Der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm

Der spätere Soldatenkönig bereitet sich auf seine Regentschaft vor

Kronprinz Friedrich Wilhelm um 1705  - Autor unbekannt - wikipedia.de
Kronprinz Friedrich Wilhelm um 1705 - Autor unbekannt - wikipedia.de
Er engagierte sich und übernahm früh Aufgaben. Als Gutsherr lernte er regieren und wirtschaften. Als Soldat kämpfte er im Spanischen Erbfolgekrieg.

Seit 1704 war Friedrich Wilhelm offizieller Thronfolger des Königs in Preußen. Auf seinem Gut Wusterhausen erprobte er die Regierungskunst. Im Spanischen Erbfolgekrieg sammelte er militärische Erfahrung und gewann einen wichtigen Freund, den Alten Dessauer. Und seine Abneigung gegen das höfische Leben festigte sich. Prinzipien aus den Lehren des Calvinismus und Pietismus wurden für ihn zur Richtschnur seines Handelns.

Mit 16 Jahren wird er zum Thronfolger gekürt

1704 wurde der Kurprinz Friedrich Wilhelm zum 16. Geburtstag für volljährig erklärt und war nun der Kronprinz Preußens. 1704 ließ er das Schloss in Wusterhausen ausbauen. Aus dem Gut Wusterhausen machte er einen Musterbetrieb. Und in der Stadt Wusterhausen probte er die Regierungskunst. 1705 wurde Friedrich Wilhelm zusätzlich Bürgermeister von Charlottenburg.

Im Herbst 1700 und um die Jahreswende 1704/05 ging Friedrich Wilhelm auf Reisen nach Holland. Sein puritanisches Weltbild und seine Vorstellungen von Architektur wurden auf diesen Reisen nachhaltig geprägt. Während seiner Abwesenheit starb seine Mutter Sophie Charlotte.

Friedrich Wilhelm heiratete 1706 Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg

Am 14. Juni 1706 erfolgte seine Verlobung mit Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg. Im Juli 1706 konnte Friedrich Wilhelm erstmalig als Soldat Erfahrungen im Kampf machen. Er nahm am Feldzug in Flandern im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges teil. Am 14. November 1706 folgte in Cölln die Hochzeit mit Sophie Dorothea.

Ende April 1709 brach der Kronprinz zu einem neuerlichen Feldzug im Spanischen Erbfolgekrieg auf. Er befahl für die preußischen Truppen ungewöhnliche und intensive Exerzierübungen, die andere Truppenführer belächelten. Seine Teilnahme an der blutigen Schlacht bei Malplaquet am 11. September 1709 nannte er eine für ihn glückliche Fügung. Auf seinen Feldzügen wuchs eine Freundschaft mit Leopold I. von Anhalt heran. Der gehörte später zu den engsten Beratern Friedrich Wilhelms und wurde der „Alte Dessauer“ genannt.

Die Staatskrise von 1710. Der Kronprinz greift erstmals in die Staatsführung ein

1710 schlitterte der preußische Staat in eine ernste Krise. Eine Ursache war die Pest in Ostpreußen. Kern des Problems war allerdings die Überbeanspruchung der Ressourcen des Staates Preußen. Dies war unter anderem durch die anspruchsvolle Hofhaltung und das umfassende Bauprogramm seine Vaters Friedrich I. bedingt. Und dazu kam die Misswirtschaft des Drei-Grafen-Kabinetts. Als diese untragbar wurde, bewegte der 22-jährige Friedrich Wilhelm seinen Vater zur Einsetzung einer Untersuchungskommission. Die deckte dann korrupte Machenschaften der Kabinettsmitglieder auf, die in der Folge dieser Affäre ihre Ämter verloren.

Im Sommer 1711 reiste König Friedrich I. zu diplomatischen Verhandlungen nach Holland. Der Kronprinz Friedrich Wilhelm blieb als Statthalter in Berlin. Er musste in dieser Zeit die militärische Schwäche Preußens erleben. Truppen des Zaren zogen im Großen Nordischen Krieg durch preußische Lande. Preußen war nicht in der Lage, seine erklärte Neutralität zu wahren, da seine Truppen im Spanischen Erbfolgekrieg weitab der Heimat gebunden waren.

1711 hatte Friedrich Wilhelm erstmals intensiven Kontakt zum Haller Pietismus von August Hermann Francke. Der Pietismus wurde für ihn eine religiöse Basis für sein politisches Handeln. 1713 folgte er seinem Vater und wurde als Friedrich Wilhelm I. König in Preußen.