
- In der Agora von Molivos - Wolfgang Reuter
Lesbos (auch: Mytilini) ist die drittgrößte griechische Insel (nach Kreta und Euböa). Sie liegt in der nordöstlichen Ägäis, nur etwa 10 km von der türkischen Küste entfernt. Die Insel ist bergig, immer wieder von Ebenen unterbrochen und wird von zwei mächtigen Bergmassiven geprägt, dem Olympos- und dem Lepetymnos-Massiv. Aufgrund der geografischen Umstände ist Lesbos recht wasserreich und damit vielerorts bewaldet und angenehm grün.
Der Ort Molivos, ein architektonisches Prachtstück
Einfallstor für Lesbos-Reisende ist die Inselhauptstadt Lesbos-City (auch: Mytilini), egal ob die Anreise per Fähre oder Flugzeug erfolgt. Von dort sind es etwa 60 km bis zum malerischen Ort Molivos (auch: Mithimna), gelegen im Nordosten der Insel. Es ist einer der touristischen Anziehungspunkte der Insel. Wer hierher kommt ist aber nicht auf der Suche nach Remmidemmi oder touristischer Animation. Es überwiegen Individualisten und Individualreisende aus verschiedenen Ländern, denen Massentourismus und dessen Folgeerscheinungen ein Gräuel sind. Entsprechend ruhig und entspannt ist die Atmosphäre. Da der Ort über keine nennenswerten Strände verfügt, ist ein Aufenthalt für Familien mit Kindern weniger interessant.
Das ursprüngliche Stadtbild blieb erhalten
Der Ort Molivos, bevölkert von etwa 1.200 Menschen, ist an einem Hügel gelegen, überragt vom Kastro (Burg) aus byzantinischer Zeit. Die Festung diente vor allem zum Schutz vor Piratenüberfällen. Sie wurde unter der genuesischen und türkischen Herrschaft ausgebaut und weiter befestigt. Entlang des Hügels ziehen sich die autofreien malerischen Gassen und Gässchen. Sie sind mit traditionellen, grob behauenen Steinen gepflastert und entsprechend uneben - gutes Schuhwerk ist hier empfohlen. Ständig geht es bergauf oder bergab. Es ist empfehlenswert, sich einfach treiben zu lassen. Auch nach einem Aufenthalt von einer Woche werden die meisten nicht alle Gassen und Steigen erkundet haben. Hauptgasse ist die Agora (Marktplatz). Hier finden sich die meisten Läden und Geschäfte sowie Restaurants. Über weite Strecken ist die Agora von Pflanzenranken überwachsen. Das bietet in den heißen Tagesstunden kühlenden Schatten und sorgt zudem für faszinierende Licht- und Schatteneffekte. Auch ein kleiner Fischereihafen ist vorhanden. Hier finden sich weitere Tavernen.
Molivos ist ein geschütztes Gesamtkunstwerk
Zum ursprünglichen Erscheinungsbild von Molivos gehören die traditionellen Wohnhäuser. Das Untergeschoss wird aus unverputzten Bruchsteinen errichtet, das obere aus verfugten Holzplanken. Es überkragt das untere Geschoss. Hinzu kommen buntbemalte Erker und Holzbalkone. Teilweise sind noch Häuser aus dem 18. Jahrhundert, aus der Zeit der türkischen Herrschaft erhalten.
Die verantwortlichen Behörden erkannten bereits in den 1950er-Jahren, dass der Ort eine Kostbarkeit darstellt und entsprechend schützenswert war. Strenge Bestimmungen wurden erlassen, um das Gesamtkunstwert Molivos zu bewahren. Der ursprüngliche Charakter der Gebäude wurde erhalten, Veränderungen waren nur unter Einhaltung strenger Vorgaben zulässig - und das hat sich gelohnt. Molivos hat sein traditionelles Gesicht gewahrt und damit seinen Wert als touristischen Anziehungspunkt.
