
- Kreideküste - Michael Nitzschke
Die Insel Rügen, alljährlich sehr begehrtes Ferienziel zahlreicher Ostseeurlauber, hat bemerkenswerte landschaftliche und architektonische Schönheiten zu bieten. Neben den bekannten Badeorten und verträumten Fischerdörfern, Schlössern und Parks sind es die Nationalparks, die den besonderen Reiz Rügens ausmachen. Empfehlenswert ist auch ein Ausflug zur Insel Hiddensee, die nur wenige Kilometer vor Rügens Westküste liegt.
Der Nationalpark Jasmund, Schutzgebiet für Landschaft, Flora und Fauna
Der Nationalpark Jasmund ist Deutschlands kleinstes Schutzgebiet, aber eines der interessantesten. Seit 1929 ist hier die Natur besonders geschützt und nachdem 1990 weitere Gebiete dazukamen, sind es heute knapp 30 Quadratkilometer, in denen sich Pflanzen, Tiere und Landschaft weitgehend ursprünglich und ungestört entwickeln können.
In der heutigen Umwelt, die durch immer mehr Industrialisierung und Landwirtschaft geprägt ist, sind solche Oasen relativ im Urzustand belassener Natur ein wichtiger Faktor zur Erholung und Entspannung.
Der Park im Nordosten Rügens lockt mit dichten Buchenwäldern, Mooren, interessanten Strandlandschaften und natürlich mit dem Wahrzeichen, der Steilküste mit den weiß leuchtenden Kreidefelsen.
Stubbenkammer, Königsstuhl und Wissower Klinken
Es ist wohl eines der bekanntesten Landschaftsbilder, das Gemälde „Kreidefelsen auf Rügen“ des Malers der Deutschen Romantik Caspar David Friedrich. Das Bild ließ die Wissower Klinken weltbekannt werden und trug dazu bei, dass Rügen mit seiner wildromantischen Landschaft eines der beliebtesten Ferienziele wurde.
Auf unzähligen Fotos, Postkarten und in Bildbänden sind die bizarren Kreideformationen festgehalten. Leider findet der Besucher diese Stelle heute nicht mehr so vor. Das Meer hat wieder seinen Tribut verlangt, etwa 50.000 Kubikmeter Kreidefelsen stürzten 2005 auf den Strand und veränderten diesen Abschnitt unwiederbringlich.
Für den bekanntesten und auch höchsten Kreidefelsen, den Königsstuhl, besteht diese Gefahr vorerst nicht. Er thront weiterhin über der Steilküste und gilt als der meistbesuchte Ort Rügens. Von einer Plattform in 120 Meter Höhe hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Ostsee und den Strand.
Die Bezeichnung Stubbenkammer entstammt dem Slawischen und bedeutet etwa „Stufenfels“. Das wird verständlich, wenn man die bizarren Felsformen mit den vom Wasser ausgehöhlten tiefen Furchen sieht. Dieser rund 120 Meter hohe Abschnitt der Kreidesteilküste verändert seinen Anblick innerhalb kurzer Zeiträume durch die Stürme und die Wucht der Wellen.
Wanderungen im Nationalpark Jasmund auf Rügen
Die Möglichkeiten zu interessanten Wanderungen im Naturschutzgebiet sind vielfältig. Waldspaziergänge durch das Gebiet mit dem größten zusammenhängenden Buchenbestand an der Ostseeküste sind sehr reizvoll. Doch es gibt hier nicht nur Buchen, auch Ahorn, Ulmen und Eiben, Wildpflanzen und sogar Orchideen gehören zur Vegetation. Natürlich befindet man sich im Naturschutzgebiet, ein Verlassen der Wege oder etwa gar das Mitnehmen von Pflanzen ist streng verboten. Das Wegenetz ist aber sehr umfangreich, so dass genügend Wanderstrecken vorhanden sind.
Sehr empfehlenswert ist auch eine Strandwanderung entlang der Steilküste. Allerdings sollte man vorher den Wetterbericht und die entsprechenden Nachrichten hören, da besonders nach Stürmen und langen Regenperioden die Gefahr besteht, dass Abschnitte der Steilküste abbrechen. Das ist in letzter Zeit öfter passiert.
Alternativ dazu kann man auch den Hochweg laufen, von dem man eine sehr schöne Aussicht auf den Strand und die Ostsee hat.
Den beste Blick zu den Kreidefelsen und dem steilen Ufer mit den bizarren Formen erlebt man jedoch auf einer Bootstour von Sassnitz entlang der Küste bis zum Königsstuhl und retour.
