Der polnische Fußball vor der EM im eigenen Land

2012 richtet der polnische Fußballverband gemeinsam mit dem der Ukraine die Euro aus. Ein Abriss der Geschichte des polnischen Fußballs und eine Prognose.

Polen wird 2010 zusammen mit der Ukraine die Fußball-Europameisterschaft ausrichten. Anders als in Deutschland genießt die polnische Nationalmannschaft in der Bevölkerung keine allzu hohe Akzeptanz, was auf der Erfolglosigkeit der Mannschaft in den letzten Jahrzehnten beruhen dürfte. Zwischen 1986 und 2002 konnte sich Polens Elf für kein einziges großes Turnier qualifizieren. Für die WM 2002 und die WM 2006 qualifizierte sich das Team zwar, schied jedoch bei beiden Turnieren bereits in der Vorrunde aus. Erstmals qualifizierte sich das Team 2008 für eine EM- Endrunde, jedoch war auch hier bereits die Vorrunde gleich die Endstation.

Internationale Erfolglosigkeit und Korruption im eigenen Verband

Nicht nur der seit längerer Zeit ausbleibende Erfolg, auch immer wieder auftretende Fälle von Korruption und des Verschiebens von Spielen im polnischen Fußballverband PZPN und der einheimischen höchsten Spielklasse Ekstraklasa sorgten für schwindende Akzeptanz, nicht nur in der breiten Bevölkerung, sondern auch bei den bekennenden Fußballfans. In den letzten Jahren kam es aufgrund der Vorfälle zu mehreren Zwangsabstiegen von Mannschaften und zur Suspendierung von Spielern, Funktionären in Vereinen und im Verband. Auch diese Vorfälle zogen – neben des Rückstandes des Partnerlandes Ukraine bei den nötigen Bauarbeiten – mehrfach den Unmut der Uefa nach sich. Mehrfach ist die Ausrichtung des Turniers nachträglich in Gefahr gewesen, und es gab nicht wenige Stimmen in Europa, die die Vergabe des Turniers an die beiden Länder als einen Fehler ansahen.

Auch Gewalt im polnischen Fußball ein großes Problem

Ein weiteres, großes Problem im polnischen Fußball ist die Gewalt in den und abseits der Stadien. Während in anderen Ländern die Gewalt zumindest in den Stadien zurückgegangen ist und sich, falls noch vorhanden, auf Orte abseits der Stadien verlagert hat, gibt es in und um die Stadien in Polen immer noch ein großes Problem der Gewalt unter rivalisierenden Fans bzw. Hooligans. Verband, Vereinen und Polizei wird auch vorgeworfen, dies nicht mit der angemessenen Härte zu bekämpfen.

Die Verkehrsinfrastruktur galt ebenfalls lange als ein großes Sorgenkind im Hinblick auf das Turnier und gilt manchem immer noch als solches. Der reibungslose Transport der Ströme von Fans und Touristen wird gerade im Hinblick auf den immer noch in weiten Teilen veralteten Schienenverkehr als nicht gewährleistet angesehen. Auf der anderen Seite befinden sich die Spielorte jedoch an Verkehrsknotenpunkten, so dass wahrscheinlich am Ende nur etwas mehr Reisezeit zwischen den Spielen eingeplant werden muss.

Sorgen auch bei der Verkehrsinfrastruktur

Es ist bei alldem beileibe nicht so, dass man sich in Polen nicht auf das Ereignis freuen würde. Bei allen Problemen in Verband und Umfeld wird das polnische Team personell auf dem Weg nach oben gesehen. Man sieht durchaus das Potential, bei der EM im eigenen Land eine gute Rolle spielen zu können. Das polnische Team verfügt über junge, talentierte Spieler, die zu einem großen Teil in den besten Ligen Europas spielen und darum einen reichhaltigen, internationalen Erfahrungsschatz mitbringen. Auf der anderen Seite steht die ernüchternde sportliche Bilanz der letzten Jahre, so dass Stimmung und Vorfreude auf das Turnier in Polen zwischen Realismus und Hoffnung schwanken.

Eine Prognose abzugeben, was das Abschneiden des polnischen Teams betrifft, ist in der Tat schwierig und dürfte auch von der Gruppenauslosung, die ja erst noch ansteht, abhängen. Das polnische Team mag zwar sportlich Außenseiter sein, aber einer mit Heimvorteil, und die Elf ist bei weitem nicht chancenlos.

Hermann Griesel, Hermann Griesel

Hermann Griesel - Studium der Geographie, der Soziologie und des Verkehrswesens Abschluss als Diplom- Geograph 2004. Fachliche Interessen und ...

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