
- Anna Kendall: Der Pfad der Seelen - Blanvalet
Zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich gibt es eine Verbindung: den Pfad der Seelen. Ihn betreten die Menschen, wenn sie sterben. Doch einige wenige Lebende sind in der Lage, ebenfalls den Pfad der Seelen zu betreten – sie können von dort wieder in die Welt zurückkehren. Roger Kilbourne hat diese Gabe. Den Pfad der Seelen zu beschreiten ist ihm jedoch nur möglich, wenn er zuvor Schmerz erleidet. Und dies muss er häufiger als ihm lieb ist, denn sein Onkel – bei dem Roger aufwächst – nutzt seine Fähigkeit aus, um Geld zu verdienen. Roger soll mit den toten Vorfahren von Harthas Kunden sprechen und Botschaften für diese aus dem Reich der Toten mitbringen. Doch die Gier von Hartha wird eines Tages zu groß, und die Ereignisse verschlagen Roger in die Hauptstadt des Königinnenreichs, in der er in die Intrige zwischen zwei Königinnen verwickelt wird.
„Der Pfad der Seelen“ – Debütroman von Anna Kendall
„Der Pfad der Seelen“ ist die erste Buchveröffentlichung von Anna Kendall. Kendall, die in Irland aufgewachsen ist, seit einigen Jahren jedoch in den USA lebt, erzählt die Geschichte aus der Perspektive des Jugendlichen Roger Kilbourne. Durch die Wahl des Ich-Erzählers bekommen Leser einen guten Einblick in die Gedankenwelt des jungen Wanderers zwischen den Welten. In die Gefühlswelt Rogers einzutauchen fällt hingegen schwerer. Seine Schwärmerei für die Hofdame Cecilia ist nur bedingt nachzuvollziehen, vor allem nicht, warum er bereit ist, für sie den Pfad der Seelen zu betreten. Eine Anziehung wie zwischen Orpheus und Eurydike gibt es bei den Beiden jedenfalls nicht. Ebenso bleiben Rogers Gefühlsschwankungen in Bezug auf Maggie das Küchenmädchen ohne Erklärung, sodass deutlich wird: Die Figur des Roger Kilbourne ist noch nicht ganz ausgereift.
Anna Kendall folgt dem Trend zu Feuerwaffen in der Fantasy
Originell ist Anna Kendalls Weltenentwurf. Nicht nur sind es die Frauen, die die Königinnenreiche beherrschen und über ihre Töchter vererben. Auch die Stammeskrieger aus fernen Landen, die in den Thronstreit eingreifen, weichen von konventionellen Schilderungen ab, die aus der Historie entlehnt sind. Die Krieger haben Feuerwaffen, sind also dem sich sonst so zivilisiert gebärdenden Volk Rogers technologisch überlegen. Hier folgt Kendall dem Trend vieler Fantasy-Romane, Gewehre, Kanonen und andere Feuerwaffen in die klassische eher ans Mittelalter angelehnte Fantasy zu bringen. Beispiele dafür sind Bücher von William King, Alexey Pehov und Glenda Larke.
„Der Pfad der Seelen“ (Originaltitel „Crossing Over“) ist der Auftakt zur Seelen-Trilogie. Die Übersetzung stammt von Simone Heller, die etwa auch Ken Scholes’ Werke („Sündenfall“, „Lobgesang“) ins Deutsche übertragen hat.
Anna Kendall: Der Pfad der Seelen. Seelen-Trilogie 1. Blanvalet 2011. Broschiertes Taschenbuch, 384 Seiten. Euro 14.
