Eine unerreichte Artenvielfalt der Natur offenbart sich. Durch besondere klimatische Bedingungen entwickelte sich ein höchst empfindlicher Stoffkreislauf, der vor der Zerstörung durch den Menschen steht.
Aufbau des Regenwaldes
Typisch für den Tropenwald ist seine Reichhaltigkeit an diversen ökologischen Nischen. Bedingt durch die variierende Wuchshöhe der Pflanzen entstehen stark eingegrenzte Lebensräume, welche ganz spezielle Bedingungen aufweisen. So bevorzugen Insekten zumeist die schattigen, bodennahen Regionen, während Affen und Vögel die lichtdurchfluteten Baumkronen bevorzugen.
Die enorme Vegetation des Regenwaldes ist angesichts der Nährstoffarmut des Bodens erstaunlich. Denn sowohl die hohe Luftfeuchtigkeit, als auch die Wärme ließen den Boden verwittern. Wichtige Mineralien, wie Phosphor und Calcium versanken immer tiefer.
Der daraus resultiernde kurzgeschlossene Stoffkreislauf demonstriert eindrucksvoll das Prinzip der Natur: Nur der Tod von Organismen ermöglicht das Überleben anderer. Nach dem Ableben fördert das humide Klima eine rasche Zersetzung des organischen Materials. Infolge dessen bildet sich ein natürlicher Vorrat von anorganischen Stoffen. Diese wiederum dienen als Grundlage für das Wachstum der Pflanzen. Die ganzjährige Konstanz von Temperatur und Niederschlägen - das sogenannte Tageszeitenklima - ermöglicht den Ablauf des Prozesses im Laufe des gesamten Jahres. Ein ebenso raffiniertes wie empfindliches Ökosystem.
Bedeutung des Regenwalds
Als Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzengattungen sowie Sauerstoffproduzent wird dem Regenwald neben seiner ökologischen Bedeutung weiterhin auch eine große ökonomische beigemessen. Nutzhölzer - zum Beispiel Mahagoni - erzielen zumeist gute Preise auf dem internationalen Rohstoffmarkt. Insbesondere die Witterungsbeständigkeit tropischer Hölzer ist ein Vorteil im Vergleich zu anderen Holzarten. Um an das wertvolle Gehölz zu gelangen, werden jahrhundertealte Bäume binnen weniger Augenblicke gefällt. Oft ist dies die einzige Einnahmequelle der einheimischen Bevölkerung. Protestwellen seitens verschiedener Umweltschutzvereine sind die Folge. Im Augenblick versucht man, den tropischen Regenwald zu schonen, indem eine nachhaltige Bewirtschaftung gefördert wird. Inmitten der unberührten Vegetation werden Kulturpflanzen, wie beispielsweise Paranüsse, angebaut. Auf diese Weise soll der drohenden totalen Unfruchtbarkeit der Böden entgegengewirkt werden; trotzdem aber bestünde eine gewisse wirtschaftliche Rentabilität.
Die weitaus wichtigere Aufgabe des Regenwaldes ist jedoch eine andere. Ausgesprochen seltene und gefährdete Lebensformen sind im tiefen Dickicht beheimatet. Viele von ihnen sogar noch unentdeckt. Als Konsequenz der Waldzerstörung durch den Menschen verlieren nachfolgende Generationen die Chance, mehr über dieses einzigartige Ökosystem zu erfahren.Weiterhin gilt der Amazonasregenwald als bedeutendster CO2-Konsument der Erde und produziert eine gewaltige Menge von Sauerstoff, ohne den das Leben für die meisten Organismen nicht möglich wäre.
Der tropische Regenwald ist weit empfindlicher, als es vielleicht den Anschein hat. Damit auch in Zukunft dieser natürliche Schatz erhalten bleibt, ist ein Umdenken des homo faber erforderlich:
Steht der Profit wirklich über der Schönheit des Einzigartigen?
