Durch Bo, den vierbeinigen Gefährten der Familie des US-Präsidenten Barack Obama seit April 2009, ist er unverhofft weltweit populär geworden: Der Portugiesische Wasserhund, bisher außerhalb seines Heimatlandes eher unbekannt, ist plötzlich in aller Munde. Dabei sind Vertreter dieser in Portugal heimischen Rasse keinesfalls nur Hunde für Individualisten und Kenner, sondern durchaus anpassungsfähige, dabei ausgesprochen quirlige Hausgenossen für Menschen, die bereit sind, auf ihre Eigenheiten und Bedürfnisse einzugehen.
Ein temperamentvoller und eigenwilliger Hund
Der Portugiesische Wasserhund (im Original "Cao de Agua Portugues") wird in der Rasseordnung der FCI (Fédération Cynologique Internationale) in der Gruppe 8 (Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhund) geführt, in einer Sektion unter anderem mit dem italienischen Lagotto Romagnolo und dem American Water Spaniel. Laut FCI-Rassestandard ist er ein "Hund von mittleren Proportionen". Rüden sollen 50 bis 57, Hündinnen 43 bis 52 Zentimeter Schulterhöhe aufweisen. Der Standard beschreibt ihn als eigenwilliges und stolzes Wesen, als sehr temperamentvoll, aber auch als aufmerksam, "außergewöhnlich intelligent", mit freudigem Gehorsam.
Herausragende Eigenschaft ist die ausgeprägte Fähigkeit dieser Hunde zum Schwimmen und Tauchen: In ihrem Ursprungsland waren und sind sie teilweise bis heute Helfer und Gefährten der Fischer. Die entsprechende Geschicklichkeit und Ausdauer wurden über Jahrhunderte zuchtlich gefestigt, ebenso wie das widerstandsfähige, entweder lang gewellte oder kurz gelockte Fell.
Rassetypisch ist die Schur des Hinterteiles
Auffällig und rassetypisch ist die Schur des Hinterteiles, die beim Schwimmen für optimale Beweglichkeit sorgen soll; das dichte Haarkleid an der vorderen Körperhälfte dagegen schützt die inneren Organe im kalten Wasser. Laut Rassestandard gibt es Portugiesische Wasserhunde in den Farben schwarz, weiß oder braun sowie mehrfarbig.
Außerhalb ihrer südeuropäischen Heimat sind wahrscheinlich die schwarzen Rassevertreter mit weißen Abzeichen, häufig an der Brust, am bekanntesten. So wie Bo, der amerikanische "First Dog" (etwa: "erster", also "anführender Hund", ein Begriff, der abgeleitet ist aus der gängigen Bezeichnung der Präsidentenfrau als "First Lady"). Er stammt Medienberichten zufolge aus der Zucht des demokratischen US-Senators Edward Kennedy. Aber auch in Deutschland gibt es einige, wenn auch wenige Zuchtstätten.
Vom Arbeitstier zum Haus- und Familienhund
Dabei eignen sich die ursprünglichen Arbeitstiere nach Überzeugung ihrer Fans durchaus, bei entsprechender Haltung und richtigem Umgang, als Familienmitglieder. Kynologen ziehen Parallelen zum Pudel, ebenfalls ursprünglich ein Wasserhund, der aber in der FCI-Ordnung in der Gruppe 9 (Gesellschafts- und Begleithunde) geführt wird.
Freunde der urtümlichen Rasse und Tierschützer warnen aber bereits vor dem möglichen Schicksal des Portugiesischen Wasserhundes als "Modetier", wie es beim Deutschen Tierschutzbund heißt. Aus der Vergangenheit gebe es einige Beispiele für eine medienbedingte plötzliche Popularität und einen darauf folgenden "Massenansturm" auf eine bestimmte Rasse, etwa durch den Film "101 Dalmatiner". Mit oft traurigem Ausgang: Nicht wenige dieser "Modehunde" landeten im Tierheim, weil ihre Halter ihrer überdrüssig werden oder mit der Erziehung überfordert sind. Wie bei jeder Entscheidung für einen vierbeinigen Begleiter sollten sich Interessenten darum vorab ausgiebig über die Eigenschaften und Bedürfnisse der Rasse informieren.
