Der Neumondtag als Beginn des jüdischen Monats

Der jüdische Monat beginnt mit dem Neumondtag, auf Hebräisch Rosch-ha-Chodesch. Im Gottesdienst werden Einschübe vorgenommen.

Der Neumondtag bezeichnet im jüdischen Kalender den Beginn eines neuen Monats. Er beginnt wie alle jüdischen Tage mit Eintritt der Abenddämmerung. Wenn der Vormonat dreißig Tage hat, gelten sowohl der letzte Tag des alten als auch der erste Tag des neuen Monats als Neumondtag. Mit dem ersten Tischri, dem Rosch-ha-Schana-Fest (Neujahrsfest) findet an einem Neumondtag ein wichtiger Feiertag statt, für diesen gelten selbstverständlich alle halachischen Regeln für Feiertage sowie dieses Fest ergänzende Vorschriften.

Der Neumondtag als Fest

Die Bibel nennt im 4. Buch Mose den Neumondtag als Feiertag und schreibt ein zusätzliches Opfer vor. Auf Grund dieser Vorschrift erfolgen heute Einschübe in das Achtzehnbittengebet sowie in das Tischgebet. Des Weiteren wird am Neumondtag ein Abschnitt aus der Tora mit einer diesem zugeordneten Haftara (das ist ein Text aus den prophetischen Büchern) gelesen. Wenn der Neumondtag auf einen Schabbat fällt, erfolgt als Lesung die dem Schabbat zugeordnete Parascha, während als Haftara der für den Neumondtag bestimmte Lesung Verwendung findet. Des Weiteren wurde eine besondere Haftara bestimmt, wenn am nächsten Tag Neumond gefeiert wird. Ein weiteres Kennzeichen des Neumondtages ist die Einfügung des Hallel-Gebetes (der Lobpsalmen) in das Morgengebet.

An Feiertagen werden keine Teffilin (Gebetskapseln) getragen. Da der Neumondtag eine Zwischenstellung zwischen einem gewöhnlichen Werktag und einem Feiertag einnimmt, wurde auch hinsichtlich der Gebetskapseln ein Kompromiss gefunden. Diese werden während des Morgengebetes sowie während der Tora-Lesung getragen und vor dem Mussaf-Gebet abgenommen. Das Mussaf-Gebet ist ein zusätzliches Gebet, welches sich am Schabbat, an Feiertagen und an einigen weiteren Tagen an die Tora-Lesung anschließt. Zu den Anregungen für den Neumondtag gehört dessen Begehen als kleinen Versöhnungstag, an welchem jeder Mensch über die Taten des vergangenen Monats nachdenkt. Zu diesem Zweck wurde bereits in talmudischer Zeit ein spezielles Gebet verfasst, welches im persönlichen Gebet verwendet werden kann. In den meisten jüdischen Gemeinden Deutschlands werden Gottesdienste an auf Werktage fallende Neumondtage nicht angeboten.

Ein Arbeitsverbot besteht für den Neumondtag nicht, sofern dieser nicht auf einen Schabbat fällt. Es gibt jedoch in vielen jüdischen Familien eine Tradition, nach welcher die Frau an diesem Tag von der Hausarbeit freigestellt wird und der Mann das Kochen sowie die Reinigung der Wohnung übernimmt. Eine Begründung für die Befreiung der Frauen von der Hausarbeit lautet, dass bei der Sünde mit dem Goldenen Kalb die Frauen ihre Ohrringe und ihren Schmuck im Gegensatz zu den Männern nicht hergaben und sie sich somit einen zusätzlichen regelmäßigen Feiertag verdient haben.

Die Ankündigung des Neumondtages

Am Schabbat vor dem Neumondtag erfolgt dessen feierliche Ankündigung, bei welcher der Vorbeter die Tora-Rolle in der Hand hält. Die meisten Kantoren benutzen für jeden Monat eine eigene Melodie. Üblicherweise nicht angekündigt wird der Neumond des Monats Tischri mit der Begründung, dass diesen ohnehin jeder Gottesdienstbesucher im Blick hat. In der Moderne sind einige Gemeinden dazu übergegangen, auch den Tischri anzukündigen. Das bei der Ankündigung des Neumonds gesprochene Gebet umfasst die Bitte um einen neuen Monat, welcher zum Guten und zu einem sündlosen Leben führt.

Quellen:

Bibel 4. Buch Mose (Numeri) 4, 28ff

Gebetbuch Seder ha Tefillot, Abschnitt Ankündigung des Neumonds

Artikel zum Neumond in Lau, Israel, M; Wie Juden leben, Gütersloh 2005

Erläuterung zum Gebet am Neumondtag auf alef-bet.de

Helmut Agnesson, Helmut Agnesson

Helmut Agnesson - Geboren am 06.04.1960 (09. Nissan 5720). Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel, später Studium der ...

rss