Der richtige Weihnachtsbaum

Weihnachtsbaum-Spitzenreiter ist wieder mal die Nordmanntanne. Doch es gibt Alternativen: Kiefer, Fichte und Plastik. Allergiker sollten aber aufpassen.

Die gute Nachricht zur Adventszeit: Der heiße und trockene Sommer hat keine Auswirkungen auf die diesjährige Weihnachtsbaumernte. Zwar sind unter den sengenden Hitze einige Jungpflanzen eingegangen, doch waren sie noch nicht groß genug, um in diesem Jahr als Weihnachtsbaum in Frage zu kommen. Sie wären erst in sieben oder acht Jahren dran gewesen. "Damit es dann keine Nachschubprobleme gibt, sind die Lücken bereits wieder aufgepflanzt worden", sagt Kristof Köhler, Weihnachtsbaum-Fachmann bei der NRW-Landwirtschaftskammer in Meschede im Hochsauerland. Aus dieser Region kommt etwa ein Drittel der rund 24 Millionen Bäume, die auch dieses Jahr wieder in Deutschland verkauft werden.

Erster Platz für die Nordmanntanne

Den ersten Platz wird dabei erneut die Nordmann-Tanne belegen. Sie bleibt der eindeutige Spitzenreiter in deutschen Wohnzimmern. Das hat seine Gründe. Der wichtigste lautet: Sie piekt nicht. "Und sie bleibt lange frisch", sagt Kristof Köhler. Das Nadelkleid, wie der Fachmann sagt, sitzt zudem wie ein Maßanzug. Glänzende Farben, dichte Äste: Kein Wunder, dass die Nordmann-Tanne der absolute Liebling ist. Abgeschlagen auf den Plätzen landen Rotfichte und Blautanne. Sie haben eindeutig nicht die Qualitäten des "Nordmanns"; dafür sind sie um einiges preiswerter. Für alle Baumsorten gilt: Es wird in etwa der gleiche Preis verlangt wie im vergangenen Jahr. Möglich sei aber eine leichte Steigerung, meinen die Anbaufachleute.

"Der Meter Nordmann-Tanne aus dem Sauerland wird bei 18 bis 22 Euro liegen", sagt Meinolf Mütherich, Vorsitzender der Fachgruppe Weihnachtsbaumproduktion im NRW-Landesverband Gartenbau. Das heißt, ein üblicher, etwa 180 Zentimeter hoher Weihnachtsbaum fürs Wohnzimmer kostet dann um die 40 Euro. Bernd Oelkers vom Bundesverband der Weihnachtsbaumproduzenten und Schnittblumenhersteller geht von etwas niedrigeren Preisen aus. "Die Premium-Nordmanntanne wird für 35 Euro zu haben sein", sagt der Forstwirt aus Niedersachsen. Die Blautanne werde bei 22 bis 25 Euro liegen, die Rotfichte bei 15 Euro. "Allerdings wird es starke regionale Unterschiede geben", sagt Oelkers. Zudem hängt der Preis auch von der Herkunft der Bäume ab. Gegen Importbäume vor allem aus Osteuropa können die heimischen Produzenten dabei kaum konkurrieren

Vorsicht bei Schnäppchen: Gefahr durch Pestizide

Johann Heiermann, Waldökologe von der Umweltorganisation Nabu ist bei solchen vermeintlichen Schnäppchen aber skeptisch. Er empfiehlt, genau zu fragen, wo die Bäume herkommen und im Zweifel doch den teureren Baum zu nehmen. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die billigen Bäume stark gedüngt und mit Pestiziden behandelt worden sind." Und das schade nicht nur dem Boden, die Rückstände könnten auch ausdünsten und so zu Hautreizungen führen. Diese Gefahr sieht Rudolf Fenner, Waldexperte von Robin Wood, allerdings nicht. "Gespritzt wird im Frühsommer", sagt der Biologe. "Wenn die Bäume im WInter geschlagen werden, sind die Giftstoffe schon längst wieder aus dem Baum heraus." Dennoch empfiehlt er, genau wie sein Kollege vom Nabu, Bäume aus ökologischem Anbau zu kaufen. "Da tut man was für die Umwelt", sagt Fenner.

Allerdings gibt es nicht all zu viele Anbauer ökologischer Weihnachtsbäume, und ihre Zahl ist in den vergangenen Jahr auch kaum gestiegen. "Bevor man dann also sich auf den weiten Weg zu einem solchen Waldbetrieb macht, sollte man sich lieber in der näheren Umgebung umschauen", sagt Fenner. "Der Weihnachtsbaum der kurzen Wege ist da immer noch besser als der Öko-Baum der langen Anfahrten." Das findet auch Waldökologe Heiermann vom Nabu. "Im Nordosten Deutschlands kann man ja sich auch mal die dort wachsenden Waldkiefern als Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer stellen", rät der Biologe.

Plastik ist keine Alternative

Keine Alternative sind für ihn Bäume aus Plastik. "Die Herstellung eines Plastikbaums und der Transport des zumeist in Fernost produzierten Artikels benötigt sehr viel Energie", sagt Heiermann.Sie könnten außerdem nicht recycelt werden und würden irgend wann einmal als Restmüll verbrannt. Besser sind da Bäume mit Wurzeln, die nach dem Weihnachtsfest im Garten angepflanzt werden, findet er. Sein Kollege Fenner vom Robin Wood ist da skeptisch. "Die meisten Bäume überleben das nicht, weil sie zu schnell wieder in die Kälte kommen und außerdem leicht vertrocknen."

Ganz gleich, ob man sich für einen Baum mit oder ohne Wurzel entscheidet: Er braucht viel Wasser. Und das nicht nur, weil er sonst schnell seine Farbe und seine Nadeln verliert. Wenn die Äste einmal ausgetrocknet sind, brennen sie wie Zunder, warnt der Bundesverband der Versicherungswirtschaft. Er empfiehlt regelmäßiges Gießen und für alle Fälle Löschmittel bereit halten.

Selbst den Baum schlagen

Beinahe so gut wie Öko-Bäume sind übrigens Bäume vom Förster, die als Abfallprodukt bei der Durchforstung des Mischwaldes anfallen. "Man kann davon ausgehen, dass diese Bäume ebenfalls ohne Pestizide aufgewachsen sind", sagt Nabu-Ökologe Heiermann. Auf schönes Wachstum muss der Käufer aber bei einem solchem Baum meist verzichten. "Wer danach sucht, ist bei einem Baum aus einem Anbaubetrieb besser aufgehoben", sagt Bernd Oelkers vom Bundesverband der Weihnachtsanbauer. Dafür werden sich, da ist er sich sicher, wieder die meisten Kunden entscheiden: 98 Prozent aller Weihnachtsbäume kommen aus einem solchen Plantagenbetrieb.

Klaus Martin Höfer, Robert Frie

Klaus Martin Höfer - Freier Rundfunk-, Print- und Online-Journalist. Ich beschäftige mich mit Hochschul-, Bildungs-, Wissenschafts- und ...

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