Der professionelle Umgang mit Unterrichtsstörungen

Bitte Ruhe! - Gerd Altmann  / pixelio.de
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Verschiedene Formen von Unterrichtsstörungen können unterschiedliche Ursachen haben. Dieser Artikel zeigt Möglichkeiten zum Umgang mit Störungen.

Jeder Lehrer träumt vermutlich davon, einmal einen Schultag zu erleben, der völlig ohne Unterrichtsstörungen abläuft. Einen vollständig störungsfreien Unterricht wird es nie geben, denn Unterrichtsstörung unterliegen vielen verschiedenen Faktoren, die nicht komplett ausgeschaltet werden können. Aber es gibt Handlungsstrategien, die dem Lehrer dabei helfen, präventiv gegen solche Störfaktoren anzugehen und im Ernstfall professionell mit diesen umzugehen.

Verschiedene Formen von Unterrichtsstörungen

Unterrichtsstörungen sind definiert durch abweichendes Verhalten, das das Lehren und Lernen im Klassenverband beeinträchtigt. Dies kann sowohl die ganze Klasse betreffen oder nur einzelne Schüler. Es gibt verschiedene Formen von Unterrichtsstörungen, die sich ein Lehrer bewusst machen sollte. So wird der Umgang mit ihnen effektiver. Gustav Keller unterteilt Störungen im Klassenzimmer in folgende Kategorien:

  • Akustische Störungen: hierzu gehören Schwätzen, Handyklingeln, Zwischenrufe
  • Motorische Störungen: beispielsweise Kippeln, Aufstehen, Rumlaufen
  • Aggressionen: dies sind unter anderem verbale Provokationen, Wutausbrüche, Beschädigung von Sachen
  • geistige Abwesenheit: Tagträume, Schlafen, Hausaufgaben für andere Fächer erledigen
  • Verweigerung: Mitarbeitsverweigerung, Zuspätkommen, fehlende Hausaufgaben
  • Verstöße gegen die Hausordnung: wie zum Beispiel Essen oder Trinken.

Diese Störungen gehen (bis auf das Handyklingeln) alle direkt vom Schüler aus. Störungen durch den Lehrer können auf mangelnde Vorbereitung zurückgeführt werden: die Arbeitsblätter sind nicht kopiert oder gelocht; der Folienstift ist unauffindbar und so weiter.

Es gibt aber auch Unterrichtsstörungen, die extern entstehen und für die die Schüler und Lehrer nicht verantwortlich sind. Hierzu gehört zum Beispiel der Baustellenlärm auf der Straße, das Stören des Unterrichts durch den Direktor und Lehrerkollegen oder Lautsprecherdurchsagen. Das Eichhörnchen auf dem Baum kann aber ebenfalls alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Handlungsstrategien bei Unterrichtsstörungen

Wie bereits angedeutet wurde, ist es für einen Lehrer sehr wohl möglich, Störungen, die auf mangelnde Vorbereitung zurück zu führen sind, zu beheben. Schwieriger wird es da schon bei den Störungen durch die Schüler. Je nach Störung, muss ein Lehrer unterschiedlich reagieren:

  • Ist die Störung minimal und wird von den Klassenkameraden nicht beachtet, sollte sich auch der Lehrer nicht aus dem Konzept bringen lassen und das störende Verhalten einfach ignorieren. Geht er auf solch ein Verhalten ein, verstärkt er es möglicherweise.
  • Falls mehrere Schüler in der Klasse unruhig werden und zu kippeln beginnen oder aufstehen, kann man als Lehrer eine kurze Bewegungspause einlegen, im Klassenverband 5 Minuten Gymnastik machen und anschließend mit dem Unterricht fortfahren.
  • Ist jedoch Gefahr im Verzug, beispielsweise bei Wutausbrüchen oder Sachbeschädigung muss der Lehrer sofort direkt und gezielt intervenieren und dem "Störenfried" eine Auszeit verschaffen.
  • Bei mehrmaliger Unterrichtsverweigerung sollten die Eltern unbedingt informiert werden, denn dies kann auf Dauer großen Einfluss auf die Schulleistung haben.
  • Verstöße gegen die Hausordnung können durch klare Regelabsprache samt Strafkatalog innerhalb der Klasse sanktioniert werden.

Externe Störungen sind am schwierigsten zu beheben, wenn überhaupt. Das Eichhörnchen auf dem Baum, das die ganze Aufmerksamkeit für sich beansprucht, könnte spontan zum Unterrichtsgegenstand umfunktioniert werden. Ein Unterrichtsgespräch über Tiere in der Stadt oder das Vorrätesammeln als Vorbereitung auf den Winterschlaf bieten sich an dieser Stelle an. Gegen Baustellenlärm ist man nahezu machtlos. Genügt das Fensterschließen nicht, kann darüber nachgedacht werden, ob es einen Klassenraum zum Ausweichen gibt. Da dies in vielen Fällen nicht möglich sein wird, muss man als Lehrer alle Register ziehen, um die ungeteilte Aufmerksamkeit von seinen Schülern zu bekommen.

In allen Fällen von Unterrichtsstörungen gilt es, die Quelle des Übels ausfindig zu machen und entsprechend darauf zu reagieren. Ausschließen wird man Störungen im Unterricht nie können, aber man kann das Risiko deutlich verringern.

Quellen:

  • Keller, Gustav: Disziplinmanagement in der Schulklasse. Unterrichtsstörungen vorbeugen - Unterrichtsstörungen bewältigen. 2. Aufl. Bern: Huber. 2010.
Sarah Tscholl, Sarah Tscholl

Sarah Tscholl - Unterwegs geboren in Kehl am Rheinaufgewachsen im Schwarzwaldein Highschool-Jahr in Iowa, USA verbrachtzum Lehramtsstudium nach ...

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