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Seit einiger Zeit steht im 7. Bezirk in Wien an der Ecke Zieglergasse und Westbahnstraße ein windschiefer Schrank mit durchsichtigen Türen, der vollgestopft mit Büchern ist. Dabei handelt es sich um den offenen Bücherschrank, ein Projekt, das bereits in vielen anderen Städten Anklang gefunden und es nun auch in die österreichische Hauptstadt geschafft hat.
Wie funktioniert der Bücherschrank?
Das Prinzip ist sehr einfach. Man kann, ohne Anmeldung und ohne Kosten, zum Bücherschrank gehen, stöbern und Bücher, die einen ansprechen, mitnehmen. Ebenso kann man ungewollte Bücher hineinstellen oder gegen andere tauschen.
Der Schrank steht schief. Das liegt daran, dass die Türen so automatisch zufallen und die Bücher vor Regen und Witterung geschützt sind. An einer Seite ist ein kleiner Behälter mit Flyern, die kurz und prägnant erklären, was der Bücherschrank ist und auf dem man auch die Internetadresse des Schrankes findet - ja, der Wiener Bücherschrank hat eine eigene Internetpräsenz.
Der Schrank kann von beiden Seiten geöffnet werden, was sehr praktisch ist, wenn - wie so oft - viele Leute gleichzeitig am Stöbern sind. So steht man sich nicht im Weg und jeder kann von einer Seite wühlen so lange das Herz begehrt. Dabei tauchen oft so manche Schätze auf.
Welche Bücher findet man dort?
Grundsätzlich ist der Schrank ziemlich voll. Dabei findet man von ganz alten Büchern über fremdsprachige Werke bis hin zu modernen Bestsellern alles. Neben Stieg Larssons "Verblendung" steht da zum Beispiel Stephenie Meyers Vampirroman "Twilight", dahinter gleich eine alte Ausgabe von "Die Schatzinsel" und etliche Stephen King Romane. Gesehen wurde dort auch schon Schätzings "Der Schwarm", einige Harry Potter Bücher, Hera Lind Romane en masse sowie teilweise wirklich gut erhaltene Hardcover.
Zur Wartung des Bücherschrankes gehört auch, die Bücher mit einem Sticker zu versehen, der davon abhält, sie weiterzuverkaufen. Allerdings haben nur sehr wenige der Bücher bzw. die "Schrankhüter" so einen Sticker, da der Umlauf sehr schnell vonstatten geht und ein Buch meistens nicht länger als eine Woche im Schrank verweilt.
Eine gratis Freiluft-Bibliothek - aber nur noch bis Juni 2010
Das Projekt darf noch bis Juni 2010 weiter laufen. Und danach? Je nach Beliebtheit und Hilfsbereitschaft der Bücherschrank-Fans kann es eventuell verlängert werden. Gefällt Ihnen also diese Idee oder haben Sie selbst schon öfter beim Bücherschrank vorbei geschaut, unterstützen Sie ihn einfach, indem Sie ihn nützen oder sich auch sonst - wie auf der Website beschrieben - nützlich machen, etwa als Bücherschrank-Pate.
Die Idee, Literatur frei zugänglich zu machen, ist in jedem Fall eine sehr schöne und verhilft so manchem dazu, Bücher zu entdecken, sein übervolles Bücherregal zuhause auszumisten und - das passiert sogar sehr oft - mit anderen Interessierten ins Gespräch zu kommen. Der offene Bücherschrank in Wien ist also mehr als nur ein Bücherregal im Freien. Es ist eine Einrichtung, die die Stadt bereichert und hoffentlich noch lange an dieser Straßenecke stehen darf.
