Der Osnabrücker Judenretter im Dritten Reich: Hans Calmeyer

Hans Calmeyer - Hans Calmeyer Initiative e.V. Osnabrück
Hans Calmeyer - Hans Calmeyer Initiative e.V. Osnabrück
Auch Osnabrück brachte einen bedeutenden Widersacher gegen das Nazi-Regime hervor: den Rechtsanwalt Hans Calmeyer. Er rettete zahlreichen Juden das Leben.

Das an Grausamkeit und Menschenverachtung nicht zu überbietende Unrechtsregime des Nationalsozialismus in Deutschland unter Adolf Hitler hatte auch seine Widerstandskämpfer, die sich politisch organisiert wie Kommunisten, Sozialdemokraten oder der Kreisauer Kreis, religiös fundiert wie beispielsweise bei Dietrich Bonhoeffer oder militärisch organisiert wie die Gruppe rund um Graf von Stauffenberg dagegen formierten. Daneben gab es auch noch eine weitere Gruppe jener, die sich gegen die Judenvernichtung widersetzten. Man könnte sie mit dem Bild vom Schaf im Wolfspelz recht gut beschreiben: scheinbar systemkompatible Funktionsträger, die ihre Position dazu nutzten, so vielen Juden und anderen Verfolgten wie möglich das Leben zu retten. Der Talmud sagt, dass „wer auch nur ein Leben rettet, die ganze Welt rettet“. In Yad Vashem wird einer von ihnen in einer Reihe mit wenigen anderen Deutschen als "Gerechter unter den Völkern" geführt: Der Osnabrücker Rechtsanwalt Hans Calmeyer. Nach ihm wurde an der Lotter Straße in Osnabrück der Zusammenlauf von Friedrichstraße, Blumenthal- und Roonstraße in "Hans-Calmeyer-Platz" benannt, denn Hans Calmeyer wohnte lange Zeit in der Friedrichstraße.

Hans Calmeyer – Ein kurzer biografischer Abriss

1903 in Osnabrück geboren, siedelte Hans Calmeyer zehn Jahre später mit seiner Familie nach Gnesen in der Provinz Posen über. Drei Jahre später zog die Familie weiter nach Naumburg. Dort absolvierte er auch sein Abitur. Es schloss sich ein Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg, München und Marburg an, das er 1924 nach Berlin verlagerte, wo er auch beide Staatsexamen ablegte und somit als Volljurist seine Tätigkeit aufnehmen konnte. Zwischenzeitlich hatte Hans Calmeyer Ruth Labusch geheiratet und wurde 1930 Vater eines Sohnes. In diesem Zeitraum war Calmeyer als Staatsanwalt in Halle tätig. Die junge Familie Calmeyer kehrte 1931 nach Osnabrück zurück, wo sich Hans Calmeyer künftig als Rechtsanwalt niederlassen wollte, denn im Jahr darauf tauschte er seinen Beamtenstatus gegen die Selbstständigkeit ein. Allerdings wurde der Anti-Nationalsozialist der ersten Stunde vom argwöhnischen Nazi-Regime aus der Anwaltschaft ausgeschlossen. Zu Beginn des Krieges wurde Hans Calmeyer Soldat und verrichtete einen Teil seines Militärdienstes in den Niederlanden. Im Jahr 1942 wurde Calmeyer schließlich als Jurist in Den Haag für die Verwaltung eingesetzt. In dieser Position war er für die Anmeldepflicht für Juden zuständig. Und diese Position ermöglichte ihm, holländische Juden vor dem Holocaust zu retten.

Hans Calmeyer rettete bis zu 17.000 Juden das Leben

Hans Calmeyer oblag, einer Verordnung des Reichskommissars zufolge, die Einordnung von Juden und Halbjuden. Da er ein überzeugter Gegner der nationalsozialistischen Judenpolitik war, entschied er immer wieder zugunsten niederländischer Juden und damit indirekt über deren weiteres Schicksal. Während Volljuden der Vernichtung übergeben wurden, konnten „arisierte“ Juden per Nachweis vor dem Tode bewahrt werden. Da die Entscheidung darüber, wem aufgrund der "Verordnung 10/41" bei "Zweifelsfällen in der Abstammung" die vollständige Arisierung oder zumindest nur eine "teiljüdische" Abstammung bescheinigt werden konnte, in der Hand Calmeyers lag, war er es, der auf diese Weise etwa 17.000 Menschen das Leben rettete. Nun ist nicht davon auszugehen, dass Calmeyer über so viele Einzelfälle eine Entscheidung treffen konnte. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass die durch Calmeyers Entscheidung Geretteten auch ihren Familienangehörigen einen Schutz boten. Das macht die immense Zahl nachvollziehbar und plausibel. So steht der Osnabrücker Hans Calmeyer als Judenretter in einer Reihe mit anderen berühmten Regime-Widersachern wie Bonhoeffer, Die Weiße Rose, Graf von Stauffenberg und vielen mehr.

Die Hans-Calmeyer-Initiative in Osnabrück

Die Osnabrücker Hans-Calmeyer-Initiative e.V. hat sich die gründliche Forschung über Leben und Wirken Calmeyers ebenso zum Ziel gesetzt wie, dem unbeugsamen Widersacher des Nationalsozialismus ein ehrendes Andenken zu bewahren. Peter Niebaum, der Vorsitzende der Initiative, hat ein fundiertes Buch über das Leben Hans Calmeyers veröffentlicht, das nicht nur einen interessanten Einblick in sein Leben gewährt, sondern auch als Literatur für die Calmeyer-Forschung unverzichtbar ist. Wer sich für das Leben Hans Calmeyers interessiert, findet auf der Homepage der Initiative eine ausführliche Biografie und weitere Literaturempfehlungen.

Literatur:

Niebaum, Peter: Ein Gerechter unter den Völkern: Hans Calmeyer in seiner Zeit (1903-1972). Bramsche: Rasch Verlag 2001 (1. Auflage), Taschenbuch 463 Seiten

Hinweis:

Das im Artikel verwendete Foto von Calmeyer wurde mit freundlicher Genehmigung von der Hans-Calmeyer-Initiative zur Verfügung gestellt.

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