundert. Im Südflügel des Schlosses wird auf zwei Etagen die Dauerausstellung über Pückler und seine Gartenträume unter dem Titel „Pückler! Pückler? Einfach nicht zu fassen!“ präsentiert.

Altes Schloss

Streng symmetrisch ist das barocke Alte Schloss. Es war das zur Stadt hin orientierte Torhaus der alten Burg. Curt Reinicke II. von Callenberg ließ es zum Verwaltungsbau umbauen. Die Bezeichnung „Altes Schloss“ geht auf Herrmann von Pückler zurück. Der wollte in seinen Park ein älteres Bauwerk integrieren. Heute sind in diesem Gebäude die Tourismusinformation der Stadt, das Stadtmuseum und das Standesamt Bad Muskau untergebracht. Im Dachgeschoss gibt es einen kleinen Konzertsaal.

Marstall mit Schlossvorwerk

Dieser Komplex eingeschossiger Bauten wirkt wie ein offener Vierseitenhof. Das nordwärts stehende Wohngebäude zeigt sich im Tudorstil. Die übrigen Gebäude sind der Neorenaissance zuzurechnen. Etwas abseits im Park steht die ehemalige Reithalle von 1923. Die Bauten werden derzeit als Wohnungen, Vereinsräume, Café und Verkaufsräume genutzt. Der Marstall diente als Ausstellungshalle.

Orangerie

Die Orangerie wurde nach einem Entwurf von Ludwig Persius 1844 gebaut. Sie ist ein rechteckiger Flachbau. Die Fassade zeigt gotische und maurische Elementen. Der Saal der Orangerie wird derzeit noch als Konzert- und Tagungssaal genutzt. Die 2005 geschaffenen Büroräume nutzt die Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“.

Südlich der Orangerie gibt es einen Gewächshauskomplex. Pückler ließ den 1833 als Ananashäuser bauen. So wurden sie bis 1920 genutzt. Seit 1956 war hier Tropenhaus eingerichtet. Nach aufwendiger Instandsetzung wurde am 22. Juni 2012 die Schlossgärtnerei samt Gewächshauskomplex, Küchengarten und der Ausstellung „Ananas! Die Königin der Früchte im Muskauer Park“ im Muskauer Park wieder eröffnet. Damit ist ein wesentliches Element des Gesamtensembles der Parkanlage wieder seiner Bestimmung zugeführt.

Kavalierhaus

Das Kavalierhaus ist ein zweigeschossiger Bau mit Mansarddach. Den Rechteckbau ziert ein Mittelrisalit, dessen Dreiecksgiebel in das Dach hineinreicht. Die Freitreppe, das Korbbogenportal und die seitlichen, Rundbogenfenster im Mittelrisalit sorgen für einen herrschaftlichen Eindruck. Nach seiner Erbauung unter Curt Reinicke II. von Callenberg war es das Gartenpalais. Dann wurde es als Theater genutzt. Prinz Friedrich der Niederlande richtete es als Gästehaus ein. Unter Graf Hermann von Arnim-Muskau erhielt das Gebäude 1934 seine heutige Gestalt als Witwensitz seiner Mutter. Das Kavaliershaus überstand den Zweiten Weltkrieg ohne Schäden. Von 1946 bis 1949 war hier das Krankenhaus eingerichtet. 1950 wurde es zum Kurmittelhaus des Moorbades der Stadt Bad Muskau. Das ist inzwischen zum Kulturhotel Bad Muskau verlegt worden.

Die Ausstellung: Pückler! Pückler? Einfach nicht zu fassen!

Hermann Fürst von Pückler-Muskau lebte von 1785 bis 1871. Er war als Schriftsteller, Reisender und Landschaftsgärtner berühmt und als Frauenheld, Dandy sowie Lebemann berüchtigt. Legenden und Anekdoten aus seinem Leben brachte der Fürst selbst unters Volk. Im Obergeschoss des Neuen Schlosses widmet sich die Ausstellung dem Leben des Muskauer Standesherrn: Im Familientheater gibt ein Diener einen Bänkelsang zum Leben des Schlossherren, im Berliner Salon kommen Freunde wie Bettina von Arnim, Johann Wolfgang von Goethe und Karl Friedrich Schinkel zu Wort. Pücklers Reiseabenteuer sind altertümlich inszeniert, Hör-Herzen decken die Liebesabenteuer des Fürsten auf und ein mechanischer Liebesbrief-o-mat kreiert romantische Botschaften im Stil des Lausitzer Casanovas. Im Erdgeschoss beschäftigt die Ausstellung sich mit der Entwicklung des Muskauer Parks unter Pückler und seinen Nachfolgern.

Literatur

  • Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“ (Hrsg.): Fürst Pückler. Parkomanie in Muskau und Branitz. Ein Führer durch seine Anlagen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen. L&H Verlag Hamburg/Berlin 2006. ISBN 3-928119-99-0
  • Regina Barufke: Fürst-Pückler-Park Bad Muskau. Ein europäischer Landschaftspark. Stadt- und Parkmuseum, Bad Muskau 1998, ISBN 3-930625-09-1
  • Ellen Kollewe: Fürst-Pückler-Park Bad Muskau – ein europäischer Landschaftspark. = Park ksiecia Pücklera Bad Muskau – europejski park krajobrazowy. Herausgegeben vom Freundeskreis Stadt- und Parkmuseum Bad Muskau e. V. Lausitzer Druck- u. Verlags-Haus Bautzen 2002
  • Erich Merkle (Hrsg.): Chronik von Stadt und Park Bad Muskau. Weißwasser 1997. ISBN 3-932541-00-6
  • Helmut Rippl (Hrsg.): Der Parkschöpfer Pückler-Muskau. Das gartenkünstlerische Erbe des Fürsten Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau. 2.Auflage, Böhlaus Nachfolger Weimar 1995. ISBN 3-7400-0994-2

Quellen

  1. Stadt Bad Muskau
  2. Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau"