Der Rasende Roland auf Rügen

Die Rügensche Kleinbahn ist eine Attraktion auf der Ostseeinsel

Der Rasende Roland im Bahnhof von Binz - Uwe Wolfrum
Der Rasende Roland im Bahnhof von Binz - Uwe Wolfrum
Die dampfbetriebene Rügensche Kleinbahn, der Rasende Roland, fährt auf einer malerischen Strecke auf der Insel Rügen von Putbus bis Göhren.

Eine kleine, historische Attraktion auf der Ostseeinsel Rügen ist die dampfbetriebene Rügensche Kleinbahn, der sogenannte Rasende Roland. Auf einer Strecke von 24,4 Kilometern verbinden die historischen Dampflokomotiven, von denen mehrere im Einsatz sind, mit mehreren Personenwaggons u.a. die Orte Altefähr, Putbus, Binz, Sellin, Baabe und Göhren und decken damit die Ostseite der Insel ab.

Für einige Euro kann man ein Ticket an den meisten Bahnhöfen oder direkt beim Zugbegleiter im Zug lösen und sich die malerische Seite der Insel zwischen dichten Wäldern, Hügeln und der Stränden der Ostseeküste anschauen.

Der Rasende Roland - von Binz bis Kap Arkona

Wo man einsteigt und wohin man mit dem Zug fährt, ist eigentlich zweitrangig - Hauptsache, man tut es, wenn man sich auf der Insel befindet. Zum einen dient die Eisenbahn als öffentliches Hauptverkehrsmittel zwischen den populären Ostseebädern um Binz herum bis hoch zur Nordspitze beim Kap Arkona, zum anderen erhält man die Gelegenheit, die faszinierende Natur der Insel kennen zu lernen.

Dazu bekommt man den Flair der Zugreisen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts zu spüren, denn moderner Komfort ist hier fehl am Platz. Stattdessen erklimmt man die erhöhte Waggon-Plattform über eiserne Steigen, nimmt auf harten Holzbänken Platz und verrichtet seine Notdurft in einem kargen Plumpsklo-Separée ohne fließendes Wasser.

Dampflokomotiven-Flair aus dem 20. Jahrhundert auf Rügen

Dafür bekommt man die längst vergessene Atmosphäre dampfbetriebenen Schienenverkehrs geboten, inmitten von immensen Dampfwolken jenseits aller CO2-Emissions-Protokolle, dem lauten Tuten des Signalhorns und der ruckelnden, unbequemen Fahrt des sympathischen Old-School-Bahn mit 750 mm Spurweite. Einzelne Lokomotiven und Waggons sind bis zu 100 Jahre alt, aber immer noch tadellos in Schuss, obwohl sie noch jeden Tag im regen Einsatz sind.

Der erste Streckenabschnitt von Putbus nach Binz, die Hauptstrecke der Route, wurde bereits 1895 eröffnet. Der damalige Betreiber, die Rügensche Kleinbahn-Aktiengesellschaft (RüKB), baute das Streckennetz bis 1918 auf 97,3 Kilometer aus, das u.a. den Bahnhof Altefähr, Stralsund, Göhren, Altenkirchen, Bergen und Kap Arkona miteinander verbunden hat.

Großes Eisenbahn-Streckennetz auf der Insel Rügen

Die Strecke wurde damals sowohl zur Personenbeförderung als auch zum Güterverkehr eingesetzt. Ende der 1960er Jahre wurden die meisten Streckenabschnitte stillgelegt, als die Transporte vermehrt auf den Straßenverkehr übergingen. Inzwischen wird die Bahnstrecke nicht mehr zum Güterverkehr benutzt, sondern dient als reine Touristenattraktion.

Nachdem die Eisenbahnlinie in den letzten 100 Jahren u.a. im Besitz der Deutschen Reichsbahn und der Deutschen Bahn AG war, gehört sie seit 1996 der Rügenschen Kleinbahn GmbH & Co.

Mit dem Rasenden Roland die Natur der Ostseeinsel entdecken

Bis auf einen Unfall am 14. April 2005, als im Bahnhof Binz ein Zug wegen einer falsch gestellten Weiche auf einen anderen Zug aufgefahren ist und dadurch 30 Menschen verletzt wurden, herrscht auf der Bahnlinie Ruhe, Harmonie und ein nostalgisches Fahrgefühl, wenn tausende von internationalen Touristen jährlich die Bahnwaggons für einen Ausflug ans Nordkap, an die Seebäder oder zum Jagdschloss Granitz besteigen.

Als Lokomotiven sind zurzeit u.a. die ehemalige Lok 7 der Mansfelder Bergwerksbahn und eine weitere Lok des Baujahr 1953 in Betrieb. Und spätestens wer das ferne Tuten des Signalhorns und die zischenden Dampfschwaden der alten Stahlrösser auf den Wald- und Wiesenstrecken wahrnimmt, wird sich überlegen, nicht doch mal einen Trip in den alten, hölzernen Bahnwaggons zu unternehmen und Rügen von einer ganz eigenen Seite kennen zu lernen.

Aktuelle Informationen, Fahrpreise und den Fahrplan des Rasenden Roland finden Sie auf der Website der Rügenschen BäderBahn.

Und wer noch mehr über die Ostseeinsel erfahren möchte, sollte sich den interessanten Bilderband "Rügen" von Andreas Küstermann ansehen.

Uwe Wolfrum, Uwe Wolfrum

Uwe Wolfrum - Geboren 1967 in Oberfranken, aufgewachsen in Hessen, gestrandet in Hamburg. Studium der Germanistik, Medienwissenschaften, Anglistik und ...

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