Der Oberkasseler Mensch - 14.000 Jahre alt

Schädelansichten - Museum
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Es waren aufsehenerregende Funde vor fast 100 Jahren am Rande des rechtsrheinischen Stadtteils. Heute im Rheinischen Landesmuseum zu besichtigen.

Im Bonner Vorort Oberkassel, an der rechten Rheinseite – der „Schääl Sick“ – gelegen, lebt es sich auch heute noch beschaulich. Die lebhaften Bonner Hauptstadtzeiten hat der Ortsteil gut überstanden. Die Durchgangsstraße nach Königswinter, folgerichtig „Königswinterer Straße“ genannt, ist wieder Dorfstraße geworden. Wer den Stadtteil aus Richtung Bonn besucht, sieht linkerhand einen Höhenzug, Ennert genannt, gebildet aus Basaltblöcken. Dort, man sieht die Spuren und den Abraum noch heute, waren über Jahrhunderte große Steinbrüche. Und hier gab es vor fast 100 Jahren einen aufsehenerregenden Fund: Hier wurden zwei etwa 14.000 Jahre alte menschliche Skelette gefunden – die Oberkasseler Menschen.

Skelette eines Mannes und einer Frau

Beim Schuttabfahren im Steinbruch „Am Stingenberg“ fanden Arbeiter Anfang des Jahres 1914 Knochen, die unschwer als menschliche Überreste zu identifizieren waren. Die Gebeine waren rötlich verfärbt, die Knochen in gutem Zustand, zwei Schädel fast unversehrt. Der Steinbruchbesitzer meldete den Fund sofort der Bonner Universität. Die untersuchenden Wissenschaftler dachten zunächst an einen Fund aus römischer oder fränkischer Zeit. Aber weit gefehlt: Die Funde – man fand auch die Knochenreste eines Hundes – stammten aus der Späteiszeit, waren etwa 14.000 Jahre alt und zugleich die einzigen Menschenfunde des so genannten Jungpaläolithikums im Rheinland. Die beiden Menschen wurden identifiziert als ein etwa 50 Jahre alter Mann und eine 20 bis 25 Jahre alte Frau. Die Skelette, die Grabbeigaben und ein Teil des dort gefundenen Hundegebisses gehören heute zum Bestand des Rheinischen Landesmuseums Bonn.

Handwerkszeug und Schmuckstücke

Es war ein purer Zufall, dass die Skelette gefunden wurden. Die Fundstelle lag am Fuße eines Steilabsturzes in einer Höhe von 99 Metern über dem Meeresspiegel. Dieser Steilabsturz befand sich vor dem eigentlichen Steinbruch; er sollte beseitigt werden. Die Arbeiter hatten die Knochenreste provisorisch in eine leere Sprengstoffkiste gelegt. Sie wurden sortiert und später von einem Physiologen, einem Anatomen und einem Geographen der Universität untersucht. Sie hatten bald ein Indiz dafür, dass die menschlichen Überreste älter waren, als zunächst angenommen: Eine Beigabe, zunächst als „Haarpfeil“ identifiziert, entpuppte sich bald als ein Knochenwerkzeug, wie es in der ausgehenden Eiszeit als Glätter oder Schaber von Fellen benutzt worden war. Kein Schmuckstück für das Haar der Frau also, sondern Handwerkszeug der Jäger. Aber Schmuckstücke fanden sich auch noch: Zwei handgeschnitzte Knochen – eine Tierfigur und ein Stab mit einem geschnitzten Tierkopf.

Ein steinerner Brunnen zur Erinnerung

An den Fund, an das Doppelgrab in Bonn-Oberkassel, erinnert heute ein steinerner Brunnen mit einer Skulptur, die einen Steinzeitmenschen darstellt, der auf einem erlegten Bären hockt. Einwandfrei ist diese Darstellung allerdings nicht. Als der Bildhauer Volker Eichler den Brunnen im Jahr 1953 gestaltete, wurde der „Oberkasseler Mensch“ noch allein dargestellt – ohne die Frau an seiner Seite.

Das Foto zeigt den Schädel der Frau und des Mannes, jeweils rechts mit rekonstruierten Gebissen.

Ergänzende Informationen: Heimatverein Bonn-Oberkassel

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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