Der Nationalpark Unteres Odertal

An der Oder - Harald Rossa
An der Oder - Harald Rossa
Ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet mit großen Auenlandschaften wurde im Unteren Odertal zwischen Oderbruch und Stettin geschaffen.

Der Nationalpark Unteres Odertal wurde 1995 gegründete. Er erstreckt sich über eine von Gletschern während der Eiszeit geformte Flussniederung der Oder. Das geschützte Gebiet im Stromsystem der Unteren Oder mit seinen angrenzenden Seitentälern, Altgewässern, Feuchtwiesen, Hangwäldern und Trockenrasen gehört zu den artenreichsten Lebensräumen in Deutschland. Besondere Bedeutung hat das Schutzgebiet als Durchzugs-, Rast- und Überwinterungsquartier für zahlreiche Zugvögel. So lassen sich im Frühjahr und Herbst viele Wildgänse, Enten und Kraniche zur Rast hier an der Oder nieder.

Das Schutzgebiet an der Unteren Oder

Der Nationalpark Unteres Odertal erstreckt sich auf der Deutschen Seite entlang der Oder vom Oderbruch von Hohensaaten bis nach Mischerin und Staffelde. Das größte Areal des Parks ist die Insel zwischen der Westoder und der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße bei Schwedt. Der Nationalpark Unteres Odertal nimmt in Deutschland eine Fläche von 10.500 Hektar ein. Um den Nationalpark erstreckt sich auf deutscher Seite das fast 18.000 Hektar großen Landschaftsschutzgebiet Nationalparkregion Unteres Odertal.

Auf der polnischern Seite schließen sich zwei Landschaftsschutzparke an. Der südliche Cedynski Park Krajobrazowy (Landschaftsschutzpark Zehden) hat eine Kernfläche von 30.000 Hektar. Die Kernfläche des Park Krajobrazowy Dolina Dolnej Odry (Landschaftsschutzparkes Unteres Odertal) beträgt 6.000 Hektar. Diese Gebiete liegen vor allem zwischen der West- und der Ostoder und reichen von Cedynia (Zehden) bis vor die Tore von Szczecin (Stettin) und umfassen Teile der Gemeinden Chojna (Königsberg in der Neumark) mit dem „Tal der Liebe“ (Dolina Milosci) und Gryfino (Greifenhagen).

Seit 1992 ist das Gebiet mit seinem zentralen Teil zwischen der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße und dem Oderlauf, einschließlich des angrenzenden Gebietes auf der deutschen Seite und des Zwischenstromlandes zwischen Ost- und Westoder von Widuchowa (Fiddichow) bis zum Skosnica-Kanal (Klützer Querfahrt) auf der polnischen Seite ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet und wird Internationalpark Unteres Odertal genannt. Diese grenzüberschreitende Schutzzone umfasst insgesamt eine Fläche von 1.172 Quadratkilometern und erstreckt sich auf deutscher und auf polnischer Seite über etwa 60 Kilometer an der Oder entlang.

Die Entstehung der Landschaft

Als sich vor über 20.000 Jahren die Gletscher während der großen skandinavischen Inlandvereisung nach Süden vorschoben, da gab es im Bereich des heutigen Unteren Odertals bereits eine Vertiefung mit der Ausrichtung des heutigen Tals. Seine heutige Form erhielt das Untere Odertal dann vor etwa 15.000 Jahren, als sich die Gletscher wieder zurückzogen. Dieser Rückzug des Eises wurde durch etliche Zeiten des Stillstands unterbrochen. In denen bildete das Geschiebematerial der Gletscher mehrere Ketten so genannter Endmoränen. Die sind heute noch als Höhenzüge auf beiden Seiten des Unteren Odertals wahrnehmbar, da sie die flachwellige Grundmoränenlandschaft im Tal deutlich überragen.

Im Nationalpark gibt es die einzige intakte Polder-Landschaft Deutschlands. Nach niederländischem Muster wurde das Flussgebiet großflächig eingedeicht. Hohe Winterdeiche am westlichen Rand des Tals schützen die Orte. Am Flusslauf ziehen sich die Sommerdeiche hin. Die werden immer im November geöffnet. Dann kann das Wasser der Oder bei höheren Wasserständen die ganze Breites des Flusstales einnehmen. Im Winter und im Frühjahr sind daher die Polderwiesen meist geflutet. Der Fluss hat dadurch ausreichend Raum. Für die Hafenstadt Stettin ist damit die Gefährdung durch Hochwasser der Oder recht gering. Nach dem Ende der Frühjahrshochwasser werden die Wehre der Sommerdeiche wieder geschlossen. Das Restwasser in den Poldern wird abgepumpt. So können die die Wiesen bei normalen Wasserständen den Sommer über von den Landwirten genutzt werden.

Fauna und Flora im Nationalpark

Die überschwemmten Wiesen in der Flussaue bieten zahlreichen Zugvögeln Rastmöglichkeiten. Über 100.000 Wildgänse und Enten sowie etwa 10.000 Kraniche nutzen dieses Refugium auf ihren Wanderungen als Zwischenstation.

Zu den Brutvögeln im Nationalpark gehören seltene Wiesenbrüter wie der Wachtelkönig, der Kampfläufer, die Uferschnepfe und der Pirol. Hier sind auch der Eisvogel sowie der sehr selten gewordene Seggenrohrsänger zu sehen. Weißstörche, die auf den Dächern der umliegenden Dörfer brüten, finden in der Flussaue reichlich Nahrung. Und gut versteckt ist hier auch der scheue und sehr seltene Schwarzstorch im Sommer heimisch. Neben den Gästen in der warmen Jahreszeit sind wieder Fischotter, Biber, Wiesenweihe und Seeadler dauerhafte Bewohner des Nationalparks.

Neben den feuchten Poldern gibt es im Nationalpark, vor allem auf den Höhen und an den Hängen am Talrand, auch andere wichtige Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten. Hier gibt es Reste ursprünglicher Wälder, Trockenrasengebiete und es wächst in geschützten Lagen die in Mitteleuropa sehr seltene Flaumeiche.

Aktiv im Nationalpark

Ein wirklicher Geheimtipp für Naturfreunde ist die Oderniederung nicht mehr. Über 200.000 Besucher pro Jahr sind es inzwischen, die als Tagesgäste kommen oder in der Umgebung übernachten.

Durch den Park und am Park entlang führt ein etwa 200 Kilometer langes Netz von über 50 Wanderwegen und Fahrradrouten. Dazu gibt es noch einige Lehrpfade und Aufstiege zu Aussichtspunkten. Die Verwaltung des Nationalparks bietet auch eine ganze Fülle von geführten Exkursionen in den Park an. Ausgangspunkte für Wanderungen durch den Park sind die Stadt Schwedt oder das Nationalparkzentrum im Schwedter Ortsteil Criewen. Oder Cedynia, Ortsteile von Chojna oder Gryfino auf der polnischen Seite.

Der rund 630 Kilometer lange Oder-Neiße-Radweg folgt weitgehend dem Flussläufen von Neiße und Oder. 60 Kilometer dieses Weges führen durch das Nationalparkgebiet. Besondere Naturerlebnisse versprechen geführte Kanutouren durch die Polder des Nationalparks. Und auch Angler können in dieser Landschaft ihrem Hobby nachgehen.

Mehr Information

Nationalparkzentrum, Park 2, D-16303 Schwedt (Oder) Ortsteil Criewen, Fon +49 (0) 3332 26 77-253, Mail Hans-Joerg.Wilke@LUGV.Brandenburg.de

Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal e.V., Schloss Criewen, D-16303 Schwedt Ortsteil Criewen, Fon +49 (0) 3332 21980, Mail nationalparkverein@unteres-odertal.info

Tourismusverein Nationalpark Unteres Odertal e.V., Vierradener Straße 34, D-16303 Schwedt, Fon: +49 (0) 3332 2559-0, Mail touristinfo@unteres-odertal.de