Der Nobelpreis für Literatur

Alfred Nobels Erbe ist der prestigereichste Literaturpreis der Welt

Lesend leben - Linda Werner
Lesend leben - Linda Werner
Elfriede Jelinek, Günter Grass, Orhan Pamuk, Thomas Mann, Ernest Hemingway, Doris Lessing und viele mehr sind Empfänger der höchsten literarischen Anerkennung.

Hoch dotiert und heiß begehrt - der Nobelpreis für Literatur hat das größte Renommee der literarischen Welt inne. Die Auszeichnung wurde von Alfred Nobel ins Leben gerufen.

Nobel, der Erfinder des Sprengstoffs Dynamit, wurde 1833 in Stockholm geboren und in St. Petersburg aufgezogen. Er hatte eine Vorliebe für Literatur, wurde aber auf Wunsch seines Vaters Chemiker. Seine Erfindungen brachten ihm 355 Patente bis zum Tod im Jahr 1896 ein. Da er unverheiratet und kinderlos blieb, setzte Alfred Nobel in seinem Testament fest, dass von seinem Vermögen eine Stiftung gegründet werden solle. 31,2 Millionen Schwedische Kronen standen zur Verfügung, aus deren Zinsen sich die Dotierung des Nobelpreises nähren solle. Aber nicht nur auf dem Gebiet der Literatur müsse es jedes Jahr einen Würdenträger geben, sondern auch in den Bereichen Physik, Chemie, Medizin und Wirtschaft.

Vier Jahre nach dem Tod des Wohltäters, im Jahr 1900, wurde die Nobel-Stiftung gegründet. Der Nobelpreis für Literatur wird seit 1901 jedes Jahr vergeben, mit der Ausnahme von 1914, 1918, 1935 und in vier Jahren während des 2. Weltkrieges.

"Der Menschheit den größten Nutzen"

Verantwortlich für die Vergabe des Literaturnobelpreises sei die Schwedische Akademie der Wissenschaften. Der Preis solle demjenigen Schriftsteller zukommen, der "der Menschheit den größten Nutzen erwiesen habe". Ein Komitee aus drei bis fünf Personen hat ein Gutachten zu erstellen. Der Ausschuss setzt sich wiederum zusammen aus Schriftstellern und Wissenschaftlern aus dem auf Lebenszeit gewählten 18-köpfigen Stamm der Schwedischen Akademie. Ausgezeichnet werden soll nicht ein einzelnes literarisches Stück, sondern die Leistung eines ganzen Werkes, ohne Rücksicht auf jedwede Nationalität. Im Mittelpunkt stehe dabei der Idealismus eines Autors oder Werkes.

Kontroverse

Da Alfred Nobel in seinem Testament keine genauen Angaben verzeichnete, was er unter dem Wort "Idealismus" verstehe, variieren die Interpretationen des Nachlasses entsprechend häufig. So hat jede Epoche ihre eigenen Entscheidungskriterien bei der Wahl des Preisträgers. Ein Vorwurf, der sich dabei wiederholt, ist, dass die jährliche Entscheidung der Schwedischen Akademie politisch motiviert sei. Hintergrund dafür: Zu oft schon wurden Autoren wegen ihrer Publizität aus (gesellschafts-)politischem Engagement statt aus ihrem literarischen Werk heraus geehrt.

Es gibt noch weitere Kritikpunkte an der Vergabe des Literaturnobelpreises, die dessen Bedeutung schmälern. Das Komitee sei rückständig unveränderlich in seinem Literaturgeschmack, was auf das hohe Durchschnittsalter der Jurymitglieder -selten jünger als 70 Jahre- zurückgeführt wird. Erst als 2004 die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek geehrt wurde, sah man das als willkommenen Modernitätsschub an.

Der Schwedischen Akademie wurde außerdem vorgeworfen, dass die Mehrheit der Ausgezeichneten bis ins späte 20. Jahrhundert hauptsächlich aus dem nord- und mitteleuropäischen Raum stammte. Die Erklärung dieser einseitigen Bevorzugung ergibt sich wohl aus der Tatsache, dass das Komitee ausnahmslos aus Skandinaviern zusammengesetzt ist. Erst in den letzten Jahrzehnten werden vermehrt außereuropäische Meister der Literatur gewürdigt.

Preisgeld

Der Nobelpreis für Literatur ist mit 10 Millionen Schwedischen Kronen (derzeit circa 1,1 Millionen Euro) dotiert. Das war nicht immer so. Der erste Ausgezeichnete, Sully Prudhomme, erhielt 1901 lediglich die Summe von 150 782 Schwedischen Kronen. Die Fluktuation des Preisgeldes schwankt, obwohl in den letzten sieben Jahren stabil. Den niedrigsten Wert hatte der Preis 1923 als William Butler Yeats geehrt wurde: 114 935 SEK.

Zeremonie

Die Zeremonie der Nobelpreisvergabe dauert jedes Jahr mehrere Tage und findet in Stockholm statt. Am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, überreicht der schwedische König die Preise in den Kategorien Wirtschaft, Chemie, Physik, Medizin und Literatur. Diese bestehen aus einer Nobelmedaille, einem persönlichen Diplom und dem festgesetzten Preisgeld. Feierlich begleitet wird die Zeremonie von den jeweiligen Reden der Nobelpreisträger.

Ausgezeichnete der letzten Jahre

2011 - Tomas Tranströmer

2010 - Mario Vargas Llosa

2009 - Herta Müller

2008 - Jean-Marie Gustave Le Clézio

2007 - Doris Lessing

2006 - Orhan Pamuk

2005 - Harold Pinter

2004 - Elfriede Jelinek

2003 - J. M. Coetzee

2002 - Imre Kertész

2001 - V. S. Naipaul

2000 - Gao Xingjian

1999 - Günter Grass

Caroline Stern, (c)

Caroline Stern - Veröffentlichungen u. a. in: People Management, Time Out London und auf: morgenpost.de, stern.de, welt.de. Aufgewachsen in Plauen ...

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