Der Prager Zoo, einer der schönsten Tierparks Europas

Seltene Zoobewohner: Gaviale im Prager Zoo - FxReid
Seltene Zoobewohner: Gaviale im Prager Zoo - FxReid
Ein Ausflug in den Zoo der tschechischen Hauptstadt Prag: Ein Besuchermagnet mit ungewöhnlichem Tierbestand und modernen Präsentations-Konzepten.

Der Prager Zoo gilt als einer der schönsten Tierparks Europas, und das nicht nur wegen seiner reichen Artenvielfalt an seltenen, vom Aussterben bedrohten Tieren und seiner landschaftlich reizvollen Anlage unmittelbar in einer Flussbiegungen der Moldau. Auch die Gestaltung der Gehege, der Besucher-Areale und die Tierpräsentation selbst ist durchaus durchdacht und modern: Viele Zäune, Brücken, Picknickplätze und Wege sind aus Holz, Stein und anderen naturbelassenen Materialien gestaltet und liebevoll bepflanzt. Außerdem kann man einigen Tierarten für Zoos ungewöhnlich nahe kommen. Und auch die natürlichen Gegebenheiten des Moldau-Tals sind in der Architektur der Gehege aufgenommen worden, die sich nach Nordwesten hin an einen steilen Felshang schmiegen.

Die Große Flutkatastrophe der Moldau 2002 im Prager Zoo

Die idyllische Lage des Prager Zoos unmittelbar am Ufer der Moldau, nur wenige Kilometer nordwestlich der berühmten Prager Altstadt, wurde vielen der tierischen Bewohner im August 2002 zum Verhängnis, als der Fluss einen Pegel von zehn Metern über dem üblichen Wasserstand erreichte und die Hälfte des Zooareales überflutete. Über Tausend der vom Hochwasser bedrohten Zootiere konnten teilweise in letzter Minute gerettet werden, doch für einige Bewohner der auf der unteren südöstlichen Ebene gelegenen Habitate kam die Hilfe zu spät, unter ihnen ein asiatischer Elefant, ein Flachland-Gorilla, Nilpferde, zahlreiche Vögel sowie der südafrikanischer Seelöwe Gaston – der sich zwar befreien und als geübter Schwimmer bis in die Elbe bei Wittenberg in Sachsen-Anhalt fliehen konnte, seinen Rücktransport aber stressbedingt nicht überlebte. Ställe wurden davongespült, ein Großteil der Gebäude und Einrichtungen komplett zerstört oder so stark beschädigt, dass ein Wiederaufbau nicht möglich schien. Doch die Flutkatastrophe 2002, deren Auswirkungen fast das Ende des Prager Zoos bedeutet hätten, hatte auch positive Folgen. Dazu sind sicher die mit Spendengeldern neu errichteten, modernen Einrichtungen zu zählen, die einen Besuch des Tierparks zu einem ungewöhnlichen Erlebnis machen.

Das Konzept der Nähe von Bewohner und Besucher im Zoo der tschechischen Hauptstadt

Besonders auffällig wird das ungewöhnliche Konzept der Nähe von Bewohner und Besucher nicht nur im Streichelzoo, wo Ziegen, Schafe, Alpacas und Kleinnager hausen. Sondern auch im Gorilla-Pavillon, wo weder Gitter noch Gräben die stattlichen Primaten von den weniger Behaarten trennen. Lediglich eine Panzerglasscheibe, die von beiden Seiten berührt werden kann, sorgt für die Artentrennung. Noch enger bis hautnah wird der Kontakt unter der modernen Kuppel des indonesischen Dschungels, wo nicht nur Orang Utans durch das dichte Grün schwingen, sondern auch die Flughunde dem Besucher ihre Fledermausschwingen unmittelbar um die Köpfe segeln lassen. Doch nicht jeder ist von den hektischen Flugakrobaten angetan, wenn sie sich im Sturzflug aus dem verdunkelten Tunnel mit ihrem offenen Gehege schwingen. Dort warten noch andere, nachtaktive Pelzträger mit zweifelhaften Ruf wie die australischen Possums und großäugige Koboldmakis, allerdings hinter Glas. Hinter dem Eisbärenfelsen mit bester Aussicht über die Prager Innenstadt jenseits der Moldau befindet sich ein Afrika-Haus, dass zahlreiche ungewöhnliche Wüstenbewohner beherbergt: von afrikanischen Riesenkakerlaken über australische Bushbabies bis zu verschlafenen Wüstenfüchsen.

Spezialitäten des Prager Zoos: Przewalski-Pferde, Ganges-Gaviale und Geier

Auch hier zeigt sich wieder die ungewöhnliche Präsentation und Mischung der Tiere in Terrarien und Gehegen. Damit es beispielsweise im Gehege der Faultiere nicht allzu langweilig wird, sind die quirligen Rothand-Tamarine hier Untermieter. Doch neben dem Bewusstsein für andere Lebewesen und die Unterhaltung durch die Tierbeschau übernehmen moderne Zoos noch weitere Aufgaben der Arterhaltung und Zucht. So bietet der Prager Zoo die einzigartige Möglichkeit, die in freier Wildbahn fast ausgestorbenen indischen Gaviale bei ihren amphibischen Tätigkeiten zu beobachten – zu denen scheinbar auch gehört, der einen oder anderen Wasserschildkröte als krokolederne Gymnastikmatte zu dienen. Gleich gegenüber den betagten Riesenschildkröten, deren Schilde ebenfalls von Flughunden umkreist werden, sammeln scharfzüngige Komodovarane giftigen Speichel für die nächste Mahlzeit. Doch nicht nur die Populationen rot gelisteter Arten wie das nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Zoos nahezu ausgestorbene Przewalski-Pferd konnten durch behutsame Zuchterfolge stabilisiert werden. Im Prager Zoo finden auch weniger beachtete Arten einen Lebensraum, beispielsweise fast so viele beeindruckende Greifvögel vom Format eines Mönchsgeiers oder Seeadlers, wie sie in vergoldeter oder heraldischer Form auf Dächern und Fassaden der repräsentativen Altstadt-Bauten Prags vorkommen.

Weitere Argumente für den Besuch des Prager Zoos: Eintritt und Öffnungszeiten

Der Prager Zoo bietet mit seiner naturnahen Parkanlage und dem reichhaltigen Grün inklusive frischer Bambuspflanzungen einen reizvollen Kontrast zu all den prachtvoll gereiften Steinen der Altstadt und kann eine Städtereise in die Tschechische Metropole Prag durchaus bereichern. Vom Námesti Republiky aus nimmt man vorzugsweise die Straßenbahn Tram 14 bis zur Station Trojská jenseits der Moldau, von wo der Bus 112 direkt den Haupteingang des Zoos anfährt. Die Fahrt dauert insgesamt etwa 20 Minuten und kostet für Erwachsene 26 CZK (etwas über einen Euro). Der Prager Zoo hat ganzjährig ab 9 Uhr geöffnet und schließt im Sommer um 19 Uhr, in den Wintermonaten allerdings schon um 16 beziehungsweise 17 Uhr. Ein Tagesticket für einen Erwachsenen kostet 150 CZK (rund 6,20 Euro) und ist damit im internationalen Vergleich durchaus günstig. Rentner über 70 Jahre zahlen nur eine symbolische tschechische Krone für den Eintritt. Zweifellos ist der Prager Zoo einen Besuch wert – durchaus auch im Winter, denn sowohl Prag wie Zoo haben ganzjährig eine Menge zu bieten.

FxReid Ständiger Autor Australien&Ozeanien-Reisen, © FxReid

Felix Reid - Ständiger Autor im Ressort Australien- & Ozeanien-Reisen; Freier Autor für unterhaltsame Golfsport-Beiträge; Ghostwriter ...

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