Welchen Ursprung hat der Lienener Hof- und Familienname Ibershoff? Um diese Frage beantworten zu können, ist der Blick auf die lautliche Entwicklung des Namens notwendig, die sich anhand der ältesten Belege ablesen lässt. Der Name des nur ca. 250 Meter nördlich der Lienener evangelischen Kirche gelegenen, heutigen Reiterhofs erscheint in den Tecklenburger Schatzungsunterlagen von 1494 an:

Die ältesten Belege

1494 „Ypershoff“, 1580, 1621 und 1634 heißt der Hof „Iberßhoff“, 1643 „Ibershoff“, 1673 „Iberß Hof“, schließlich 1755 und 1774 „Ibershoff“ (Leesch, S. 69, 70f., 92, 120, 125, 141, 192, 257). Aus der Belegreihe geht hervor, dass es sich bei diesem Namen um eine Zusammensetzung handelt, in deren Grundwort mittelniederdeutsch „hof“ in der Bedeutung „Hof, Gehöft“ auszumachen ist (Schiller-Lübben, Bd. II, S. 310f.).

Genaue Abgrenzung nicht möglich

Eine genaue Definition und Abgrenzung von mittelniederdeutsch „hof“ – Hof, Gehöft (in lateinisch-sprachigen Quellen „curia“ oder „curtis“, in der Geschichtsforschung heute oft als „Oberhof“ oder „Herrenhof“ bezeichnet) und altsächsisch „hôva“, mittelniederdeutsch „hôve“ – Hufe, Bauernstelle (in lateinisch-sprachigen Quellen „mansus“ genannt), ist sprachlich nicht immer möglich. Ein Hof (curtis/curia) – im Gegensatz zur Hufe (mansus) – war ein Gut als Wirtschaftseinheit, das vom Herrn selbst oder einem eingesetzten Verwalter geführt wurde (Meier- oder Schultenhof) und dem mehrere abgabenpflichtige Hufen zugeordnet sein konnten. Die Wörter „Hof“ und „Hufe“ sind etymologisch nur entfernt miteinander verwandt. „Hof“ bezeichnete einen umzäunten Sonderrechtsbezirk, während „Hufe“ eine flächenmäßige Wirtschaftseinheit (ca. 30 Morgen) bestimmte, aus der der Grundherr Abgaben erheben konnte (Schütte, S. 313f.). Zwischen beiden lässt sich auch bei Ibershoff letztlich nicht entscheiden. Da niemals die Form „-hôve“ im Grundwort erscheint, deuten die Belege des Namens auf einen „Hof“, nicht auf eine „Hufe“. Allerdings wird der Ibershoff niemals als „curtis“ bzw. „curia“ bezeichnet, im Gegensatz zum Lienener Dalhof (Ober- und Niederdalhoff, Voßhaarweg: 1241 „curtis Dalhof in parrochia [Kirchspiel] Lienen“; OUB II, Nr. 408), der eindeutig ursprünglich ein „Hof“ (curtis) des Osnabrücker Bischofs war.

Das Bestimmungswort

Doch wie ist das erste Glied des Namens „Ibers“ zu erklären? Das auslautende -s birgt die Lösung. Es ist als Zeichen der starken Genitivflexion anzusehen (wie z.B. der Tag, des Tages). In Namen auf -hof tritt dieses Zeichen aber nur in Verbindung mit Personennamen auf (vgl. Dickhoff, nicht °Dickshoff; Brockhoff, nicht °Brockshoff; Osthoff, nicht °Ostshoff). Im Bestimmungswort liegt also ein alter Rufname vor, der auch im Ortsnamen Ibersheim bei Worms oder Iversheim bei Bad Münstereifel (8. Jahrhundert: „Ibernesheim“; Mürkens, S. 40-42) vertreten ist. Dem Hofnamen und den beiden Ortsnamen liegt also ein Rufname zugrunde, der auf das altsächsische Wort „evur“ – Eber (vgl. z.B. Eberhard etc.), hier in der umgelauteten Form Ibor, Ibur, Iburin – zurückgeht. Der Ibershoff war also das „Gehöft des Ibur(in)“ (ebd.).

Quellen und Literatur

  • Leesch, Wolfgang (Bearb.), Schatzungs- und sonstige Höferegister der Grafschaft Tecklenburg 1494 bis 1831, Münster 1974.
  • Mürkens, Gerhard, Die Ortsnamen des Kreises Euskirchen. Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte des Kreises, Euskirchen 1958.
  • Philippi, Friedrich u.a. (Bearb.), Osnabrücker Urkundenbuch, 7 Bde., Osnabrück 1892-1996, Bd. II: Die Urkunden der Jahre 1201-1250, Osnabrück 1896.
  • Schiller, Karl u. Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, 6 Bde., Bremen 1875-1881, Bd. II, Bremen 1876.
  • Schütte, Leopold, Wörter und Sachen aus Westfalen 800 bis 1800, Münster 2007.