
- Phaeton Gebrauchtwagen - Auto Müller
Anlässlich der Vorstellung des neuen Volkswagen Phaeton auf der Automesse China 2010 hat der Autor dieses Artikels sich einmal auf dem Gebrauchtwagenmarkt umgesehen, um zu schauen, wie sich das Luxusklassemobil beziehungsweise seine erstausgelieferten Exemplare dort behaupten. Die erste Erkenntnis: Nie war es im Einkauf günstiger, eine Luxuslimousine dieser Klasse zu kaufen. Doch eine zweite Erkenntnis folgte auf den Fuß: Wer nicht aufpasst, wird schneller getäuscht, als er den Namen des Phaeton aussprechen kann. Vor allem kleinere Gebrauchtwagenhändler kennen sich mit dem exklusiven Auto oft nicht aus.
Die Zielsetzung von Volkswagen beim Phaeton
Der Phaeton wurde im Jahr 2002 in den Markt eingeführt. Volkswagen wollte damit der Mercedes S-Klasse Marktanteile streitig machen, aber mit diesem Modell auch unterstreichen, dass man mit der Marke in das Premium-Segment aufsteigen will. Volkswagen-Fahrzeuge sollten grundsätzlich qualitativ in der ersten Liga mitspielen. Keine Frage, dass dies angesichts der Qualität, die ein Golf VI aktuell bietet, auch gelungen ist. Auch der Phaeton hielt, was er versprach: Rückrufaktionen oder schwerwiegende Mängel gab es keine; die Zuverlässigkeit ist trotz der bis zu 70 eingebauten Steuergeräte im Phaeton gut.
Gebrauchte Phaeton gibt es zum Preis eines neuen VW Polo
Aktuell sind gebrauchte Phaeton in jeder Preisklasse zu haben. Die Onlineplattform Mobile.de listet am 24. April 2010 ganze 43 Treffer auf, wenn man im Radius von 200 Kilometern um Düsseldorf herum nach Phaeton mit Benzinmotor und Schiebedach sucht. Die Preise beginnen bei 12.400 Euro für einen blaumetallicfarbenen Phaeton-Sechszylinder mit 3,2 Litern Hubraum, einer Vollausstattung und 121.000 Kilometern auf dem Tacho, die er seit Juli 2004 gesammelt hat. Doch die Ausstattung umfasst kein Holzerweiterungspaket und kein Holzlenkrad, bietet aber Parktronic, Klimaautomatik und alle Luxusextras, die man sich wünscht.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt
Für erst 19.990 Euro und nach einem halben Jahr für 18.990 Euro stand in Düsseldorf ein Phaeton mit der gleichstarken Motorisierung bei Mobile.de zum Verkauf. Unfallfrei, seit seiner Erstzulassung in 2004 nur 41.000 Kilometer gelaufen, mit elektrischer Heckdeckelschließung, Automatik, Allradantrieb und nur einem Halter im Brief. Doch der Wagen war nicht nur relativ teuer, sondern hatte tatsächlich schon 60.500 Kilometer gelaufen, auffällige Nachlackierungen im Bereich des rechten Schwellers, beschädigte Chromleisten am Heckstoßfänger und eine Absplitterung des Holz am Armaturenbrett und einen nicht passenden vorderen Kotflügel.
Als scheckheftgepflegt angegeben, aber zweieinhalb Jahre keine Inspektion gemacht
Der Autohändler, ein Einzelkämpfer mit kleinerem Hof, hatte auch keine Erfahrung mit dem Phaeton. Zu den aufleuchtenden und aktiv bleibenden Warnleuchten im Instrumententräger sagte er nur, dass man diese löschen könne. Die Servoschließung würde auch nicht funktionieren. Tat sie aber doch. Dass der Kotflügel vorne rechts oben an der A-Säule einen Fingerbreit nach außen stand und das Spaltmaß der Motorhaube nicht passte, wollte er nicht gesehen haben. Dass die untere Kante der Tür nicht bündig mit dem Schweller abschloss, sondern einen Zentimeter nach außen stand, war ihm angeblich neu. Der angeblich unfallfreie Wagen soll von einem VW-Händler stammen.
Das Angebot bei einem Volkswagen-Händler
Beim größten Händler der Region Düsseldorf steht so ein Auto nicht. Aber auch dort dominieren die günstigen Angebote. Als ein Schnäppchen darf ein vollausgestatteter Phaeton Zwölfzylinder mit 6.376 Kilometern auf dem Tacho gelten, der mit 61.750 Euro zu weniger als der Hälfte seines einstigen Neupreises zu haben ist und im November 2007 erstzugelassen wurde. Schwarzmetallic, langer Radstand, Automatik, Allradantrieb und Garantie hat der nahezu neuwertige Wagen inklusive. Aus dem gleichen Zeitraum stammt ein schwarzer Dreiliter-Diesel mit Automatik und nur 41.000 Kilometern auf der Uhr, der für rund 28.000 Euro zu haben ist.
Seriöse Zehnzylinder-Diesel sind ab 12.500 Euro zu haben
Um die fünf Jahre junge Phaeton mit dem Achtzylinder-Benzinmotor, die durch ihre massive Konstruktion für die Ewigkeit gebaut zu sein scheinen, kosten alle um die 25.000 Euro; auch die Dieselmodelle sind oft nicht teurer. Die Kilometerstände pendeln dabei rund um 60.000 Kilometer; mal sind auch Ausreißer nach unten dabei. Mehr gelaufen haben dabei die Modelle mit dem Zehnzylinder-Diesel, der aber nur eine gelbe Umweltplakette erhält und durch teure Turboladerreparaturen auffallen kann. Für 9.500 Euro stand in Hanau ein Phaeton V10 TDI mit Vollausstattung und 214.000 Kilometern im Angebot: Der Motor springt nicht an.
Vorsicht: Auch ein günstig erworbenes Luxusauto braucht später mal teure Ersatzteile
Sieben Jahre alteZwölfzylinder kosten ab 13.000 Euro; in dieser Preisklasse liegen auch Phaeton mit dem großen Diesel und Laufleistungen um die 100.000 Kilometer. Für 21.980 Euro gibt es im November 2005 erstzugelassene Phaeton mit Rußpartikelfilter und Dreiliter-Diesel. Um die 25.000 Kilometer gelaufen und nicht älter als zwei Jahre kosten die Phaeton zwischen 45.000 und 50.000 Euro. Wenn man einen Phaeton gebraucht vom seriösen Händler kaufen kann, kann man wegen der zahlreichen Updates, die die Autos erhalten haben, auch einen der preiswerteren, sechsjährigen und meist mit Garantie versehenen Autos erwerben. Eine Alternative zu vollausgestatteten und damit teuren Golf VI sind sie auf jeden Fall. Ganze 1.141 Phaeton listete Mobile.de am Morgen des 26. April 2010 insgesamt auf; eine große Auswahl also, die sich dem Interessenten bietet.
Die Preise für gebrauchte Phaeton werden mit der Vorstellung des facegelifteten Phaeton sicher noch weiter fallen, aber nicht alle Freunde des Wolfsburger Luxusautos können sich für den Neuen erwärmen. Auf dem Treffen des European Phaeton Owners Club im April 2010 ging es hoch her, weil die Fans des Phaeton mit zahlreichen Neuerungen des in Dresden gebauten Autos nicht einverstanden waren.
