'Der Name der Rose' – Einblick in das Leben im Mittelalter

Kreuz und Schwert, Mittelalter - Dieter Schütz  / pixelio.de
Kreuz und Schwert, Mittelalter - Dieter Schütz / pixelio.de
Umberto Ecos Roman 'Der Name der Rose' und der gleichnamige Film spielen im späten Mittelalter. Dabei werden einige Gegenstände dieser Epoche thematisiert.

Umberto Ecos 1980 erschienener Roman ‚Der Name der Rose‘ ist nicht nur ein fesselnder Krimi, sondern eine Präsentation des Lebens im späten Mittelalter. 1986 wurde das im Jahr 1327 spielende Geschehen verfilmt, mit Sean Connery in der Hauptrolle. Obwohl der Film in etlichen Punkten kritisiert wurde, erlaubt er dennoch einen oftmals authentisch genannten Einblick in das Leben im Mittelalter, insbesondere auf religiöser und sozialer Ebene.

Das einfache Volk

Bereits zu Beginn des Films ‚Der Name der Rose‘ bekommt der Zuschauer einen Eindruck vom Leben des einfachen Volks, sprich der Unterschicht oder Armen im 14. Jahrhundert. Der Film spielt im Winter, es ist eisig kalt, schwere Wolken hängen über dem Land und die karge Landschaft wirkt ungemütlich und abschreckend. Trotzdem tummelt sich eine Schar Menschen am Fuße des Hügels, auf dem das Kloster, Handlungsort des Films und Romans, gelegen ist. Jeden Tag aufs Neue warten diese Menschen darauf, dass die schweren Tore des Klosters geöffnet und Essensreste beziehungsweise überschüssige Speisen herabgeworfen werden. Die Menschen stürzen sich auf die herabrollenden Abfälle, schlagen sich darum, alte Menschen und Kinder zugleich.

Hiermit wird deutlich auf die Sonderstellung des Klerus im Mittelalter angespielt, der im Vergleich zu den normalen Bürgern viele Privilegien genoss. Ironisch präsentiert der Film den Umstand, dass sich die Mönche, allesamt Hüter des christlichen Glaubens, täglich herablassen, den Armen wie Hunden ihre Speisereste zuzuwerfen.

Diebstahl aus Not

In einer späteren Szene lernt der Novize Adson von Melk ein junges Mädchen aus dem Volk kennen, während dieses versucht, frisches Fleisch aus einer Kammer des Klosters zu entwenden. Das Mädchen wird am Ende Opfer der mittelalterlichen Inquisition, nachdem es auf dem Klostergelände bei Diebstahl und angeblicher Verführung eines Mönches ertappt wird.

Die Kirche im Mittelalter und im ‚Im Namen der Rose‘

Eine allgemeine christliche Geisteshaltung und die Idee der Einheit der christlichen Kirche prägten das Mittelalter. Sowohl Roman und Film ‚Der Name der Rose‘ hinterfragen diese christliche Geisteshaltung am Beispiel der Mönche und im Rahmen vieler unchristlicher Machenschaften innerhalb der Klostermauern. Heikle Themen wir Homosexualität und der Bruch des Abstinenzgelübdes werden auf ironische Weise offenbart und nicht zuletzt das im Mittelalter allgegenwärtige Thema der Häresie. Unter Häresie verstand man dabei eine Lehre, die im Widerspruch zur Lehre der christlichen Großkirche stand. Häretiker oder auch Ketzer wurden als moralisch verkommen und verloren betrachtet, als gottlos, und sie hatten sich vor der im Film oftmals genannten ‚Heiligen Inquisition‘ zu verantworten.

Die Heilige Inquisition

Die Inquisition war ein Gerichts- und Untersuchungsverfahren des späten Mittelalters, das von katholischen Geistlichen geleitet wurde. Erstes Ziel bestand darin, die oben genannten Häretiker zu verfolgen und zu ihrer rechtmäßigen Strafe zu bringen. Im Film ‚Der Name der Rose‘ gibt es die Figur des Inquisitors Bernard Gui, der in das Kloster einberufen wird, um einen Mörder und damit Gottlosen innerhalb der eigenen Mauern vor Gericht zu bringen.

Gui macht sich auf die Suche nach einem typischen Häretiker und dieser ist schnell gefunden: Die nächstbeste Person, die sich auffällig verhält oder zur falschen Zeit am falschen Ort entdeckt wird, bekommt das Sigel ‚Häretiker‘ aufgedrückt und wird zum Tode durch Verbrennen verurteilt. Drei Personen ereilt im Film das gleiche Schicksal - das hungernde Mädchen aus dem Volk, das nachts ein wenig Fleisch stehlen wollte, einen geistig behinderter Mönch, der das Mädchen zufällig gesehen hatte, sich von diesem angezogen fühlte und an seiner Seite entdeckt wurde, und einen weiteren Mönch, der durch Verleumdung in einen Teufelskreis geraten war.

Recht und Unrecht

Die Hintergründe des Geschehens, die dem Zuschauer während des Films vor Augen geführt werden, enthüllen die Oberflächlichkeit, mit der der Inquisitor ermittelt und dessen einziges Ziel, möglichst schnell irgendeinen Schuldigen zu finden und brennen zu sehen. Nach dieser Darstellung reichte für die mittelalterliche Inquisition ein dummer Zufall wie die Anwesenheit einer schwarzen Katze, um die Gotteslästerung oder Hexerei einer Person nachzuweisen.

Ecos Roman und seine Verfilmung zeichnen ein somit eher düsteres Bild von einem wichtigen Kapitel mittelalterlicher Geschichte.

Angaben zum Buch:

  • Umberto Eco, Il nome della rosa, Bompiani, Mailand 1980
  • Umberto Eco, Der Name der Rose, übers. v. Burkhart Kroeber, Hanser, München 1982; dtv, München 1986 ff.
Bernadette Olderdissen, Bernadette Olderdissen

Bernadette Olderdissen - Bernadette Olderdissen, geboren 1981, ist Anglistin, Skandinavistin und Japanologin mit einer Zusatzausbildung zur ...

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