Der russisch-japanische Krieg 1904-1905

St.Petersburg, Sitz der russischen Regierung - tokamuwi-pixelio.de
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Der erste Krieg im 20. Jahrhundert warf seine Schatten auf die folgenden Auseinandersetzungen: Japan wurde Großmacht, das Zarentum geriet in die Krise.

Einer der großen Streitpunkte der imperialistischen Mächte Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts war China, das als der sprichwörtliche Kuchen galt, von dem sich jeder seinen Teil abschneiden könne. Eine günstige Ausgangslage hierfür hatten die Nachbarn Russland und Japan, die in ihrem Bestreben, Gebiete des geschwächten Großstaats zu erwerben, von verschiedenen europäischen Fraktionen unterstützt wurden: Auf der Seite des Zarenreichs standen das Deutsche Reich und Frankreich, die beide hofften, Russland vom europäischen Geschehen ablenken und gleichzeitig für ihre Interessen einsetzen zu können. Großbritannien dagegen schloss ein Defensivbündnis mit Japan, das jedem Vertragspartner militärische Hilfe bei einem Angriff von mehr als zwei Staaten garantierte.

Vorbedingungen und Bündnisse des Krieges

Anfangs erweist sich das erste Bündnis als das mächtigere: Japan hatte 1894 einen Krieg gegen China geführt und ohne große Mühen gewonnen, woraufhin es Korea besetzte, die Insel Formosa (Taiwan) erhielt und mit der Einnahme der Halbinsel Liaotung und deren Hafen Port Arthur einen Fuß in die Mandschurei setzte, die auch von Russland begehrt wurde. Doch auf Druck der drei Bündnispartner Deutsches Reich-Frankreich-Russland mussten sowohl die Halbinsel mit dem Hafen als auch Korea geräumt werden, Japan blieb nur Formosa.

1896 schließt der Zar dann auch noch ein Bündnis mit China, sichert sich den Einfluss in der Mandschurei durch den Bau der „Ostchinesischen Bahn“, die vom russischen Militär bewacht und verwaltet wird und erreicht 1898 hinzukommend einen Pachtvertag auf 25 Jahre für die vorher genannte Halbinsel Liaotung mit dem eisfreien Port Arthur. Nun allerdings macht Japan mit Unterstützung der Briten seinen Einfluss geltend, in dem es China zwingt, den Rückzug der russischen Truppen aus der Mandschurei in drei Phasen zu fordern. 1902, in der ersten Phase, weichen die Russen hinter ihre Grenzen zurück, doch im Jahr darauf verharren alle Truppen an ihrem alten Platz und der Konflikt mit Japan ist somit für die folgende Zeit absehbar.

Der Verlauf des Krieges I: Der Seekrieg

Das zaristische Russland besaß zu Beginn des Jahres 1904 drei große Flotten: die Schwarzmeerflotte in Odessa, die Ostseeflotte in Kronstadt und die Pazifikflotte in Wladiwostok und Port Arthur. Die erste war vollkommen handlungsunfähig, da ein Durchqueren der Dardanellen einen internationalen Konflikt ausgelöst hätte, die beiden anderen sollten den russisch-japanischen Krieg nicht überleben.

Trotz der angespannten Lage kommt der Überfall der japanischen Flotte auf den Hafen von Port Arthur überraschend. Technisch bewirkt er nur geringe Schäden, die bald behoben sind, doch versetzt er das russische Militär von Anfang an in einen Schockzustand, so dass die Pazifikflotte die Häfen nicht verlässt und dadurch die Japaner ungehindert Heerestruppen an Land setzen können. Erst zwei Tage nach dem Überfall erklärt Japan offiziell den Krieg an Russland.

Das Ende der russischen Pazifikflotte

Im April 1904 sinkt das russische Flaggschiff bei einer Erkundungsfahrt und geht mitsamt dem fähigen Flottenchef aufgrund einer japanischen Mine vor Port Arthur unter. Vier Monate später wagt sich die bereits durch Beschuss vom Land her dezimierte Teilflotte aus dem sicheren Hafen heraus und wird prompt von den Japanern total zersprengt, die zu Hilfe eilenden Kreuzer aus Wladiwostok ereilt dasselbe Schicksal - die Pazifikflotte hat aufgehört zu existieren.

Nun liegen die russischen Hoffnungen auf der Ostsee- oder Baltikflotte, die allerdings erst einen weiten Weg zurücklegen muss. Während der Zerstörung ihrer Schwesternflotte ankert sie gerade vor dem verbündeten Madagaskar (französische Kolonie). Überlegungen, sie wieder zurückzuziehen, scheitern an der immer noch siegessicheren Kriegspartei, woraufhin die Schiffe Richtung Indochina weiterfahren, dort aber auf Verlangen der Briten abgewiesen werden und darum nun versuchen, Wladiwostok zu erreichen.

Die Schlacht von Tsuschima

Bei der Durchquerung der Meerenge von Tsuschima treffen die Russen am 28. Mai 1905 auf die japanische Flotte unter Admiral Togo. 37 russischen Kriegsschiffen stehen 97 japanische gegenüber, die den Großteil ihrer unterzähligen Gegner bereits nach fünf Stunden kampfunfähig gemacht haben, der Rest wird in der folgenden Nacht vernichtet, nur drei Boote kommen jemals in Wladiwostok an - somit war die Ostseeflotte ebenfalls ausgelöscht. Der russische Flottenchef gerät mit 6.000 seiner Soldaten in Gefangenschaft, Japan hat einen Sieg davongetragen, der den Krieg endgültig zu seinen Gunsten entscheiden sollte.

Der Verlauf des Krieges II: Der Landkrieg

Nach dem Überfall auf Port Arthur nutzen die Japaner die zögerlich-abwartende Haltung der Russen, um ungehindert Heerestruppen auf das koreanische Festland zu transportieren und stehen im April 1904 an der Grenze zur Mandschurei mit einer Truppenstärke von etwa 60.000 Soldaten. Ebenso viele landen auf der Halbinsel Liaotung und schließen Port Arthur ein, während ihre Kameraden im Norden Koreas den Grenzfluss Jalu überschreiten und anschließend das 100.000 Mann Starke russische Heer durch Teilerfolge zum Rückzug ins Innere der Mandschurei zwingen. Zugute kommt den Japanern hierbei die Tatsache, dass die Transsibirische Eisenbahn noch nicht fertig ausgebaut und dadurch die Versorgung der russischen Truppen ungenügend ist. Dennoch gelingt kein entscheidender Sieg, bis die belagerte Stadt ohne militärische Notwendigkeit - ein Entsatz wäre durchaus noch möglich gewesen - kapituliert.

Die entscheidende Schlacht bei Mukden: Treffen der Massenheere

Mit den freigewordenen Armeen erzwingt Marschall Oyama nun in der Mandschurei eine Schlacht, die größer ist als alle bisher dagewesenen: Beide Seiten bieten etwa 300.000 Mann auf, die Japaner etwas mehr, doch sind dafür die russischen Geschütze denen ihrer Gegner überlegen. Die Menschenmassen sind so enorm, das beide Heerführer Probleme haben, sie zu koordinieren. Die Japaner bekommen diese Schwierigkeiten schneller in den Griff und beginnen langsam, die feindlichen Soldaten einzukreisen, woraufhin der russische General Kuropatkin frühzeitig den geordneten Rückzug befiehlt - immerhin dauert die Schlacht bei Mukden bereits etwa drei Wochen und ein Sieg der zaristischen Armee ist nicht mehr abzusehen.

Allerdings ist es fraglich, ob die Japaner diesen Erfolg noch einmal hätten wiederholen können, denn die gegnerische Versorgungslage hatte sich nun deutlich verbessert und die Russen schöpfen aus einem schier unendlichen Potential an Menschen, um ihre Verluste auszugleichen. Durch den Sieg der Japaner in der Meerenge von Tsuschima bleibt diese Frage aber Spekulation, im September 1905 kam es zum Friedensschluss.

Quellen:

  • John Withney Hall: „Das japanische Kaiserreich“; Fischer, Frankfurt a.M., 1984
  • Lothar Ruehl: „ Rußlands Weg zur Weltmacht“; Econ, Düsseldorf/Wien, 1981
  • Edward Crankshaw: „Winterpalast“; Heyne, München 1978
  • Bernhard Pollmann: „Chronik 1905“; Chronik, Dortmund 1992

Bild: tokamuwi-pixelio.de

Benedikt Grimmler, B.Grimmler

Benedikt Grimmler - Jahrgang 1980, Kulturwissenschaftler. Geboren im Frankenwald, seit Jahren am Bodensee. Freut sich über Anregungen und ...

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