
- Clason: Der reichste Mann von Babylon - www.oeschverlag.ch
In seinem Buch "Der reichste Mann von Babylon – Erfolgsgeheimnisse der Antike. Der erste Schritt in die finanzielle Freiheit" berichtet George S. Clason in einer Geschichte von Arkad, dem reichsten Mann aus dem antiken Babylon, wie dieser zu seinem enormen Reichtum gekommen ist. Damit die darin enthaltenen Gesetzmäßigkeiten des Finanzwachstums überall ihre Gültigkeit besitzen, hat der Autor sich für eine Erzählung aus einem längst vergangenen Reich entschieden. In diesem Buch ist von Gold die Rede, aber man kann diesen Begriff durch jede Währung der Welt ersetzen und die Geschichte so in die Jetztzeit übertragen.
Erste Schritte in die finanzielle Freiheit?
Mit seinen "Fünf Gesetzen des Goldes" gibt Clason einen Überblick, wie wohlhabende Menschen zu ihrem "Gold" kommen. Hier die Darstellung in verkürzter Form und einige Erläuterungen dazu:
1. Lege von deinem Einkommen immer 10 Prozent auf ein Sparkonto, das heißt, von einem geringen Einkommen wird auch nur ein geringer Betrag für schlechte Zeiten weggelegt, von einem hohen hingegen umso mehr.
2. Investiere dein "Gold" in eine wirklich gewinnbringende Tätigkeit, das heißt, man soll sich nach Tätigkeiten umsehen, die auf lange Sicht ein höheres Einkommen in Aussicht stellen. Das kann die Selbständigkeit sein, die allerdings auch für Unerfahrene oftmals mit einem Risiko verbunden ist, oder es kann ein besser bezahlter Job im Angestelltenverhältnis sein, für den man sich nur eigenverantwortlich weiterqualifiziert. Und in der Tat kann es sich auszahlen, wenn man einen Teil seines ersparten Geldes dazu nutzt, sich in Kursen und Fernstudien (bei seriösen Anbietern versteht sich) weiterzubilden und Zertifikate zu erlangen, die das auch belegen. Dann braucht man nur noch Geduld und Ausdauer, bis einem der Beruf begegnet, den man immer schon machen wollte. Solange kann man in seinem jetzigen, vielleicht weniger lukrativen Beruf verbleiben. Nur keine überstürzten Handlungen und keine unrealistischen Tagträume!
3. Vertraue dein Gold erfahrenen Fachleuten zur gewinnbringenden Investition, das heißt, man soll sich einen kompetenten Investmentberater suchen. Angesichts der letztjährigen Bankenkrise, die für diese drastische Wirtschaftskrise verantwortlich ist, bei der gierige Investmentbanker ohne Skrupel die Gelder ihrer Kunden einfach verzockt haben, mag dieses Gesetz wie eine Farce klingen. Dennoch gab und gibt es auch vor der Krise und seit der Krise höchst verantwortungsbewusste Investmentspezialisten, die alle Risiken und Gewinnmöglichkeiten im Investmentbereich genau ausloten und ihre Kunden wirklich beraten. Nicht alle in diesem Sektor sind „Schwarze Schafe“. Und wem das Investmentgeschäft zu riskant erscheint, dem bleiben immer noch klassische Anlagen.
4. Investiere niemals in riskante oder unbekannte Geschäfte, von denen du nichts verstehst, oder von denen dir erfahrene Menschen abraten, das heißt, Hände weg von Märkten, die man nicht vollständig durchschaut. Man muss mit der Materie selbst vertraut sein. Das heißt aber auch, dass der Laie, der vom Investmentgeschäft überhaupt keine Ahnung hat oder davon, wie die Börse funktioniert, auch hiervon die Finger lassen sollte. Zu groß wäre die Gefahr, aufgrund eigener Unerfahrenheit Verluste einzufahren.
5. Vertraue niemals irgendwelchen Betrügern und Spekulanten, die dir horrende Gewinne versprechen, das heißt, eigentlich bedürfte dieser Punkt gar keiner Erläuterung. Aber eines sei zur Warnung gesagt: "Gier frisst Gehirn!" Manche Menschen lassen sich aus purer Gier alles aufschwatzen, auch wenn der gesunde Menschenverstand längst dabei Alarm schlagen müsste. Es gibt keine einzige Anlage auf der ganzen weiten Welt, die garantierte Gewinne im zweistelligen prozentualen Bereich bieten, ohne dass es sich dabei um Zockergeschäfte handelt. Natürlich gibt es Anlagen, die vierzig oder gar fünfzig Prozent Gewinn einbringen können. Die Wahrscheinlichkeit, sein Geld in den Sand gesetzt zu haben, ist aber umso höher. Kein enormer Gewinn ohne großes Risiko. Zocken kann nur der, der schon genug hat und beispielsweise locker 10.000,- oder mehr riskieren kann. Für die meisten von uns würde dieser Betrag aber die einzige Rücklage bedeuten. Warum sollte man sie so riskieren? Niemand käme auf die Idee, seine 10.000,- vom Sparbuch abzuheben und ins nächste Casino zu tragen, sie beim Roulette komplett auf eine Zahl zu setzen und auf den großen Gewinn zu warten. Aber viele werden blind, wenn es um solche undurchsichtigen Anlagemöglichkeiten geht. Diese sind wie Roulette auf volles Risiko ausgelegt.
Was ist dran an den babylonischen Gesetzen?
Zunächst sei gesagt, dass sie durch und durch vernünftig sind. So und nicht anders funktioniert es, wenn man sich eine sichere Rücklage bilden will. Das wird einem jeder Finanzexperte sagen. Bedenklich ist, dass laut diesem Buch jeder diese Gesetze anwenden kann. Theoretisch ist das richtig. Allerdings ist nicht ersichtlich, wie einkommensschwache Personen oder Familien, die möglicherweise von Hartz IV abhängig sind, von ihrem wenigen Einkommen 10 Prozent sparen sollen. Bei 700 Euro sind das zwar "nur" 70 Euro, aber für einen Hartz IV-Empfänger ist das Geld so knapp bemessen, dass tatsächlich alles für den reinen Lebensunterhalt ohne jegliche Extras draufgeht. Es ist also nicht so einfach, wie es in dem Buch beschrieben steht. Aber es ist auch nicht unmöglich. Wer den festen Wunsch hat, seine finanzielle Situation in Zukunft zu verbessern, der wird Wege finden, um so schnell wie möglich aus einer etwaigen Hartz IV-Falle herauszukommen. Abschließend lässt sich sagen, dass sich das Buch locker und leicht liest und dabei immer wieder Zustimmung im Inneren hervorruft. Man kann das, was dort geschrieben steht, leicht nachvollziehen und akzeptieren. Insofern eignet sich das Buch für jeden, der noch finanzielle Träume hat und keine sachlichen Finanzanalysen lesen möchte.
George S. Clason: Der reichste Mann von Babylon. Goldmann 2002. Taschenbuch, 208 Seiten. Euro 9,90.
