Der Radweg "Liebliches Taubertal - Der Klassiker" ab Rothenburg

Rothenburg ob der Tauber, Marktplatz - Judith Weibrecht
Rothenburg ob der Tauber, Marktplatz - Judith Weibrecht
Die Radroute „Liebliches Taubertal - Der Klassiker" wurde vom ADFC mit fünf Sternen ausgezeichnet. Der erste Abschnitt führt von Rothenburg bis Röttingen.

Lieblich ist das Taubertal, herb der Wein, klassisch der Radweg. Die Route „Liebliches Taubertal - Der Klassiker“ wurde vom ADFC als zweite Route überhaupt mit fünf Sternen ausgezeichnet. 2010 wird sie 30 Jahre jung und führt auf 100 Kilometern von Rothenburg ob der Tauber bis Wertheim. Hier wird der erste Abschnitt bis Röttingen vorgestellt. Wer es gerne weiter mag: Auch der Paneuropa-Radweg führt hier durch.

Rothenburg – Eine Zeitmaschine zu Beginn der Radroute durchs Taubertal

Das Taubertal wirbt damit, dass es lieblich ist. Auch Rothenburg darf als lieblich oder romantisch bezeichnet werden. Jedenfalls finden das die vielen Touristen, die sich entzückt durch die Gassen des mittelalterlichen Städtchens mit seinen schönen Auslegern und Aufschriften an den Häusern schieben. Auch vor dem faszinierenden Heiligblut-Retabel von Riemenschneider in der gotischen St. Jakobskirche sitzen jede Menge Gäste und lauschen den Ausführungen der Führerin. Auf dem Marktplatz läutet an der Fassade der ehemaligen Ratstrinkstube eine Kunstuhr. Fenster öffnen sich rechts und links davon und heraus treten Figuren, die den Meistertrunk zeigen: 13 Schoppen Wein soll der Altbürgermeister Nusch einst getrunken haben, um seine Stadt 1631 vor den Truppen des Feldherrn Tilly zu retten. Überhaupt geht es in der Stadt und im gesamten Taubertal um Wein: Bocksbeutel stehen in den Schaufenstern Spalier, Weinkeller locken zur Probe. „Willkommen in unserem Wellnessbereich!“ sagt Albert Thürauf zur Begrüßung im historischen Gewölbekeller des Hotels und Weinguts „Zur Glocke“ am Plönlein und ein rassig leichter Rotling rinnt durch die Kehlen. „Da man im Taubertal Wasser sparen muss, trinken wir an heißen Tagen schon am Morgen Rotling“, erklärt der 47-Jährige. Der Mann hat ganze 120 Rebsorten gepflanzt und weiß, dass man im Mittelalter statt des unreinen Wassers etwa zwei bis drei Liter Wein pro Tag trank. Auch heute noch ist man also dem Mittelalter verpflichtet. Und Herrn Thürauf dauert es entschieden zu lange, bis aus einem Milch- ein Weintrinker wird. Mit dem Wein sei es schließlich möglich, die Landschaft um die Tauber in sich aufzunehmen. Denn: „Die Tauber ist die anmutigste Tochter des Mains.“

Anmutige, wundervolle Tochter

So ist es. Radfahrer folgen der kurven- und schlaufenreichen Tochter vorbei an Wiesen und Rebhängen unter Schatten spendenden Bäumen. Auch in so manchem Ortsnamen steckt sie: Tauberzell und Tauberscheckenbach liegen am Wegesrand und schließlich Creglingen, wo man Tilman Riemenschneiders Bildschnitzerkunst wieder begegnet: In der Herrgottskirche befindet sich der wundervolle Marienaltar, der erst im 19. Jahrhundert wieder entdeckt wurde. Wer wirklich einmal ein Wunder erleben will, der sollte am 25. August hierher kommen. Dann nämlich fällt der Schein der untergehenden Sonne durch ein Fenster auf die Altarfigur der Maria. Es wirkt, als fahre sie vom Licht erhoben gen Himmel.

Glatt asphaltierter Radweg durchs Taubertal

Nach nur zehn Radkilometern auf der durchgängig asphaltierten Route erreicht man Röttingen. Hier ist es das Weinmuseum, das einen schon wieder anhalten lässt. Winzer Engelhardt erklärt, dass dies die steinreichste Gemeinde von ganz Franken sei. „Eine Woche pro Jahr ist Steinlese“, sagt er, denn die müssten schließlich zur Seite geschafft werden, da man sie auf den Rebflächen nicht brauchen kann. Sogenannte aufgeschichtete Steinriegelhänge bilden sie dann. Radfahrer können bei ihm im Hof seines Weinguts sitzen, der direkt am Radweg liegt und bei selbst mitgebrachter Brotzeit Wein verkosten, zum Beispiel saure Zipfel, Bratwürste in Essigsud mit Zwiebeln gekocht, dazu einen Tauberschwarz. Dunkel ist er wirklich, wie der Name schon sagt, und eine alte Sorte, die Engelhardt wieder zum Leben erweckt hat.

Weiter geht es auf der zweiten Etappe des Radwegs durchs liebliche Taubertal von Röttingen nach Distelhausen.

Judith Weibrecht, Judith Weibrecht

Judith Weibrecht - Judith Weibrecht wurde in Fürth/Franken geboren. Schon früh sagte man ihr übertriebene Reiselust nach (angeblich von der ...

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