Der Nobelpreis für Literatur 2010 geht an Mario Vargas Llosa

Der Literatur-Nobelpreis geht nach Südamerika - Bildquelle: aboutpixel.de / Bücher © Halina Zaremb
Der Literatur-Nobelpreis geht nach Südamerika - Bildquelle: aboutpixel.de / Bücher © Halina Zaremb
Das schwedische Nobelpreiskomitee hat den Literatur-Nobelpreisträger 2010 verkündet : Mario Vargas Llosa, ein südamerikanischer politischer Schriftsteller.

Mario Vargas Llosa wurde am 28. März 1936 in Arequipa in Südperu geboren und gilt als einer der führenden lateinamerikanischen Romanschreiber. Er ist außerdem als Politiker für die konservativen Liberalen tätig. Sein Vater war der Radiojournalist Ernesto Vargas Maldonado. Seine Kindheit verbrachte er teilweise in Bolivien, bevor er 1946 wieder nach Peru übersiedelte. 1963 veröffentlichte er seinen ersten Roman Die Stadt und die Hunde. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Tante Julia und der Kunstschreiber, Das Fest des Ziegenbocks, Das böse Mädchen und Julia und ihre Liebhaber. Der Schriftsteller zeigte sich überrascht von der Ehrung durch das Nobelpreiskomitee.

Llosa wurde vom Nobelpreiskomitee vor allem wegen seiner "Kartographien von Machtstrukturen und seinen bissigen Bilder von Widerstand, Revolte und Niederlage des Individuums" gerühmt. Am 10. Dezember 2010 erhält er den mit 1.09 Millionen Euro dotierten Preis aus der Hand des Schwedischen Königs. Er ist der erste südamerikanische Literatur-Nobelpreisträger seit fast 30 Jahren. Als letzter Südamerikaner erhielt der Kolumbianer Gabriel Garcia Marquez die begehrte Auszeichnung.

Deutsche Schriftsteller gehörten nicht zu den Favoriten. Im vergangenen Jahr ging der Literatur-Nobelpreis an Herta Müller. Die Berliner Autorin, die ursprünglich aus Rumänien stammt, war die dritte deutschsprachige Preisträgerin nach der Österreicherin Elfriede Jelinek im Jahre 2004 und Günther Grass, der 1999 geehrt wurde. Favoriten waren diesmal der Schwede Tomas Tranströmer, der syrisch-libanesische Schriftsteller Adonis, Ngugi wa Thiong´o aus Kenia und Cormac Mc Carthy aus den USA.

Favoriten für den Literatur-Nobelpreis 2010 gingen leer aus

Tomas Tranströmer: Der schwedische Lyriker wurde am 15. April 1931 in Stockholm geboren. Der Sohn eines Journalisten und einer Lehrerin, wurde nach der Scheidung der Eltern allein von seiner Mutter allein erzogen. Tranströmers enorme Sprachkraft, Intensität und hohe sprachliche Verdichtung machten ihn zum meistübersetzten schwedischen Lyriker in der englischsprachigen Welt des 20. Jahrhunderts. In seinen Gedichten experimentierte er mit gewagten Metaphern und freien Rhythmen und einer Verknappung der Wortwahl, ähnlich den japanischen Haiku-Gedichten.

Adonis: Ali Ahmad Esber ist der Geburtsname des zu den bedeutendsten zeitgenössischen Dichtern des arabischen Sprachraums gehörenden Schriftstellers. Er wurde am 1. Januar 1919 in Quassabin nahe Lattakia in Nordsyrien geboren und gilt als bedeutender Lyriker und Intelektueller in der syrisch-libanesischen Welt. Adonis schreibt im Stil der klassischen arabischen Dichter, die oft keine Tabus kannten und auch kritisch gegenüber der Religion waren. Seit 1985 lebt er in Paris im Exil.

Ngugi wa Thiong´o: Der afrikanische Schriftsteller und Kulturwissenschaftler wurde am 15. Januar 1938 in Kenia geboren und gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller Ostafrikas. Thiong´o ist gläubiger Christ und studierte an der Makerere Universität in Uganda und an der University of Leeds. 1964 veröfentlichte er sein erstes Buch Weep Not, Child. Er lehrte an den Universitäten von Yale, New York und Kalifornien. Bekannt wurde er auch wegen seines Widerstands gegen die britische Kolonialpolitik. 1977 wurde er vom Regime unter Präsident Jomo Kenyatta ins Gefängnis gesteckt und gefoltert. Anfang der 80er Jahre fand er in Groß-Britanien Asyl und lebt heute in den USA. Thiong´o veröffentlichte vorwiegend in seiner Muttersprache, dem Kikuyu. Seine Werke wurden ins Englische und zahlreiche weitere Sprachen übersetzt.

Cormac Mc Carthy: Der US-amerikanischer Buchautor, der eigentlich Charles Mc Carthy heißt, wurde der mit dem Pulitzer-Preis und dem National Book Award ausgezeichnet. Er wurde am 20. Juli 1933 in Rhode Island geboren. Sein erster Roman The Orchard Keeper erschien im Jahre 1965. In Deutschland erschienene Romane sind Draußen im Dunkeln, Verlorene, Die Abendröte im Westen, All die schönen Pferde, Land der Freien, Grenzgänger, Kein Land für alte Männer und Die Straße. McCarthy lebt heute mit seiner dritten Frau zurückgezogen in New Mexico.

Die letzten Literatur-Nobelpreisträger waren:

  • 2009: Herta Müller
  • 2008: Jean-Marie Gustave Le Clezio
  • 2007: Doris Lessing
  • 2006: Orhan Pamuk
  • 2005: Harold Pinter
  • 2004: Elfriede Jelinek
  • 2003: J. M. Coetzee
  • 2002: Imre Kertsz
  • 2001: V. S. Naipaul

Der jüngste Gewinner und die älteste Preisträgerin kamen jeweils aus Großbritannien. Rudyard Kipling erhielt 1907 den Preis. Der Autor des "Dschungelbuches" war damals 41 Jahre alt. Doris Lessing bekam erst im Alter von 88 Jahren die begehrte Auszeichnung.

Gisa van Lingen, Bild: Fotogen

Gisa van Lingen - Worüber schreibt eine Technische Redakteurin, wenn sie schreiben darf worüber sie will? Über alles andere als Technik. ...

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