Der nackte Adam

Desmond Morris untersucht den Mann von Kopf bis Zeh

Heute scheint es uns ganz geläufig, den Schuh-Fetischismus der Frauen mit dem "Sammler-Verhalten" zu erklären. Diese biologische Interpretation hat mit Morris angefangen.

Als das Buch „Der nackte Affe“ 1967 erstmals erschien, erregte es großes Aufsehen: Die Erklärung menschlichen Verhaltens und menschlicher Charakteristika mit den Augen eines Verhaltensforschers war damals neu und einzigartig. Ganz zu schweigen von Morris trockener Betrachtung des menschlichen Sexuallebens, über die sich die Gemüter echauffierten.

Bis heute hat sich das Buch weltweit mit mehr als acht Millionen Exemplaren in 23 Sprachen verkauft. Desmond Morris trug dazu bei, das damals noch vorherrschende anthropozentrische Weltbild zu verändern und der Nobelpreisträger hat noch immer Lust auf Kontroverse: In seinem letzten Buch „Naked Man“ analysiert er den Mann von Kopf bis Fuß. "Warum tragen Männer Bärte?" und "Sind Männer mit Glatze fruchtbarer?" sind nur zwei von vielen sehr interessanten Fragen, die er zu beantworten versucht.

Ein Multitalent mit ungewöhnlichen Fragestellungen

Morris (*1928) studierte in Birmingham Zoologie und schloss mit einem Doktor an der Universität von Oxford ab. Schon in jungen Jahren veröffentlichte er eine Unzahl von Artikeln in Fachzeitschriften, 1952 erstmals mit nur 24 Jahren in der renommierten Zeitschrift Behaviour. Neben einem Biologen stecken in Morris auch ein passionierter Maler und Film- und Fernsehproduzent. Neben Miro standen einst seine surrealistischen Bilder in einer Londoner Galerie, zwei surrealistische Filme folgten, bevor er später die Leitung der Film- und Fernsehabteilung der Zoologischen Gesellschaft von London übernahm. Das Multitalent schreckt nicht davor zurück quer zu denken, einfache Fragen zu stellen oder die Welt aus den Augen eines Kindes zu betrachten. Morris ging sogar so weit, seine künstlerischen und verhaltensbiologischen Interessen zu vereinen: Er liess Schimpansen Leinwände bemalen, um Vergleiche zwischen Menschenaffen und Menschenkinder zu ziehen.

Die nackte Eva und der nackte Adam - keine Leichte Kost für Feministinnen

Nach dem sensationellen Erfolg von "Der nackte Affe" zieht sich Morris zurück, um sich ganz der Malerei und Schreiberei zu widmen. Es folgen eine Reihe verhaltensbiologischer Bücher, u.a. "Die nackte Eva", ein Buch das dem Verhalten und dem Aussehen der Frauen auf den Grund geht. Feministen werfen dem Forscher damals vor, frauenfeindliche Platitüden zu publizieren. Auch sein neuestes Werk, obwohl es sich mit dem Mann beschäftigt, dürfte Feministinnen neue Munition geben. Morris sagt zwar, die Welt wäre ein besserer Ort, wenn Frauen alle Entscheidungen treffen würden, nur würde es in dieser Welt keine neuen Entdeckungen mehr geben .

"Entdecker, Erfinder, Architekten, Bauherren, Krieger und Förster sind fast immer Männer und sie haben unsere Welt so sehr verändert, dass alle anderen Arten daneben unscheinbar aussehen", falls diese Passage den weiblichen Lesern noch entgeht, so dürften diese fünf Seiten später doch hellhörig werden: "Hinter großartigen Taten steckt eine starrsinnige Perversität über die hauptsächlich Männer verfügen. Es wird oft argumentiert, dass es Frauen nicht erlaubt wurde ihr wahres Potential zu entwickeln, aber das bedeutet doch vielmehr, dass Frauen nicht stark genug sind, um ihre Großartigkeit einzufordern."

Vegetarier und Homosexuelle wird sich der Biologe wahrscheinlich ebenso vergraulen. Morris gibt zu verstehen, dass Fleisch-Esser von Natur aus teilen, während Vegetarier eher geizig sind. Homosexuelle weigern sich mehr oder weniger erwachsen zu werden. Bärte und Kopfbehaarung sind übrigens enstanden, um den Menschen schon von weitem als Mensch zu kennzeichnen.

Den Lesern, denen es gelingt, die Provokationen mit einem Augenzwinkern zu überfliegen, bietet sich eine unterhaltsame und teilweise sehr lehrsame Beschreibung Adams, dessen Behaarung die Wissenschaft immer wieder fasziniert.